01.04.2021 - 16:43 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kein Aprilscherz: Das sagen Schuh-Händler im Kreis Tirschenreuth zur Öffnung

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Es gleicht einer Osterüberraschung: Schuhe im Laden kaufen ist wieder erlaubt. Die Händler im Landkreis Tirschenreuth sind froh und überrascht, mancher traut der Situation noch nicht.

Schon am Donnerstag hatte Verkäuferin Martina Selch (rechts) vom Mitterteicher Schuhhaus Mörtl viel zu tun. Auch Kundin Silke Weiß ließ sich beraten.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Schuhe und Schuhgeschäfte sind für den täglichen Bedarf unverzichtbar, urteilte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof am Mittwoch. Daher dürfen seit Donnerstag Schuhläden auch bei einer 7-Tage-Inzidenz von über 100 wieder öffnen. Ein Blick in einige Schuhläden im Landkreis Tirschenreuth:

Schuh Schöpf, Kemnath

Dass Schuhgeschäfte wieder öffnen dürfen, hat Ulrike Scherm am Gründonnerstag von ihren Kunden erfahren. "Schon in der Früh klingelte ununterbrochen das Telefon", erzählt sie. Zunächst hielt die Inhaberin von Schuh Schöpf in Kemnath die Nachricht für einen Aprilscherz. Es folgte ein Anruf beim Landratsamt. "Dort wurde mir bestätigt, dass ich wieder öffnen darf."

"Es war ein schönes Gefühl, die Ladentüre wieder aufzusperren", erzählt sie. Ein paar Minuten später stellte sie ein Schuhregal vor den Laden auf dem Kemnather Stadtplatz auf. Die ersten Kunden ließen nicht lange auf sich warten. Wie in anderen Geschäften auch, darf sie nur eine bestimmte Anzahl an Kunden in ihren Laden lassen und es gilt die Maskenpflicht.

"Die letzten Monate waren sehr hart", sagt sie. Ihre drei Mitarbeiterinnen musste sie zur Kurzarbeit anmelden. Eigentlich hatte sie die Hoffnung auf eine baldige Öffnung schon aufgegeben. "Schuhe und vor allem Kinderschuhe müssen probiert werden", erklärt Scherm. Die Nachfrage sei in den vergangenen Wochen sehr groß gewesen. Für ihre Kunden hat sie die Schuhe im Schaufenster mit Nummern versehen. Am Telefon konnten diese bestellt und zu Hause probiert werden. Über das Urteil ist Scherm sehr froh. "Mein Lager quillt über. Vor allem jetzt zum Saisonwechsel", hofft die Geschäftsfrau auf viele Kunden.

Schuhhaus Mörtl, Mitterteich

Als Christine Mörtl-Wurdack in der Früh von einem Geschäftskollegen angerufen wurde, dachte auch sie zunächst an einen Aprilscherz. "Mit einer Öffnung habe ich erst nach dem 18. April gerechnet", sagt die Inhaberin des Schuhhaus Mörtl in Mitterteich. "Ich freue mich vor allem für die Kinder", sagt sie. Viele seien aus ihren Winterstiefeln herausgewachsen und benötigten nun leichte Sommerschuhe. Mörtl-Wurdack sorgt sich besonders um deren Fußgesundheit. "Das kann nur mit dem passenden Schuhwerk in der richtigen Größe funktionieren."

Das Gerichtsurteil findet Mörtl-Wurdack absolut richtig. In den vergangenen Monaten verkaufte sie die Schuhe via "Call & Collect". "Das war mit sehr viel Arbeit verbunden", blickt sie zurück. Zehn bis zwölf Schuhpaare packte sie für ihre Kunden zusammen, schrieb Lieferscheine. "Vieles kam natürlich zurück." Die Retouren mussten wieder einsortiert werden. "Durch diese Art des Verkaufs, haben wir nur einen Bruchteil von dem eingenommen, was wir normal umsetzen würden", so Mörtl-Wurdack.

Schuhhaus Christl, Tirschenreuth

"Schuhe sind ein Grundbedürfnis. Die Entscheidung ist mehr als in Ordnung", sagt Petra Köllner. Zusammen mit ihrer Mutter Carolina Wurm führt sie das Schuhhaus Christl in Tirschenreuth. "Als ich gehört habe, dass wir wieder öffnen dürfen, bin ich gleich zum Laden geeilt", erzählt Köllner. Das Schuhgeschäft gibt es bereits seit 118 Jahren. "Call & Collect" war auch dort das Motto der vergangenen Monate.

Schuhhaus Bollmann, Erbendorf

"Es wäre toll, wenn bald wieder etwas Normalität einkehren würde. Der ganzen Situation traue ich aber nicht", sagt Josef Bollmann. Der Inhaber von Schuhhaus Bollmann in Erbendorf hat über den Handelsverband von dem Urteil erfahren. Zwar ist der Inzidenzwert im Landkreis Tirschenreuth recht stabil, er vermutet dennoch, dass nach Ostern wieder alle Geschäfte schließen müssen. Das weitere Vorgehen hat Bollmann bereits mit seinen Mitarbeitern abgesprochen. "Ich warte mit der Ladenöffnung noch bis Dienstag ab", erklärt er. Seit gut drei Monaten verkauft er seine Schuhe via "Click & Collect". Müssten die Schuhgeschäfte zeitnah wieder schließen, wird es durchaus schwierig. "Das wäre dann schon die zweite Frühlingssaison die ins Wasser fällt", sagt er.

Schuh-Geyer, Waldsassen

"Es musste alles schnell organisiert werden", erzählt Roswitha Grillmeier. Sie arbeitet bei Schuh-Geyer in Waldsassen und hat telefonisch von ihrer Chefin erfahren, dass sie wieder öffnen dürfen. Die vergangenen Wochen waren nicht leicht. "Man hat nicht gewusst, wann und wie es weitergeht", erzählt sie. Auf Kunden musste Grillmeier am Donnerstag nicht lange warten. Schon am Vormittag sahen sich viele nach neuen Schuhen um.

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