24.06.2020 - 20:48 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Wo gibt es im Landkreis Tirschenreuth die meisten Corona-Todesopfer?

Lange hatte der Landrat mit sich gerungen. Nun gab er am Mittwoch auch die Herkunft der Corona-Todesopfer bekannt. Die beiden Städte Mitterteich und Erbendorf haben bei der Pandemie die meisten Menschen verloren.

Das Landratsamt Tirschenreuth hat die Todeszahlen in Zusammenhang mit dem Coronavirus veröffentlicht.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

Erst am Freitag hatte das Landratsamt aufgrund einer erfolgreichen Klage der Verlagsgruppe Hof, Coburg, Suhl, Bayreuth (HCSB) vor dem Verwaltungsgericht Regensburg die Infizierten-Zahlen für die einzelnen Gemeinden herausgegeben. Am Mittwoch nun machte die Behörde auch die Todeszahlen öffentlich. "Aufgrund vieler Nachfragen und des Gerichtsurteils in Regensburg haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen", erklärte Pressesprecher Wolfgang Fenzl auf Nachfrage. Zudem geht das Landratsamt davon aus, dass diese Zahlen ohnehin auch im Gutachten des Robert-Koch-Instituts, das in den nächsten Tagen vorliegen soll, eine Rolle spielen.

Wie allgemein erwartet, waren die Altenheime ein Brennpunkt. Dort, wo es Senioreneinrichtungen gibt, starben viele Menschen am Virus Covid-19. Die meisten Opfer gab es erwartungsmäß in der Stadt Mitterteich. 20 Menschen hat dort das Coronavirus nachweislich das Leben gekostet. Bei einem weiteren Todesopfer wurde in Mitterteich das Virus zwar festgestellt, war aber nicht ursächlich für den Tod. Für viele überraschend liegt die Stadt Erbendorf nur knapp dahinter an zweiter Stelle. Dort gibt es gleich zwei Seniorenheime: das BRK-Heim und das Caritas-Seniorenheim St. Marien. 19 Menschen sind in Erbendorf sicher am Coronavirus gestorben. Weitere zwei Verstorbene hatten das Virus zumindest im Körper, es war aber nicht die Haupttodesursache.

Zweistellige Zahlen

Zweistellige Todeszahlen gibt es auch noch in Tirschenreuth, Plößberg und Waldershof. In Tirschenreuth, in dem das BRK zwei Seniorenzentren betreibt, starben 12 Menschen am Virus, 15 Verstorbene hatten den Erreger in sich. In Waldershof, in dem das Sozialteam ein Senioren-Service-Haus hat, gab es 11 Corona-Todesopfer. Bei einem weiteren Verstorbenen wurde das Virus ebenfalls im Körper entdeckt, allerdings war es nicht Haupttodesursache. In der Marktgemeinde Plößberg, in dem das BRK das Haus Frohnwiesen hat, starben 11 Menschen am Virus. Vier weitere Tote hatten den Erreger in sich.

In acht Gemeinden des Landkreises Tirschenreuth wurden überhaupt keine Corona-Todesopfer registriert. Dies waren die Gemeinden Brand, Ebnath, Falkenberg, Immenreuth, Kulmain, Bad Neualbenreuth, Pechbrunn und Reuth. Auffallend: Fast alle diese Gemeinden liegen im Westen des Landkreises.

Seniorenheime besonders betroffen

45 Prozent der Todesopfer wohnten nach der Pressemitteilung des Landkreises in einer Senioreneinrichtung. In absoluten Zahlen sind dies 62 Männer und Frauen, denen die Corona-Pandemie das Leben gekostet hat. "Diese Prozentzahlen liegen allerdings unter dem Bundesschnitt", betont Pressesprecher Wolfgang Fenzl. Mittlerweile hat sich die Situation im Landkreis Tirschenreuth entspannt. Die letzten 7 Tage ist kein neuer Krankheitsfall gemeldet worden. Die 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner liegt wieder bei 0,00.

Der BRK-Kreisverband Tirschenreuth gab ebenfalls am Mittwoch bekannt, dass in den Häusern des Roten Kreuzes 70 Personen positiv auf das Covid-19-Virus getestet worden sind. 23 Bewohner seien am Virus verstorben. Zum Kreisverband Tirschenreuth im BRK gehören die Seniorenzentren Haus Falkenstein in Kemnath, Haus Frohnwiesen in Plößberg sowie Haus Mühlbühl und Haus Ziegelanger in Tirschenreuth. Das BRK-Wohn- und Pflegeheim Erbendorf wird trotz Gebietsreform vom Nachbarkreisverband Weiden-Neustadt betrieben.

