10.10.2021 - 12:15 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Eine gute Tat feiert Jubiläum: 21 Jahre Äthiopienhilfe

Corona und ein Krieg im Land haben den Tatendrang des Rotary-Clubs Stiftland für das große Hilfsprojekt in Äthiopien gestoppt. Jetzt kann endlich wieder ein Transport in die Augenklinik nach Debre Markos geschickt werden.

Fertig. Die Rotarier Klaus Kupke, Präsident Thomas Pfletscher, Wolfgang Gropengießer, Dr. Thomas Hohmann aus Bremen, Dr. Mathias Kalkum (von links) haben es geschafft und sind glücklich, wenn der Transport nun bald vom Zoll freigegeben wird.
von Ulla Britta BaumerProfil

Während sich Klaus Kupke auf den Straßenverkehr konzentriert, laufen vor seinem geistigen Auge Bilder einer langen Geschichte über humanitäre Hilfe ab. Der 82-jährige Unternehmer hat mit Dr. Bertold Freiherr von Lindenfels - beide sind Mitglieder im Rotary-Club Stiftland - vor 21 Jahren ein Hilfsprojekt in Äthiopien aus dem Boden gestampft, das inzwischen autark arbeitet. "Wir schicken weiter Hilfsgüter, weil es Vieles nicht gibt in Debre Markos", erzählt Kupke. Die Firma Medika aus Hof unterstützt den Rotary-Club Stiftland seit vielen Jahren beim Transport.

Viele leiden unter Grauem Star

Kupke, Mann der ersten Stunde und Hauptverantwortlicher für die Äthiopienhilfe, ist mit Club-Kollegen auf dem Weg dorthin. "Vor 21 Jahren standen wir vor der Frage, wo wir helfen können", erinnert sich Kupke. Als damaliger Präsident habe er mit von Lindenfels das Äthiopien-Projekt begonnen. "Viele Menschen sind dort an Grauem Star erkrankt. Wir können mit wenig Aufwand helfen. Uns kostet das nur 4 Euro pro Augen-OP", sagt er. "Wenig Aufwand" - eine bescheidene Untertreibung, die Hilfsorganisation musste aufwendig aufgebaut werden. Bis die Klinik in Debre Markos autark betreut werden konnte, vergingen Jahre in kargen medizinischen Verhältnissen. Kupke flog mit Ärzteteams aus ganz Deutschland in die ärmliche Region Amhara, wo die Menschen kaum humanitäre Hilfe bekommen. Er übernahm im Projekt das Geschäftliche, Logistik, Kontaktaufbau mit Behörden und Regierungsverantwortlichen in Äthiopien, Büro- und Bürokratismus-Kram. Heute kann er ein Lied davon singen, wie Korruption, Ignoranz und Eitelkeit in einem Regime fern von Demokratie Hilfe am Menschen enorm erschweren. "Bestechung ist an der Tagesordnung. Ich habe mich geweigert, da mitzumachen. Ich habe keinen einzigen Euro unter dem Tisch weitergeschoben."

An diesem warmen Herbsttag muss eine Fracht für Debre Markos vorbereitet werden. Mit Kupke fährt Dr. Mathias Kalkum. Einen Bus mit weiteren Hilfsgütern steuert Wolfgang Gropengießer, neben ihm sitzt Rotary-Präsident Thomas Pfletscher. Aus der Nähe von Bremen stößt zur Mittagsstunde Dr. Thomas Hohmann hinzu. Er sprang einmal ein, als ein Arzt kurzfristig einen Äthiopieneinsatz absagte und blieb dem Projekt treu. Beinahe ebenfalls 20 Jahre steht Hohmann den Rotariern aus Tirschenreuth als Fachmann für den Einkauf der Sachleistungen zur Seite. Diesmal sollen ein Untersuchungszimmer, ein OP-Mikroskop, ein Optiker-Messgerät und OP-Stühle verpackt und verschickt werden.

