24.03.2019 - 12:10 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Keine Angst vor harter Arbeit

Als Stadt- und Friedhofsgärtnerin ist Kreszentia Frank Herrin über 2,3 Hektar Friedhofsgelände und Chefin von zwei Mitarbeitern. Sie arbeitet seit 17 Jahren in einer Männerdomäne.

Für Stadt- und Friedhofsgärtnerin Kreszentia Frank gehört das Fahren des kleinen Laders ganz selbstverständlich zum Arbeitsalltag. Die 54-Jährige ist Chefin auf dem 2,3 Hektar großen Friedhofsgelände.
von Lena Schulze Kontakt Profil

(szl) Bereits seit 17 Jahren ist Kreszentia Frank Stadt- und Friedhofsgärtnerin in der Kreisstadt. Nach ihrem Landschaftsarchitektur-Studium in Weihenstephan arbeitete sie zunächst in einem Gartenlandschaftsbetrieb. "Ein Bürojob wäre nichts für mich gewesen. Ich wollte immer lieber selbst Hand anlegen", sagt die Pilmersreutherin. Sie bezeichnet sich selbst gerne als Schnittstelle zwischen Verwaltung und Gärtnerarbeiten: "Ich bin Mädchen für alles."

Auch im Winterdienst

Und mittlerweile nicht mehr allein: "Als ich angefangen habe, war ich die einzige Frau - für Bauhof und die Friedhofsgärtnerei", erinnert sich Frank. Heute arbeiten am Bauhof insgesamt sieben Kolleginnen. Bei der Stadt- und Friedhofsgärtnerei hat die 54-Jährige eine Kollegin. Nur wenige von ihnen sind wie Frank ganzjährig angestellt und übernehmen somit auch Winterdienste. "Der Winter heuer war nicht ganz ohne", sagt sie. Die Bereitschaft zum Schneeräumen beginnt um 3.30 Uhr nachts. "Das Schlimme ist nicht das Aufstehen", betont Frank. "Sondern, dass man schlecht schläft, wenn man vermutet, dass was sein könnte, oder Angst hat, den Anruf zu verpassen." Aber die Zusammenarbeit mit dem Bauhof funktioniere super, man helfe sich gegenseitig.

Die Landschaftsarchitektin kümmert sich um die Pflege der Sträucher, Hecken, Bäume und Wege auf dem alten und neuen Friedhof. Auch die Kriegsgräber gehören zu ihrem Aufgabengebiet. "Daneben hab ich auch viele Bürogeschichten zu erledigen", sagt Frank. Sie ist der Friedhofsverwaltung der Stadt unterstellt. Die 54-Jährige aktualisiert Pläne, dokumentiert Änderungen, löst Gräber auf, sortiert kaputte Geräte aus, beantragt neue und hält nach Verbesserungen Ausschau, die dem Team die Arbeit erleichtern. Neben dem Friedhof ist Frank etwa für die Beete am Marktplatz oder bei der Post verantwortlich. Die Landschaftsarchitektin ist aktuell auch mit der Planung der Außenbegrünung für die Anlage am neuen Feuerwehrgerätehaus betraut. Zudem übernimmt sie fürs Erste die neue Bepflanzung in der Ringstraße.

Vielfältige Aufgaben

"Ich arbeite sehr gern draußen", sagt die 54-Jährige. Gerade fährt sie mit ihrem Team die Sitzbänke mit dem Lader aus der Garage an ihren Platz am neuen Friedhof. Weil jetzt im beginnenden Frühjahr viele Angehörige die Gestecke und den Grabschmuck erneuern, müssen die Mülleimer öfter geleert werden. Im Sommer steht dagegen regelmäßiges Rasenmähen an.

Vor Ort ist die Pilmersreutherin Ansprechpartner für Besucher. Sie nimmt Beschwerden entgegen oder hilft, wenn Gräber gesucht werden. Viele kennt sie auswendig, bei weitem nicht alle. "Aber ich weiß, wo ich nachschauen kann", sagt Frank und lacht. Ihr Arbeitstag beginnt morgens um 6.45 Uhr mit dem Aufsperren der sechs Friedhofstore. Diese Tour ist 750 Meter lang und dauert eine Viertelstunde, wenn man flott ist - im Winter auch mal länger, wenn die Schlösser zugefroren sind. Im Sommer übernehmen diese Aufgabe manchmal ihre beiden Kollegen, dann kann die Chefin etwas länger schlafen.

Nachdem gegen 7 Uhr besprochen wurde, was ansteht, beginnt die Kernarbeitszeit. Der Job als Stadt- und Friedhofsgärtnerin kann auch anstrengend sein, weiß Frank. Wenn man etwa auf dem Steiger - einer Art Hebebühne - Bäume zuschneidet. "Das ist nicht ganz einfach." Wie das Bedienen der vielen Fahrzeuge. "Das kommt auch auf die Größe an, aber die haben schon so ihre Tücken", erklärt Frank.

Wetter stört nicht

An Regentagen verlagert sie ihren Arbeitsplatz von draußen in ihr Büro, in einem Gebäude am unteren Rand des alten Friedhofs. "Wir werden selten nass bei der Arbeit." Die Wettervorhersagen seien sehr zuverlässig. Dass ihre Arbeitsstätte eine letzte Ruhestätte ist, damit hat Frank nie ein Problem gehabt. "Angst muss man vor den Lebenden haben, nicht vor den Toten. Und ich bin generell kein besonders ängstlicher Mensch", sagt die Friedhofsgärtnerin. Im Winter sei es etwas einsamer, dafür im Sommer umso belebter. "Wenn die Leute zum Gießen der Gräber kommen, ist viel los."

An ihrem Job bei der Stadt schätzt Frank die Vielseitigkeit und, dass Beruf und Privatleben gut vereinbar sind. Auch die Kreativität liegt ihr am Herzen. "Gärtnerische Anlagen entstehen durch Pflege", weiß die Pilmersreutherin. Vielleicht haben Frauen dafür eher ein Gespür als Männer, vermutet Frank einen Vorteil in diesem Beruf.

Zum Weltfrauentag:

Im Onetz stellen wir seit dem Weltfrauentag am 8. März in unregelmäßigen Abständen eine Reihe von Frauen in Männerberufen vor. Im zweiten Teil mit Tirschenreuths Stadt- und Friedhofsgärtnerin Kreszentia Frank.

Die Büroarbeit hebt sich Stadt- und Friedhofsgärtnerin Kreszentia Frank gerne für Regentage auf.
Stadt- und Friedhofsgärtnerin Kreszentia Frank arbeitet gerne draußen.
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