Wenn ein Künstler aus Ägypten einen "Fantastischen Karpfen" bemalt, klingt's erst einmal ziemlich spektakulär. Im Fall von Leonhard Kühns Skulptur ist das aber kein bisschen abwegig. Zwar steckt ein echter Ägypter dahinter, nur ist dieser in der Kreisstadt ein guter Bekannter.
Leonhard Kühns Schwiegersohn stammt aus dem sonnigen Land mit doppeltem Meeranschluss und wohnt seit zehn Jahren auch wieder in seiner Heimat. Zweimal jährlich besucht Shebl Atef-Kühn seine Schwiegereltern. Diesmal hat der freiberuflich tätige Designer und Grafiker den langen Deutschland-Aufenthalt genutzt, um die Plastik seines Schwiegervaters wieder zum Leben zu erwecken.
Original aus Pappmachee
Dazu muss man wissen: Shebl Atef-Kühn hat als junger Mann Kunst studiert. Auch den ersten "Fantastischen Karpfen" seiner Familie hat er eigenhändig designt und bemalt. Leider war das Innenleben des Erstlingswerks nur aus Pappmachee. Das ganze Jahr über Wind und Wetter ausgesetzt hat er nicht lange überlebt. Zehn Jahre, erzählt der Künstler aus dem Orient, sei das Drahtgestell bei seinem Schwiegervater herumgestanden. Dann habe er von der Touristinformation erfahren, dass Urlauber die Skulptur manches Mal suchen würden, weil er im Gästeführer abgebildet sei. "Da habe ich gedacht, dann muss ich eben was Neues damit machen", sagt er.
Aus Erfahrung schlau geworden hat Shebl Atef-Kühn den drahtigen Gesellen diesmal mit Zement behandelt. Damit's am Ende nicht schwergewichtig wird, hat er nur das Drahtgeflecht damit ausgefüllt, das Innenleben blieb hohl. Mit Aquarellfarben wurde die Plastik exakt nach dem Vorbild des Vorgängers neu bemalt. Nicht fehlen durfte das alte Familienwappen (die Wurzeln der Kühns gehen bis 1498 zurück). Es ist der einzige Schmuck des ansonsten authenisch der Natur nachempfundenen "Fantastischen Karpfens".
Drehbarer Karpfen
Shebl Atef-Kühn und Leonhard Kühn sind ziemlich stolz auf die Plastik, die sich leise im Wind dreht. Richtig gehört: Kühns Karpfen ist der einzige weit und breit, der sich um die eigene Achse drehen und auch mal hinter sich schauen kann: Kühns Karpfen ist ein Windspiel! Und wenn Wenn er auch oben auf dem Zaunpfosten eher globig-behäbig wirkt, kann er durchaus an Geschwindigkeit zulegen und mit dem Wind surfen. Bleibt der Kühn-Karpfen dann bei Windstille mit Blick auf den Luitpoldplatz zufällig beim Drehen stehen, schaut er seinem etwas größeren Kollegen, dem "CSU-Karpfen", direkt ins Antlitz.
Am Mittwoch fliegt Shebl Atef-Kühn zurück nach Ägypten, wo die nun 18-jährige Enkelin der Kühns jüngst ihr Abitur gemacht hat.














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