20.11.2019 - 11:23 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Heilige Kirche ist immer auch eine Kirche der Sünder

Weihbischof Josef Graf war der Anführer der Monatswallfahrt In Tirschenreuth. In seiner Predigt betont der Geistliche: Christen müssen heute durchleiden, was andere verschuldet haben.

Weihbischof Josef Graf während der heiligen Messe
von Redaktion ONETZProfil
Anführer der Monatswallfahrt war Weihbischof Josef Graf. Im Bild (von links): Stadtpfarrer Georg Flierl, Father Ronald (Uganda), Kaplan Daniel Fenk, Weihbischof Josef Graf, Pfarrer Martin Neumaier und Pater Klaus Kniffki SVD

Zur 391. Wallfahrt für die Kirche stand Weihbischof Josef Graf aus Regensburg den Feierlichkeiten vor. In seiner Predigt zitierte er eingangs die Worte Jesu aus dem Johannesevangelium, mit welchen er über sich und seine Sendung sprach: "Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh. 3,16).

"Jesus hat in seinem Kreuzesleiden die Schuld der Welt auf sich genommen. Durch seinen Tod hat er unsere Schuld vor Gott gesühnt", so der Würdenträger. Mit dem Thema Sühne würden wir in die Herzmitte unseres christlichen Glaubens gelangen. Doch genau bei solchen Themen hätten heute viele Menschen ihre Fragen und Zweifel: Warum musste Jesus am Kreuz sterben, um uns zu erlösen? Wenn Gott doch der Allmächtige ist, hätte er dann nicht einen anderen Weg finden können, um uns die Schuld zu vergeben? Dem Glaubensleben des Weihbischofs helfe der Gedanke an die Liebe Gottes am meisten, um sich zu vertiefen, in das, was Gott an uns in Jesus getan hat. "Gott hat den Weg gewählt, den Christus gegangen ist, den Weg der Hingabe des eigenen Lebens am Kreuz. Hätte er uns intensiver zeigen können, was wir ihm wert sind", resümierte der Gottesmann. Mit einem klaren "Nein" beantwortete Graf selbst die Frage. Radikaler hätte Gott seine Liebe zu uns nicht zeigen können. Mehr als das eigene Leben könne man nicht geben.

Radikales Zeichen der Liebe

Menschen, die eine Ahnung und Erfahrung von echter Liebe haben, könnten in ihrem Herzen verstehen, was Jesus hiermit für uns getan hätte. Er sei an unsere Stelle getreten und war bereit, unsere Schuld auf sich zu nehmen. Der Seelenhirte verglich diese Liebestat Jesu mit dem Wunsch und der Bereitschaft einer Mutter, die schwere Krankheit ihres Kindes zu übernehmen, wenn nur ihr Kind wieder gesund würde. "Jesus hat das tödliche Nein des Menschen zu Gott auf sich genommen. Er ist für den Menschen eingestanden bis zur bitteren Konsequenz des Verbrechertodes am Kreuz. Nicht weil Gott nicht anders gekonnt hätte, sondern weil er es so gewollt hat, uns dieses denkbar radikalste Zeichen seiner Liebe zu uns Menschen zu geben."

An dieser Stelle forderte der Anführer der Wallfahrt die Kirchenbesucher dazu auf, gleich dem Vorbild der Opfergesinnung Jesu, auch für andere einzutreten. An diesem Punkt schlug der Redner die Brücke zur Botschaft von Fatima, wo die Muttergottes eben zum Gebet füreinander, zur Buße und zur Sühne für die sündige Welt aufrufe.

Opfer und Hingabebereitschaft

"Liebe Schwestern und Brüder, machen wir uns nichts vor, Begriffe wie Opfer, Hingabe und Sühne haben in unserer gegenwärtigen Welt keinen sehr guten Klang", so der Prediger. Dennoch würden wir alle spüren, dass gelingendes Leben ohne Opfer und Hingabebereitschaft nicht möglich sei. Es sei heute nicht mehr modern, wenn jemand von sich sagt, er bringe das, was ihm schwerfällt, als Opfer für Gott und auch für die Nächsten dar, so der Prediger. So hätten die Großen des Glaubens ihre Leiden, welche sie zu ertragen hatten, als stellvertretende Sühne für die Menschen verstanden. Allen voran erwähnte Graf Papst Johannes Paul II.

Auch eine Kirche der Sünder

Dann kam der Geistliche auf die aktuelle Situation der Kirche zu sprechen, welche er als geschmähte und verunstaltete Kirche bezeichnete. Anlass dazu gaben nicht zuletzt einige Geistliche, die durch ihr persönliches Versagen der Kirche Schaden zugefügt hätten. Doch würden diese schlimmen Dinge nun auch zum Anlass dafür genommen, die Kirche als Ganze zu diskreditieren. Folglich kämen innerhalb der Kirche wieder alte kirchenpolitische Forderungen auf, welche dem Glauben der katholischen Kirche widersprechen. "Wir müssen bereit sein, mit und für die Kirche zu leiden. Denn die heilige Kirche ist immer auch eine Kirche der Sünder."

Da sein, wo es uns trifft

Dieser Gedanke tröste den Weihbischof, denn so wisse er, dass auch er in dieser Kirche seinen Platz habe mit seinen eigenen Fehlern und Sünden. Heute müssten die Christen auch ausbaden und durchleiden, was andere verschuldet haben, gerade auch was einige Kirchenmänner verschuldet haben. Christusnachfolge wird auch immer Kreuzesnachfolge sein, folgerte Graf. Wir sollten da, wo es uns trifft, dazu bereit sein, immer wieder neu mit der Kirche zu leiden und für sie in die Bresche zu springen. In der stellvertretenden Sühne würden wir unsere Antwort auf die Fatimabotschaft geben, welche uns zu Gebet, Buße und Sühne auffordere. Musikalisch wurde der Festgottesdienst von den Solisten Christine Kohl und Ottmar Andritzky sowie von Kornelia Cichon an der Orgel begleitet.

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