Der aktuelle Transport ist über ein Jahr fällig. 2020 ging nichts wegen Corona, in Äthiopien herrscht außerdem Krieg. Akribisch wird alles verpackt. "1,60 Meter - das passt", legt Kupke den Maßstab an. Sind die Paletten nur wenige Zentimeter höher, lässt man sie beim Verladen ins Flugzeug draußen stehen. So läuft das auch bei unvollständigen Papieren: Kupke und Hohmann schauen sie durch, Gropengießer inventarisiert die Pakete auf den Paletten. Aufgabe von Kalkum und Pfletscher ist es, die Lieferung mit Aufklebern als Hilfsgut des Rotary Clubs Stiftland zu kennzeichnen. Kupke erzählt von Tränen der Freude bei den Äthiopiern, die wieder sehen können und von seinen eigenen Tränen der Freude darüber, deren Glück teilen zu dürfen. "Das kann man sich nicht vorstellen. Es ist unbeschreiblich, welche Dankbarkeit die Menschen einem entgegenbringen. Sie lachen, weinen, singen und dieses offene Glück ist ansteckend." Die Rotarier sind jenen dankbar, die dieses kleine Glück des Einzelnen in Äthiopien mit unterstützen, so wie die Firma Medika. Das Lager dürfen die Rotarier kostenlos nutzen, fachkundige Mitarbeiter verpacken die Paletten ordnungsgemäß für den Flug. Man helfe gern, bestätigt Julia Lerner von der Marketingabteilung. Geschäftsführer Stefan Weiß nimmt sich Zeit, die Rotarier aus Tirschenreuth einen Nachmittag lang während der Verpackungsaktion zu begleiten. Viele Hände, schnelles Ende: Kupke zieht gut drei Stunden später den Klebeband-Automaten über die letzte Palette. Dankbares Händeschütteln und die Hoffnung auf eine diesmal rasche und unkomplizierte Lieferung sind der letzte Akt der Aktion.

Flug für 2022 geplant

21 Jahre Äthiopienhilfe: 2020 wäre ohne Corona ein großes Jubiläum fällig gewesen. Das Hilfsprojekt hat der Rotary Club Stiftland mit Klaus Kupke und Dr. Bertold von Lindenfels gestartet. Kein ihm bekannter Rotary Club, sagt Kupke, habe bisher eine Hilfsaktion über 20 Jahre begleitet. 2022 will er mit seiner Frau Theodora und Optiker Wolfgang Karbstein ein weiteres Mal nach Äthiopien fliegen. Am 25. November hält er einen Vortrag über 21 Jahre Äthiopienprojekt des Rotary Clubs Stiftland mit Filmbeitrag über die Einweihung der Klinik.

Mehr zum Rotary-Club Stifland

Tirschenreuth
Info:

Äthiopienhilfe in Zahlen

  • Aus einem schlichten Bau wurde eine Klinik mit allen erforderlichen Standards. Zusätzlich gibt es eine gynäkologische Abteilung.
  • Diese kann nun autark arbeiten, benötigt aber weiterhin medizinische Geräte und Produkte, die in Äthiopien aus Kostengründen nicht selbst angeschafft werden können.
  • In den 21 Jahren konnten 240 000 Patienten an Grauem Star operiert werden, pro Monat 900.
  • Insgesamt wurden bisher 880 000 Euro an Spendengeldern eingesetzt aus 2130 Spendeneingängen, manche mehrfach.
  • Eine Luftfracht nach Äthiopien kostet 2000 Euro.
  • Insgesamt wurden dann 24 780 Kilogramm Hilfsgüter nach Äthiopien verschickt.
  • Mit Medika arbeitet der Rotary-Club seit 2009 zusammen, die aktuelle Verladung war die 17. seit 2001.
  • Kupke sammelte in den 21 Jahren 39 Aktenordner mit Dokumenten aus dem Hilfsprojekt.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.