03.09.2018 - 15:05 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Hirtentradition mit "Dudldudl"

Die Jahreszahl 1776 verweist auf das mögliche Baujahr. Das Hirthäusl ist ein wertvolles Relikt aus alten Zeiten und rückt zum Tag des offenen Denkmals in den Mittelpunkt - und mit ihm ein eigentümliches Musikinstrument.

Das Hirthaus mit der Hausnummer 16 in Hohenwald steht am Sonntag für alle Interessierten offen.
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Er hatte ein fast zwei Meter langes Holzhorn verziert mit Ochsengurgeln. Aus diesem Instrument dudelte anno 1850 jeden Morgen jagdhorngleich dieselbe Melodie durch alle Tirschenreuther Gassen, sehnlich erwartet von den Bauern der Stadt. Die Melodie pustete der "Dudldudl" genannte Tirschenreuther Hirte. Er war ein angesehener Mann, denn er bekam tagtäglich das Wertvollste, die Kuh, anvertraut.

"Das ist genauso, wie wenn man heutzutage einen Mercedes hätte, den gibt man ja auch nicht jedem in die Hand", erklärt Stadtheimatpfleger Eberhard Polland die Rolle der Hirten im historischen Tirschenreuth. Beim Tag des offenen Denkmals am Sonntag, 9. September, verlässt das originale Ochsengurgelhorn vom "Dudldudl" seinen Platz im Museumsquartier Tirschenreuth und reist mit dem Stadtheimatpfleger vor die Tore der Kreisstadt nach Hohenwald. Dort ist zum Tag des offenen Denkmals das Hirthaus erstmals öffentlich zugänglich. Von 14 bis 17 Uhr kann das Baurelikt bestaunt werden. Eberhard Polland steht Rede und Antwort zu allen Fragen rund um die Hirtentradition. Beispielsweise kennt er die originale Melodie, die der "Dudldudl" dereinst durch sein Horn blies. Der Eintritt ist frei, alle Führungen sind kostenlos, eine Anmeldung ist nicht nötig.

Das Hirthaus steht mindestens seit 212 Jahren am Ortsrand von Hohenwald in Richtung Falkenberg. Uralt und etwas unscheinbar war es zuletzt, denn der Putz rieselt seit Jahrzehnten vor sich hin. Jüngst hat sich hier aber viel getan: Ein neues Dach, neue Holzfenster, alte Handwerkskunst - das Hirthaus in Hohenwald wird wiedererweckt. Es ist schließlich nicht irgendein Häuschen, sondern das älteste Zeugnis des Dorfes Hohenwald. Ein Balken im Inneren benennt das mögliche Baujahr 1776. Im Jahr 1806 finden sich erste schriftliche Erwähnungen dieses Hirthauses.

Schafzucht war seit dem Mittelalter ein Wirtschaftszweig in Hohenwald, das damals zum reichsunmittelbaren Kloster Waldsassen gehörte. Die Hohenwalder und die Stadt Tirschenreuth wollen diese Historie nicht vergessen und deshalb wird das denkmalgeschützte Hirthaus als Dorfgemeinschaftshaus saniert. 250.000 Euro sind dafür vorgesehen. Die Bevölkerung ist am Tag des offenen Denkmals eingeladen, sich den Fortschritt des Projekts aus der Nähe anzusehen. Die Dorfgemeinschaft packt bei der Sanierung kräftig mit an und sorgt am Samstag auch für Speisen und Getränke. Passend dazu steht der bundesweit gefeierte Tag des offenen Denkmals 2018 unter dem Motto: "Entdecken, was uns verbindet."

Das Hirthorn vom „Dudldudl“ hat einen angestammten Platz im Museumsquartier.

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