53 Mitarbeiter in den stationären Einrichtungen des Tirschenreuther BRK-Kreisverbands wurden positiv auf Covid-19 getestet. "Derzeit sind keine Mitarbeiter infiziert", betont das BRK. Der erste bestätigte Fall war am 16. März bekannt geworden. "Eine abschließende Erklärung für die starke Betroffenheit von stationären Einrichtungen der Pflege haben wir nicht. Aus unserer Sicht gibt es aber einige Anhaltspunkte", erklärt stellvertretender Kreisvorsitzender Sven Lehner. Der Landkreis Tirschenreuth sei sehr früh stark betroffen gewesen, insbesondere, bevor staatliche Maßnahmen gegriffen hätten. Vor allem die ersten Infektionswege seien daher nur schwer nachvollziehbar. Zudem sei es halt so, dass in den stationären Pflegeeinrichtungen viele hochbetagte Personen mit Vorerkrankungen wohnten, oft multimorbid, die zur besonders gefährdeten Risikogruppe gehören. Eine Rolle spiele wohl auch, dass in den Seniorenzentren viele Menschen mit kognitiven Einschränkungen, zum Beispiel mit Demenz, lebten, für die eine selbstständige Einhaltung der Hygieneregeln nicht möglich sei.

Hintergrund:

Über ein Dutzend Alten- und Pflegeheime im Landkreis Tirschenreuth

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es derzeit 13 Alten- und Pflegeheime mit insgesamt 1111 Plätzen und 948 Mitarbeitern. Es wurden insgesamt 161 Pflegeheimbewohner und 107 Mitarbeiter positiv auf Covid-19 getestet.

„Der Landkreis Tirschenreuth war hier einer der ersten Landkreise in Bayern, welcher alle Altenheime durchgetestet hat“, betont Landrat Roland Grillmeier. Das Gesundheitsamt habe frühzeitig in den Altenheimen alle Bewohner und Mitarbeiter (soweit diese nicht anderweitig getestet worden waren) auf das Virus untersucht. Die Reihentests fanden vom 2. April bis 7. Mai statt. „Das Gesundheitsamt stand in engem Austausch mit den Heimen und sprach die notwendigen Maßnahmen ab. Ich erhoffe mir weitere Erkenntnisse zum Ausbruchsgeschehen und den hohen Zahlen an Infizierten und Todesfällen in unserem Landkreis durch den Bericht des Robert-Koch-Instituts, der Anfang Juli vorliegen soll“, betont Grillmeier.

Und hier erfahren Sie, welche Gemeinden die meisten Kranken hatten:

Tirschenreuth
Hintergrund:

Wie viele Einwohner sind noch an Corona erkrankt?

Die 7-Tage-Inzidenz pro 100 000 Einwohner liegt im Landkreis wieder bei 0,00 (Bayern-Durchschnitt 1,94 und Oberpfalz-Durchschnitt 1,17). Die Zahl der mit dem Virus Infizierten konnte am Mittwoch mit 1138 sogar um 2 Fälle nach unten korrigiert werden. „Der Grund waren Doppel- beziehungsweise Falscherfassungen“, erläutert Pressesprecher Wolfgang Fenzl. Die Zahl der nachweislich am Virus Verstorbenen liegt bei 122 Opfern. Die Statistik des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die alle mit dem Virus erkrankten Verstorbenen erfasst, steht derzeit bei 138. Rein rechnerisch sind im Landkreis Tirschenreuth noch 4 Personen am Virus erkrankt. Diese Zahl ergibt sich, wenn man von der Zahl der Infizierten die Todesfälle und die Genesenen abzieht. Die Genesenen beziffert der Landkreis mit 966. Diese Zahl basiert auf Schätzungsgrundlagen des Robert-Koch-Instituts.

Experten rechnen damit, dass es zu diesen Zahlen noch eine hohe Dunkelziffer gibt. Fundierte Erkenntnisse über die Verbreitung der Viruskrankheit erhofft sich der Landkreis von der Studie „TiKoCo19“ mit Wissenschaftlern der Universitätskliniken Regensburg und Erlangen.In diesen Tagen sind dazu Tausende von Landkreisbürgern angeschrieben und gebeten worden, sich freiwillig daran zu beteiligen. Bei Blutuntersuchungen soll ermittelt werden, wie viele Einwohner im Landkreis wirklich an Corona erkrankt waren.

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