30.06.2020 - 16:16 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Ungewöhnliches Präsidentschaftsjahr

Wolfgang Gropengießer war ein Jahr Präsident des Rotary-Clubs Stiftland. Die Hälfte seiner Amtszeit war von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt.

Die größte Enttäuschung für Wolfgang Gropengießer im durch Corona völlig durcheinandergewirbelten Clubjahr als Rotary-Präsident war die Stornierung der Clubreise nach Rumänien. Gropengießer konnte seinen Clubfreunden lediglich per E-Meeting die Fotos seiner Testreise zeigen. (Im Bild auf dem Tablet von rechts: an der Karpaten-Dampflok mit Frau Martina sowie mit Rumänienkenner Josef Karl Pelikan und dessen Frau, Notarin Sonja Pelikan, sowie deren Kinder.)
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Rotarier-Präsidentschaft von Wolfgang Gropengießer begann am 1. Juli 2019 und bis zur Jahreswende verlief dies normal. Dann kam Corona. Und der Chef der IGZ Falkenberg musste feststellen, dass sein durchgeplantes Jahresprogramm für den Club keine Bedeutung mehr hatte.

Rotarier sein heißt für Gropengießer, über den unternehmerischen Tellerrand zu schauen und sich aktiv sozial zu engagieren. „Der Rotary-Club ist eine Wirtschaftsvereinigung. Das hat mich zur Mitgliedschaft bewogen. Über das soziale Clubengagement kann ich der Gesellschaft etwas zurückgeben“, sagt er.

Zweifelsohne wird Gropengießers Amtsjahr in die Chronik als das „Corona-Clubjahr“ eingehen. Der Präsident musste wegen der Pandemie sein gesamtes Jahresprogramm über Bord werfen. Er räumte die Schwierigkeiten kurzerhand mit innovativen Neuerungen aus dem Weg. „Mit einer weltweiten Krise hat keiner gerechnet“, resümiert er heute darüber. In virtueller und innovativer Hinsicht habe das dem Club aber durchaus gut getan, kann Gropengießer dem Schrecken dennoch positive Seiten abgewinnen.

E-Meetings zum Beispiel, vorher undenkbar, seien Alltag geworden. „Was nicht heißt, dass das Freundschaften ersetzen kann. Nach wie vor ist der persönliche Kontakt bei einer Freundschaft das Wichtigste. Ein Stuhl und ein Schreibtisch können keine Freunde werden“, fügt er an. Dennoch würde es den Praktiker freuen, wenn der Club einige digitale Neuerungen beibehält.

Im regen Videochat-Kontakt mit Clubfreunden aus Tschechien und Salzburg gab es auch Sorgenfalten. Die tschechischen Freunde seien unter Schock gestanden nach der Grenzschließung, erzählt Gropengießer. „Sie hatten Angst, dass sie wieder für immer hinter der Grenze eingeschlossen werden.“ Sein Resümee gehört auch dem normalen „Alltag“ vor Corona: Konzertbesuche, Firmenbesichtigungen, Vorträgen wie über ein Kinderprojekt in Kenia von den Inner-Wheel-Club-Frauen, Martina Gropengießer und Brigitte Schneider. „Meine Frau war vor Ort und hat die Patenschaft für zwei Kinder aus Kenia übernommen“, berichtet Gropengießer.

Die ersten Veranstaltungsabsagen waren bereits im März, die wöchentlichen Clubtreffen auf der Burg Falkenberg und im Gasthof Pirkl in Waldsassen fielen aus. E-Meeting verhalf zum neuen Club-Alltag, mit Themen geprägt von Corona. Vorträge aus der Pandemie-Praxis erschienen dringlicher als Alltagsthemen. Gropengießer erzählt unter anderem vom Livebericht des RC Salzburg per Videokonferenz über den Zusammenbruch der Tourismusbranche in Österreich. Der neue Landrat Roland Grillmeier berichtete dem Club über seine letzten Tage als Bürgermeister in Coronazeiten in Mitterteich.

Am schmerzlichsten sei für ihn die Absage der Clubreise nach Rumänien gewesen. Gropengießer, der extra vorher eine Testreise gemacht hatte, musste stornieren. Auch nach Tanzen war keinem mehr: Anfang Mai sollte erstmals gemeinsam mit dem Lions-Club im Kettelerhaus der „Tanz in den Mai“ als Benefizabend stattfinden. Abgesagt. „Und das Konzert mit Jeff Beer und seiner Bluesband auch“, bedauert Gropengießer.

Noch in den Startlöchern wurde das Jugendprojekt „Crossing.border#stay.strong“ in Zusammenarbeit mit dem Jugendmedienzentrum T1 und dem Rotary-Club Eger gestoppt. Eine 20.000-Euro-Finanzstütze, gefördert von der Euregio Egrensis, soll der Drogenprävention dienen. Gropengießer hofft auf den Herbst als Neustart. Ebenso steht das 50.000-Euro-Hilfsprojekt „Augenklinik in Äthiopien“ in den Sternen. Die afrikanische Klinik, von Mitglied Klaus Kupke aus Wiesau gegründet, muss renoviert werden. "Verschoben auf November", liest Gropengießer in seinem Clubkalender.

Nicht alles ging den Bach hinab. „Einem bereits vorher unterstützten Waisenhaus in Kenia, das um Hilfe wegen der Pandemie fragte, konnten wir 2000 Euro überweisen“, so Gropengießer. Ihn freut’s auch, dass die Behinderten-Nichtbehindertengruppe Tirschenreuth mit der einjährigen Übernahme einer Autoversicherung geholfen werden konnte. Dem Falkenberger geht es um die regionale Sozialarbeit, die für ihn „immer im Vordergrund steht“. Spontane Hilfe leitete der Präsident gemeinsam mit dem Club in die Wege mit der Spende von Schutzmasken und Gutscheinen an Heime, Hilfseinrichtungen wie das BRK die Örtliche Einsatzgruppe Katastrophenschutz und das Gesundheitsamt.

Die Krise habe seine positive Sicht auf diese äußerst wichtigen Hilfsorganisationen noch einmal verstärkt, sagt Gropengießer und hofft, dass er mit dieser Ansicht nicht allein ist. „Es war ein sehr abwechslungsreiches, sehr spannendes und vor allem sehr ungewöhnliches Jahr“, zieht er Bilanz. "Agiler, flexibler, digitaler und innovativer" sei der Rotary-Club in diesem einen Jahr mit Corona geworden. Was wegen der schwierigen Situation nicht erledigt werden konnte, kann nun auch Aufgabe des Nachfolgers werden.

Der Architekt Peter Brückner aus Tirschenreuth übernimmt ein Erbe, das es in dieser Form im 25-jährigen Club-Dasein nicht gegeben hat. "Krisenmanagement im Club" ist keine leichte Aufgabe. Unspektakulär werde die Übergabe erfolgen, wegen der Abstandsregelung, so Gropengießer. „Eine kleine Feier wird am 25. Juli auf der wieder geöffneten Burg Falkenberg nachgeholt“, verspricht er zuversichtlich, dass bis dahin nicht wieder eine Krisenwelle kommt.

Die "Altneihauser Feierwehrkapell'n" war 2019 bei dem Rotary-Club Stiftland:

Waldsassen
Wolfgang Gropengießer zeigt, was von einem Rotarier gefordert wird.Jedes neue Clubmitglied muss die vier Fragen, die auch auf der Clubmitgliedskarte abgedruckt sind, ehrlichen Herzens bei seiner Aufnahme beantworten.
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