30.09.2019 - 11:49 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Keine Gewinne aus dem Wald

Mit 730 Hektar Wald und Grünanlagen hat die Stadt durchaus eine „grüne Komponente“. Doch ist gerade die Pflege des Waldes eine Aufgabe mit großen Herausforderungen.

Der Borkenkäfer sorgt auch im Stadtwald für manche lichte Stelle. Bei der Aufforstung werden verstärkt Laubbäume eingesetzt.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Bei der Sitzung in der vergangenen Woche wollte sich der Stadtrat einen Überblick verschaffen und hatte Stadtförster Stefan Gradl eingeladen. Der wusste gerade um die Gefahr durch den Borkenkäfer und die Notwendigkeit eines Umbaus der Flächen hin zu einem Mischwald. Und eines machte Gradl auch klar: Aus den Holzerträgen aus den Stadtwald seien wohl keine Gewinne mehr zu erwarten.

Für Freizeit und Erholung

"Wir sind mit rund 680 Hektar Fläche der größte Waldbesitzer im Landkreis", verwies Bürgermeister Franz Stahl auf den Besitz der Kommune. Dazu kämen rund 51 Hektar an Grünanlagen. Dabei betrachtete Stahl den Wald nicht nur als Wirtschaftsfläche, wichtig seien die Flächen auch für Freizeit und Erholung. Deshalb würde großer Wert auf Pflegemaßnahmen, etwa der Wege, gelegt. Und natürlich wusste Stahl auch um die Bedeutung des Waldes für das Klima. "Tirschenreuth ist einer der großen Klimaschützer", bewertete der Bürgermeister das Engagement der Stadt. An der Stelle ging Stahl auf die Pflege der Grünflächen ein, die auch durch die neuen gesetzlichen Vorgaben nicht mehr so intensiv betrieben werde. "Bitte haben sie Verständnis, wenn auf die eine oder andere Mahd verzichtet wird", warb Stahl für den Schutz der Insekten.

Immer mehr Schadholz

Mit Ablauf des Forstwirtschaftsjahres im September konnte Stefan Gradl eine kleine Zwischenbilanz ziehen. Und in der spielte der Borkenkäfer eine entscheidende Rolle. So wusste Gradl von einer eingeschlagenen Holzmenge um 4000 Festmeter. Die Menge liege knapp über dem vorgegeben Hiebsatz von 3600 Festmeter. Doch unterscheide sich die Zusammensetzung sehr stark von der Holzernte der vergangenen Jahre. Einen immer größeren Anteil nehme die Holzmenge ein, die aufgrund des Käferbefalls gefällt werden müsste. Über zwei Drittel mache heute das Schadholz aus.

Nur mehr Brennholzpreise

Die hohe Geschwindigkeit, mit der der Borkenkäfer "arbeite", werde eine deutliche Veränderung des Landschaftsbildes nach sich ziehen, blickte Gradl in die Zukunft. Aktuell mache der Fichtenanteil im Stadtwald rund 47 Prozent aus. Durch den Käfer werde gerade diese Baumart bedroht. Anhaltende Trockenheit würde zudem an betroffenen Standorten auch Erlen, Ulmen oder Eichen gefährden. Durch die Vielzahl der geschädigten Bäume in den Wäldern werde es auch für die Stadt eher unwahrscheinlich, mit dem Holzverkauf noch positive Einnahmeergebnisse zu erzielen. Noch könnten die Aufwendungen erwirtschaftet werden. Doch der Holzmarkt sei übersättigt, verdeutlichte der Stadtförster. "Wir müssen das Sägeholz zu Brennholzpreisen verkaufen", beschrieb Gradl die Situation, die sich wohl nicht bessern werde. Der liege pro Festmeter um die 40 Euro, informierte Gradl auf Nachfrage aus dem Gremium. "Doch wir sind gezwungen, die geschädigten Bäumen zu fällen", beschrieb Gradl die Vorgehensweise. Ein "Gutes" wollte der Förster dennoch erkennen: Der Waldumbau hin zum Mischwald werde wesentlich schneller vorangehen. "Die Fichte verschwindet schneller als gedacht!" Die Situation in den geschädigten Wäldern wertete Gradl als deutliches Symptom der Klimaveränderung. "Und die Klimaveränderung schadet unserer Lebensgrundlage", machte der Stadtförster den Zuhörern klar.

Gold: Beitrag leisten

Das Gremium wollte sich der Situation durchaus stellen. Peter Gold (CSU) wusste, dass man mit eigenen Maßnahmen zwar die Welt nicht retten könnte, dennoch sollte jeder seinen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Unter dem Punkt "Anfragen" regte Gold eine "Klima- und Zukunftsoffensive" (eigener Bericht) an.

Offensive der CSU-Stadtratsfraktion für Klima und Zukunft:

Aufnahme ins Stadtumbau-Konzept

Mit einer „Klima- und Zukunftsoffensive“ will auch die Stadt Tirschenreuth einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Die CSU-Stadtratsfraktion legte bei der Sitzung vergangenen Donnerstag eine entsprechende Anfrage vor. Dabei setzte sich die Fraktion dafür ein, eine Klima- und Zukunftsoffensive in die Fortschreibung des Integrierten Stadtumbau-Konzepts (ISUK) aufzunehmen. Die Offensive, so erläuterte Fraktionssprecher Peter Gold, sollte auf zwei Säulen basieren. So sollte eine kommunale Plattform für eine direkte Bürgerbeteiligung zum Thema Klimaschutz geschaffen werden. Weiter sollte die Offensive zur Erstellung eines individuellen Klima-Masterplans führen.

In der Begründung schreibt die Fraktion, dass „für eine klimagerechte kommunale Entwicklung alle gesellschaftlichen Bereiche einzubeziehen und alle Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen seien“. Für die CSU-Stadtratsfraktion hätte die Eindämmung der negativen Auswirkungen auf die Umwelt höchste Priorität. Dabei hätte sich die Stadt in den vergangenen Jahren schon immer sachbezogen für den Erhalt unserer natürlichen Lebensressource eingesetzt. Gold nannte hier den städtischen ÖPNV oder energetische Verbesserungen bei den städtischen Einrichtungen. Und um die Herausforderungen der Zukunft zu meisten müssten alle, Bevölkerung, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, einen Beitrag leisten. Die Initiative sollte vor allem einen Ansprechpartner schaffen, an den sich die Bürger wenden könnten. Die Bevölkerung könnte dann ihre Impulse zum Klimaschutz einbringen. Die könnten geprüft und ins ISUK aufgenommen werden. In den Gremien der Stadt könnten die Maßnahmen dann behandelt werden. „Oberste Priorität bei diesem Prozess haben Transparenz, Nachvollziehbarkeit und schnelle Behandlung“, so Gold.

Das Stadtumbaukonzept bezeichnete Bürgermeister Franz Stahl als „roten Faden“ für die Stadtentwicklung. Und das Thema Klima müsste dort mit aufgenommen werden. Doch wollte der Bürgermeister diese Aufgabe an den neuen Stadtrat weitergeben. Eine Evaluierung des ISUK stehe erst 2021 im Programm. Gunar Prauschke (SPD) bescheinigte der CSU-Fraktion mit der Offensive einen wichtigen und notwendigen Antrag eingebracht zu haben.

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