01.02.2019 - 12:11 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kampf gegen Blutkrebs: Alle wollen Hugo helfen

Das Schicksal des kleinen Hugo aus Tirschenreuth bewegt die Menschen in der Region. Der fünfjährige Bub ist an Blutkrebs erkrankt. Die Typisierungsaktion ist am Sonntag, 3. Februar. Aber es gibt noch mehr Aktionen.

Krankenhausaufenthalte sind für Hugo Walbrunn leider momentan fast Alltag. Am Sonntag, 3. Februar, ist im Tirschenreuther Kettelerhaus eine Typisierungsaktion für den kleinen Buben.
von Martin Maier Kontakt Profil

"Das tut schon weh, ihn so zu sehen", blickt Berthold Walbrunn auf die vergangenen sechs Wochen zurück. Sein Sohn musste täglich dreimal Cortison und eine Chemotablette zu sich nehmen. Seit vergangenen Freitag muss der kleine Hugo erst mal kein Cortison mehr nehmen. "Den ersten Block hat er hinter sich. Hugo bewegt sich jetzt wieder mehr. Man merkt, dass es ihm ein wenig besser geht." Stolz ist der Vater, dass "mein Kumpel" kämpft: "Meine Frau und ich können zwar bei ihm sein und helfen. Aber er muss viel alleine schaffen und es aushalten."

Um Hugos Erkrankung in Schach zu halten, muss der Fünfjährige eine Chemotherapie nach der anderen absolvieren. So pendelt die Familie weiterhin dreimal pro Woche nach Regensburg hin und zurück. Wie genau es die nächsten Monate weitergeht, könne man nicht genau sagen. Die Behandlung könne zwei bis zweieinhalb Jahre dauern. Falls ein passender Stammzellenspender gefunden wird, wäre die Transplantation vermutlich 2020. "Aber es kann sich immer alles ändern", verweist der Vater auf viele Unwägbarkeiten.

Bericht über den fünfjährigen Hugo

Tirschenreuth

Was aber sicher ist, die Walbrunns können auf sehr viel Unterstützung zählen. Dabei hebt der Tirschenreuther die große Familie hervor. "Sie hält voll zusammen. Ohne sie wäre es in den vergangenen Wochen nicht gegangen." Aber auch das Engagement der Freunde, Vereine und zig Bürger könne gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. "Das ist schon Wahnsinn. Es tut gut, dass wir nicht alleine dastehen", freut sich Berthold Walbrunn. Wegen der vielen Angebote habe er manchmal sogar den Überblick verloren. Die große Hilfsbereitschaft führt der 29-Jährige auch darauf zurück, dass man "sich bei uns kennt". In Tirschenreuth sei es nicht so anonym wie in einer Großstadt.

Die Registrierungsaktion, bei der ein möglicher Stammzellenspender gefunden werden soll, ist am Sonntag, 3. Februar, von 11 bis 16 Uhr im Tirschenreuther Kettelerhaus. Unter Federführung der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) und mit der Unterstützung von Feuerwehr, ATSV Tirschenreuth, FG Tursiana sowie Stiftlandgriller wurde die Veranstaltung organisiert. "Was die Vereine in den letzten Wochen geleistet haben, ist unbezahlbar", ist Walbrunn dankbar. Auch der Lions-Club Tirschenreuth werde vor Ort sein.

Lastwagen werben für Typisierungskation

Tirschenreuth

Die DKMS habe alles vorgegeben und die Vereine hätten es umgesetzt. Für Sonntag steht ein Helferteam von 100 Personen bereit. "Die Typisierung ist für alle Bürger kostenlos", betont der 29-Jährige. Die Kosten für die Registrierung von 35 Euro pro Person übernimmt die DKMS. Daher ist auch diese auf Spenden angewiesen. Die Organisation erhält daher die Einnahmen des Sonntags.

Nicht unerwähnt lassen will Walbrunn den Einsatz seiner Schwiegermutter Kerstin Holländer. Sie hat über 200 Kuchen organisiert. "Es hätten sogar noch mehr einen Kuchen gebacken", so Walbrunn. Als "ein weiteres ganz großeres Rad" bei der Typisierungsaktion bezeichnet er seinen Schwiegervater Markus Holländer. "Er hat mega viel auf die Beine gestellt."

Auf die Registrierungsaktion am Sonntag weisen Hunderte Plakate in der Region und Flyer in Geschäften hin. Um noch mehr Aufmerksamkeit zu bekommen, setzt sich am Samstag, 2. Februar, ein riesiger Lkw-Konvoi mit über 100 Fahrzeugen in Bewegung (wir berichteten). Zahlreiche Lkw-Fahrer von über 20 Firmen aus der Region haben eine gigantische Werbekampagne für die Typisierung geplant. Die Tour beginnt am Samstag gegen 12 Uhr beim Liebensteiner Kartonagenwerk, wo sich die Fahrer mit ihren Fahrzeugen bereits gegen 11.30 Uhr einfinden.

Von dort geht es in die Kreisstadt und von da weiter nach Pilmersreuth an der Straße, nach Schönficht, vorbei an Windischeschenbach bis Erbendorf, vorbei an Krummennaab, Reuth und Premenreuth nach Falkenberg, Schönhaid, Wiesau und Mitterteich. Danach über Tirschenreuth zurück zum Liebensteiner Kartonagenwerk, wo die Aktion mit einer Brotzeit endet.

