27.02.2019 - 15:52 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Klettern im Kesselhaus

Eigentlich war das Kesselhaus der ehemaligen Brauerei Schels schon "abgeschrieben". Nach früheren Plänen sollte das alte Gebäude für die bessere Sicht zum Fischhofpark weichen. Jetzt kann es ein Vorzeigeprojekt werden.

Ein interessanter Gedanke bei der Nutzung des "Schels-Turm" ist die Aussichtsplattform auf dem Dach. Noch ist der erhöhte Blick auf den Fischhofpark aber nur eine Fantasie des Computers.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

Bei den Plänen für die Gartenschau war das betagte Bauwerk ein Fremdkörper. Allerdings konnte nur ein Teil des Brauereikomplexes abgerissen werden. Und auch Jahre später verhinderte eine Verbindung zum bewohnten Nachbarhaus einen Abbruch. Diese Situation hat sich geändert, aber auch die Bewertung des ehemaligen Kesselhauses.

Dort könnte eine Kletterhalle entstehen. Architekt Peter Brückner hat in einer Machbarkeitsstudie tolle Ideen entwickelt, die am Montag den Stadtrat begeisterten. Jetzt muss die Verwaltung für einen Umbau ein entsprechendes Planungsbüro finden, so verlangt es der offizielle Weg. Dazu werden Angebote eingeholt.

Bouldern im Keller

Bei der Präsentation der "Machbarkeit" konnte Peter Brückner schon beeindruckende Vorstellungen präsentieren. Nachdem sich die Möglichkeit biete, das nebenstehende Wohnhaus zu erwerben, könnten dort unter anderem Eingangsbereich und Umkleiden untergebracht werden. Im Kesselhaus würden schon im Untergeschoss mit einem Boulderbereich die Klettermöglichkeiten beginnen. Über eine Galerie im Erdgeschoss könnte sich der Blick nach unten eröffnen. Die Kletterwände sollten dann die Höhe des Kesselhauses nutzen.

Um die Ausgestaltung im Detail möchte sich die Sektion Karlsbad des Alpenvereins kümmern. Der Verein würde auch den Betrieb der Kletterhalle übernehmen, so sieht es ein erstes Konzept vor.

Aussicht und Einsicht

Beim Gebäudekörper sehen die ersten Gedanken wenig Korrekturen an der Fassade zur Straßenseite vor. Die Fenster könnten dort einen Blick hinein in die Kletterhalle ermöglichen. Bei den weiteren Gebäudeseiten kann sich Brückner vorstellen, die vorne vorhandene Struktur in Form eines Putzreliefs aufzugreifen. Ein besonders auffälliges Element der Konzeption des renommierten Architekturbüros ist die Nutzung des Kesselhauses als Aussichtsturm. Dazu könnte hinter dem Gebäude ein außenliegender Treppenaufgang geschaffen werden. Ein Oberlicht auf dem Dach könnte auch den Blick in die Kletterhalle zulassen. Zu den Nachbarhäusern freilich sollte keine Blickachse eröffnet werden.

Nur reines Konzept

Begeistert von den Ideen des Architekten, der auch vom Fachwissen der Kletterexperten des Alpenvereins profitieren konnte, war Bürgermeister Franz Stahl: "Das ist ein weiterer Anziehungspunkt gerade für die jüngeren Menschen!" Allerdings wusste Stahl auch, dass es sich derzeit nur um ein reines Konzept handeln würde. Die Regierung hätte aber schon ihre Unterstützung signalisiert. Paulus Mehler (CSU) erkannte in dem Vorhaben eine Attraktivitätssteigerung, die weit über die Stadt hinaus wirken würde.

"Im weiten Umfeld findet sich nichts Vergleichbares", wusste Manfred Zandt (Freie Wähler). Allerdings konnte er sich eine Realisierung auch im Zuge des Turnhallenbaus an der Mittelschule vorstellen. Dazu würde es keine Zuschüsse geben, informierte Stahl. "Ich hoffe, dass das Vorhaben im alten Kesselhaus auch funktioniert", wollte Zandt der "tollen Geschichte" seine Zustimmung nicht verweigern. Hier verwies Stahl auf die positive Einschätzung der Experten - und eben die Unterstützung des Alpenvereins, der die Halle ausstatten und betreiben würde.

Konrad Schedl (Grüne) befürwortete diese außergewöhnliche Folgenutzung. "Ich war von Anfang an begeistert." Konrad Zant (CSU) bat um eine zügige Verwirklichung der Pläne. Mit dem Neubau der Turnhalle am Gymnasium würde der Alpenverein seine Einrichtungen in der Dreifachturnhalle verlieren. Und für Vinzenz Rahn (CSU) war die Verbindung zum Fischhofpark ein großer Vorteil: "Wir können dann zwei Erfolgsmodelle in Verbindung bringen."

Innenstadtbelebung

Der Zeitplan sieht zunächst die Suche nach einem Planungsbüro vor, ebenso muss der Ankauf des Nebengebäudes erfolgen. Wichtig ist auch die weitere Abstimmung der Planung mit dem Alpenverein. Der Beschlussvorschlag beschreibt das Projekt "Umbau des Kesselhauses" als wichtiges städtebauliches Vorhaben, das bedeutend zur Innenstadtbelebung beiträgt.

Mit dem einstimmigen Votum schloss sich der Stadtrat an. Nächste Schritte sind auch die Abstimmung mit den Fördergeldgebern und der Antrag für den vorzeitigen Maßnahmebeginn. Eine Schätzung zu den Kosten wollte Peter Brückner am Montag nicht abgeben.

Bei der Gestaltung des früheren Kesselhauses kann sich Architekt Peter Brückner eine Fortführung der Straßenansicht als Putzrelief vorstellen.
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