Geld von der Europäischen Union fällt nicht vom Himmel. Jede Region, die ins Leader-Förderprogramm aufgenommen wurde, muss alle paar Jahre eine Strategie vorlegen und das Entwicklungskonzept fortschreiben. Landrat Roland Grillmeier rief bei einem Pressegespräch zum Mitmachen für die nächste Förderperiode auf: "Wir wollen die Bürger einbinden. Was ist den Menschen im Landkreis wichtig?"
Grillmeier ist auch Vorsitzender des Initiaktivkreises Tirschenreuth. Dieser Verein möchte seit der Gründung 1998 die nachhaltige Regionalentwicklung voranbringen. Als Lokale Aktionsgruppe (LAG) ist sie Ansprechpartner in der Leader-Förderung: Ohne das Mitwirken von Bürgern, Vereinen und Organisationen läuft nichts. "Jeder kann seine Ideen einbringen", warb der Landrat um breite Beteiligung aus allen Bereichen des Landkreises.
4 Millionen Euro seit 2002
Wenn Corona es erlaubt, sind auch wieder persönliche Treffen geplant. Digitale Umfragen sollen jedoch schon bald beginnen, damit das Konzept bis zum Sommer beim Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eingereicht werden kann. "Wir sind wandelbar", lautete das Motto für die jetzt auslaufende Förderperiode. "Wir haben viel daraus gemacht und wichtige Projekte an vielen Orten umgesetzt", unterstrich Grillmeier. Der neue Slogan steht noch nicht fest, aber thematisch folgt man der eingeschlagenen Richtung: Tourismus, Freizeit, Kultur, Demografie, gleichwertige Lebensbedingungen nannte der Landrat als Stichworte.
An konkreten Beispielen für die Umsetzung mangelt es nicht. Wolfgang Wenisch, der stellvertretende Vorsitzende des Initiaktivkreises, verwies auf rund 4 Millionen Euro, die seit 2002 in den Landkreis flossen: "Diese Fördersumme haben wir für über 50 Projekte aus Brüssel zurückgeholt in die Region." Dabei gibt es für einzelne Maßnahmen durchaus fünf- oder sechsstellige Beträge. Auf ihrer Homepage hat die Aktionsgruppe alles aufgelistet. Die jüngsten Beispiele reichen von der Rehkitzrettung mit Drohnen bis zur Revitalisierung der Burgruine Liebenstein, vom "Coworking-Space" in Kemnath bis zum Motorikpark am Sibyllenbad, vom Kunsthaus Waldsassen bis zum Infopunkt "Granit trifft Basalt" in Herzogöd.
Eigenanteil nötig
"Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielen eine immer wichtigere Rolle", ergänzte Florian Preisinger. Er ist am Landratsamt als LAG-Geschäftsführer Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Leader-Förderung. "Es geht auch um die weichen Standortfaktoren, um die Zusammenarbeit in der Region. Es gibt bei uns viele kreative Leute, die anpacken." Das ist auch nötig, denn die Projektträger müssen trotz des hohen Zuschusses ja immer noch einen beachtlichen Eigenanteil beisteuern.
Für die neue Förderperiode hofft der Initiaktivkreis auf viele Mitstreiter "Wir haben voraussichtlich Zugriff auf 2 Millionen Euro", verdeutlichten die Vorsitzenden. "Und wir entscheiden selbst, ob etwas gefördert wird." Die Projekte müssen zur Gesamtstrategie passen und im lokalen Entscheidungsgremium überzeugen. Eine Mitgliedschaft im Initiaktivkreis steht übrigens jedem offen, ist aber nicht Voraussetzung fürs Mitmachen. Bislang sind rund 150 Privatpersonen, Vertreter von Firmen und Interessensgruppen beigetreten.
So funktioniert Leader-Förderung in der Region
- Leader ist ein Förderprogramm der Europäischen Union.
- Zentrale Elemente: Vernetzung, Nachhaltigkeit, Zusammenarbeit, Lebensqualität, regionale Wertschöpfung und Bürgerbeteiligung.
- Lokale Aktionsgruppen (LAG) können sich mit einer Entwicklungsstrategie für die neue Förderperiode 2023 bis 2027 bewerben.
- Konzeptabgabe 15. Juli 2022.
- Ob ein Projekt aufgenommen wird, entscheidet die LAG vor Ort nach Zuteilung der Fördermittel.
- Statt 60 Prozent gibt es in der neuen Förderperiode 70 Prozent Zuschuss.
- Wer mitreden will, meldet sich beim Initiaktivkreis Tirschenreuth, Telefon 09631/88-442 (florian.preisinger[at]tirschenreuth[dot]de).
- Alle Einzelheiten über bisherige Projekte unter www.initiaktivkreis.de.
"Es geht auch um die weichen Standortfaktoren, um die Zusammenarbeit in der Region. Es gibt bei uns viele kreative Leute, die anpacken."

















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