Die Idee dazu hatte Patrick Bachsmann, Arbeitskollege von Berthold Walbrunn beim Liebensteiner Kartonagenwerk. "Das ist Wahnsinn. Die kommen bis aus Regensburg und Bayreuth", weiß Walbrunn. Auch die ganzen Chefs müssen da mitspielen. Schließlich müssen die Fahrer unter der Woche weniger Lenkzeit haben.

Seinen Arbeitskollegen ist der 29-Jährige auch für eine besondere Überraschung sehr dankbar: "Sie wollen mir Zeit schenken." Viele würden Teile ihrer Überstunden an ihn abtreten, damit er sich um Hugo kümmern kann. "Das hat mich schon erfasst. Da habe ich weinen müssen", gibt der Tirschenreuther zu. Er wisse, dass das nicht selbstverständlich sei. Auch die Geschäftsführung des Liebensteiner Kartonagenwerks mit den Familien Schön und Forster sowie Betriebsleiter Sebastian Denk stärken ihm immer wieder den Rücken. Zudem gebe es für seine Frau Sabrina von ihrem Arbeitgeber, der AOK Tirschenreuth, volle Unterstützung. "Das könnte auch ganz anderes sein", berichtet Walbrunn von Gesprächen mit betroffenen Eltern in der Kinderklinik in Regensburg. "Da bringen die Arbeitgeber manchmal nicht so viel Verständnis auf."

Am Samstag, 2. Februar, gibt es mit "Wir grillen für Hugo" eine weitere Aktion. Die Stiftlandgriller und die Feuerwehr der Kreisstadt stehen von 10 bis 19 Uhr bei Edeka Luger in Tirschenreuth und bieten Spezialitäten vom Grill an. Der Erlös geht an Hugo und seine Familie. "Das ist irre, wie alle mitmachen", freut sich Walbrunn.

Hugo wird am Sonntag verständlicherweise nicht im Kettelerhaus sein. "Das ist viel zu gefährlich wegen seiner Krankheit. Er muss Menschenmassen meiden", erklärt der Vater. Ob er oder seine Frau Sabrina vorbeischauen können, wisse man noch nicht. "Hugo und unserer Tochter Eva gehen vor." Was Berthold Walbrunn aber sagen könne, dass alles top organisiert ist. "Es helfen so viele Leute. Mit denen klappt das sicher." Das Optimale aus seiner Sicht wäre, wenn "wir einen Spender für Hugo finden und auch noch anderen helfen können."

Hintergrund:

So läuft die Typisierungsaktion ab

Wer gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist, kann helfen und sich am Sonntag, 3. Februar, im Kultur- und Veranstaltungszentrum Kettelerhaus in Tirschenreuth zwischen 11 und 16 Uhr als potenzieller Stammzellspender bei der DKMS registrieren lassen. Hinter der Initiativgruppe, die mit der DKMS die Registrierungsaktion in Tirschenreuth organisiert, stecken der ATSV Tirschenreuth, die Faschingsgesellschaft Tursiana Tirschenreuth, die Feuerwehr Tirschenreuth und die Stiftlandgriller.

Unter dem Motto „Hilfe für Hugo und andere“ appellieren sie an die Menschen in der Region, sich registrieren zu lassen. Es gibt am Sonntag ein Helferteam von 100 Personen, das dafür sorgt, dass alles reibungslos abläuft. Anfänglich waren 50 Leute eingeplant, aber offenbar wird mit sehr vielen Spendern gerechnet. Auch für Verpflegung ist ausreichend gesorgt. Für die Leute, die sich registrieren lassen, wird es kostenlos Kaffee, Kuchen, Wienerle und Leberkäse geben. Der städtische Kindergarten biete an diesem Tag außerdem eine Kinderbetreuung an. Unter anderem soll es einen Schminktisch geben. So können sich die Eltern in aller Ruhe typisieren lassen.

Die Registrierung geht laut Pressemittelung der DKMS einfach und schnell: Nach dem Ausfüllen einer Einverständniserklärung wird beim Spender ein Wangenschleimhautabstrich mittels Wattestäbchen durchgeführt, damit seine Gewebemerkmale im Labor bestimmt werden können. Familie Walbrunn ruft alle Interessierten auf: „Mund auf, Stäbchen rein, Spender sein – mehr ist es nicht. Jeder, der infrage kommt, kann eine Chance auf Leben geben und wir sind über jeden einzelnen dankbar. Wir hoffen natürlich, dass wir für Hugo den passenden Spender finden, aber wollen auch anderen Patienten durch unsere Aktion helfen.“

Spender, die sich bereits in der Vergangenheit bei einer Aktion registrieren ließen, müssen nicht erneut mitmachen. Einmal aufgenommene Daten stehen auch weiterhin weltweit für Patienten zur Verfügung. Da die DKMS als gemeinnützige Gesellschaft im Kampf gegen Blutkrebs Spendengelder benötigt, wird um finanzielle Unterstützung gebeten.

Angebot:

Mit Taxi zum Kettelerhaus

Für den Gemeindebereich Plößberg bietet das Unternehmen Mietwagen Petra Hart am Sonntag, 3. Februar, einen besonderen Service an. Die Firma befördert zwischen 11 und 16 Uhr Bürger aus dem Gemeindebereich Plößberg, die keine Fahrmöglichkeit haben, kostenlos zur Typisierung nach Tirschenreuth. Anmeldungen werden unter Telefon 09636/312 angenommen. (rti)

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.