23.01.2020 - 13:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Glauben wir heute noch an Wunder?

"Es war eine Heilung, bei der selbst ungläubige Ärzte keine Erklärung geben konnten." So schildert Abt Dr. Maximilian Heim die Heilung des fünfjährigen Lukas Yurie.

H.H. Abt Dr. Maximilian Heim beim Inzensieren des Hochaltares.
von Redaktion ONETZProfil
Die Geistlichen bei der Monatswallfahrt(von links): Pfarrer Martin Neumaier, Stadtpfarrer Georg Flierl, Abt Dr. Maximilian Heim OCist, Pater Klaus Kniffki SVD, Kaplan Daniel Fenk

"Glauben wir heute noch an Wunder?" Mit dieser Frage begann der Anführer der 393. Wallfahrt, H.H. Abt Dr. Maximilian Heim, der seit 2011 dem Zisterzienserstift Heiligenkreuz vorsteht, die Predigt. Als Anspielung auf das vorgetragene Evangelium sollte diese Frage verstanden werden, in welchem Jesus auf einer Hochzeit in Kana sein erstes Wunder tat. Auf die drängende Bitte seiner Mutter Maria hin, verwandelte Jesus hierbei Wasser zu Wein. "Dabei veranlasste die scheinbare Zurückweisung Jesu seine Mutter Maria dazu, noch tiefer zu glauben." Sie vertraute darauf, dass ihr Sohn in dieser Notlage helfen würde und das, obwohl dessen Zeit des öffentlichen Auftretens und Wirkens nach dem Plan des himmlischen Vaters noch nicht gekommen war.

Es ist beeindruckend, wie mächtig und gewichtig die Fürbitte der Muttergottes ist. In diesem Zusammenhang beschäftigte den Geistlichen die Frage, warum es uns Katholiken zur Muttergottes hinziehen würde, wenn wir in Not sind.

"Weil sie uns liebt und uns versteht", gab der Priester selbst zur Antwort. "Eine Mutter schaut auf ihr Kind. Sie liebt uns, weil sie uns in der tiefsten Stunde ihres Schmerzes als Kinder empfangen hat, als Jesus ihr den Jünger anheim gab und die Worte sprach: "Siehe da, dein Sohn!" In diesem Ausdruck "Sohn" dürfe sich jeder selbst sehen, unterstrich Heim. "Maria ist uns Menschen in dieser Stundes des Kreuzes zur Mutter gegeben worden. Als solche nimmt sie an unserem Leben teil, an den Freuden und vor allem an den Bedrängnissen." Sie führe uns zum wahren Leben.

Dann leitete der Ordenspriester auf die Heiligsprechung der beiden Hirtenkinder Francisco und Jacintha im Jahr 2017 über, denen die Gottesmutter in Fatima erschienen sei. Um jemanden heilig sprechen zu können, müsse sich vorher ein Wunder auf dessen Fürsprache ereignen, wusste der Abt aus dem Kirchenrecht zu berichten.

So habe es sich am 3. März 2013 in Brasilien zugetragen, dass ein fünfjähriger Bub namens Lukas Yurie aus 6,5 Metern Höhe aus einem Fenster auf die Straße fiel. Dabei habe der Junge eine schwere Gehirnerschütterung mit Verlust von Gehirngewebe im linken vorderen Stirnlappen erlitten. "Lukas war bewusstlos und erlitt zweimal einen Herzstillstand. Die Ärzte gaben ihm wenig Überlebenschancen. Seine Eltern begannen zu beten." Darüber hinaus baten sie auch die Schwestern des Karmels von Campo Mourao um ihr Fürbittgebet. Eine der Ordnesfrauen sei zu den Reliquien der Seligen Francisco und Jacintha gelaufen, welche in ihrer Kapelle aufbewahrt wurden und betete mit den Worten: "Ihr Hirtenkinder, rettet diesen Kleinen, der ein Kind ist wie ihr!" Zwei Tage später nahmen sie Lukas die Intubation ab und er erwachte problemlos. Er war klar bei Verstand und begann zu reden. Am 15. März 2013 konnter er das Krankenhaus bereits verlassen. Es war eine Heilung, bei der die Ärzte - selbst ungläubige - keine Erklärung geben konnten. Lukas war komplett wohlauf, ohne Krankheitssymtome oder Folgeschäden." Gott offenbare auch in unseren Tagen seine Herrlichkeit, schlussfolgerte der Ordensmann.

Das Bewusstsein vieler Menschen sei heute von einer tiefgreifenden religiösen, moralischen, gesellschaftlichen, ja auch kirchlichen Verunsicherung geprägt. Maria kenne unsere Nöte und Sorgen. Der Gottesmann gab den Gläubigen vier Ratschläge mit auf den Weg zum "wahren Leben":

1. "Alles, was er euch sagt, das tut!"Auf der Hochzeit zu Kana habe Maria die Diener angewiesen, alles zu tun, was Jesus ihnen sagen würde. "Auf diesen unerschütterlichen Glauben der Gottesmutter hin, wirkt Jesus sein erstes Wunder. Aus Not wird Freude, aus Mangel wird Fülle", so der Seelenhirte.

2. "Alles was er euch tut, das sagt." Maria bekenne in ihrem Lobgesang, dem Magnifikat, dass der Mächtige, von dem sie alles empfangen habe, Großes an ihr getan habe. Heim ermunterte die Gottesdienstbesucher wie Maria Zeugnis vom Wirken Gottes im persönlichen Alltag zu geben.

3. "Alles, was er euch gibt, das nehmt." Der Wallfahrtsanführer bezeichnete die Gläubigen als "von Gott Beschenkte". Speziell in der Anbetung, würde Gott uns in Jesus Christus reich beschenken. Heim brachte in diesem Punkt seine Freude über die immerwährende Anbetung in Tirschenreuth zum Ausdruck. Er unterstrich deren unschätzbaren Wert, indem er sich sicher sei, dass die Früchte der Anbetung auch im Priesterseminar Heiligenkreuz spürbar seien.

4. "Alles was er euch nimmt, das gebt." Die schmerzhafte Muttergottes würde in Tirschenreuth besonders verehrt, wusste der Priester. Sie zeige uns, wie tief der Glaube trägt. Selbst dann, wenn der Hoffnungsträger tot auf ihrem Schoß liegt, wisse sie doch, dass der österliche Morgen anbrechen werde.

Abschließend zitierte Abt Heim ein altes Gebet zur Mutter vom guten Rat: "Alles möcht ich dir erzählen, alle Sorgen, die mich quälen, alle Zweifel, alle Fragen, möcht' ich Mutter zu dir tragen. Wege, die ich selbst nicht kenne, liebe Namen, die ich nenne, Schuld, die ich mir aufgeladen, andern zugefügten Schaden. Ärgernis, so ich gegeben, all mein Wollen, all mein Streben, all mein Beraten, mein Verwalten, mein Vergessen, mein Behalten. Mein Begehren, mein Verzichten, und mein Schweigen und mein Richten, alle kleinen Kleinigkeiten, die so oft mir Müh' bereiten. Jedes Lassen, jede Tat, Mutter, dir, vom guten Rat, leg' ich alles in die Hände - du führst es zum rechten Ende.

Den Festgottesdienst konzelebrierten Pater Klaus Kniffki SVD, Pfarrer Martin Neumaier, Kaplan Daniel Fenk und Stadtpfarrer Georg Flierl. Die Solisten Christine Kohl und Ottmar Andritzky umrahmten zusammen mit der Organistin Kornelia Cichon die heilige Messe.

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