Tirschenreuth
09.03.2026 - 13:09 Uhr
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Kommentierende Analyse: Kein Sieger im ersten Anlauf bei der Bürgermeisterwahl in Tirschenreuth

Bei der Bürgermeisterwahl wurde der Vierkampf um den Chefsessel im Rathaus schnell zum Duell. Am Ende lagen Harald Siegert (CSU) und Hans-Peter Schärl (FW) fast gleichauf. Damit kommt es zur Stichwahl. Eine Analyse von Thorsten Schreiber.

Dass es diesmal bei der Bürgermeisterwahl kein so eindeutiges Ergebnis geben würde wie 2014 und 2020, war von vornherein klar. Damals war jeweils nur Franz Stahl als einziger Kandidat angetreten, 2014 holte er 86,6 und sechs Jahre später 92,4 Prozent der Stimmen. Heuer bewarben sich eine Frau und drei Männer um den Chefsessel im Rathaus. Eine Prognose war schwierig, denn ein eindeutiger Favorit hatte sich im Vorfeld nicht herauskristallisiert.

Eine Stichwahl schien jedoch nicht ausgeschlossen. Schließlich hatte es um den Chefsessel im Tirschenreuther Rathaus einen Vierkampf gegeben, der am Sonntag schnell zum Zweikampf zwischen Harald Siegert (CSU) und Hans-Peter Schärl (Freie Wähler) wurde. Der CSU-Kandidat holte laut vorläufigem Endergebnis mit 2160 Stimmen (43,3 Prozent) genau 99 mehr als sein FW-Kontrahent (2061 oder 41,4 Prozent). Dahinter landeten deutlich abgeschlagen Jonas Prauschke (SPD) mit 579 Stimmen (11,6 Prozent) und Annie Schraml (Die Linke) mit 183 Stimmen (3,7 Prozent).

Das sagt der CSU-Kandidat

Hatten sich nach einem laut Siegert anstrengenden, aber dennoch erfrischenden Wahlkampf die Fußstapfen von Franz Stahl am Ende doch als eine Nummer zu groß erwiesen? Dass der 56-Jährige mit 43,3 Prozent der Stimmen genau die Hälfte von Stahls 2014er-Ergebnis (86,6) holte, mag Zufall sein. Im Vergleich zu 2020 sind es schon über 49 Prozent weniger, was dem CSU-Kandidaten bei der Wahlnachlese zu denken geben sollte. Denn durch Schwerpunkte wie Stadtentwicklung, Bauhof-Neubau, Nahversorgung in der Bahnhofstraße, Bildung, Betreuung, Wirtschaft, Kultur und Vereinsleben sowie nachhaltiger Infrastruktur würde Siegert den eingeschlagenen Weg ja weitergehen. Oder wollen die Tirschenreuther nach 24 Jahren CSU-Bürgermeister einfach eine Veränderung? Ein im Wahlkampf ausgegebenes Ziel hat Siegert immerhin erreicht: Die Christsozialen bleiben mit neun Mandaten stärkste Fraktion im Stadtrat, auch wenn sie zwei Sitze abgeben mussten und daher nicht mehr die absolute Mehrheit im Gremium haben.

Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien am Montag betonte Siegert, zufrieden zu sein, die meisten Stimmen geholt zu haben. Er verhehlte aber auch nicht, dass er sich "das eine oder andere Prozent mehr erhofft" habe. Woran es lag, dass es nicht für ihn reichte, sei noch nicht nachvollziehbar. Am Montagabend wollten er und die CSU "in die Analyse" gehen. Den Wahlkampf bezeichnete Siegert jedenfalls als gut, "aber der Wähler hat oft andere Gründe".

Das sagt der FW-Kandidat

Dass die FW so stark abschneiden, ist keine Überraschung. Sie sind aktuell mit die fünf Sitzen die zweitstärkste Fraktion im Stadtrat und werden das mit künftig sieben Mandaten auch bleiben. Und bereits vor sechs Jahren hatte der noch amtierende Dritte Bürgermeister Norbert Schuller, der heuer nicht mehr antrat, das zweitbeste Ergebnis hinter Stahl geholt. Der 61-jährige Schärl ist bisher politisch noch nicht in Erscheinung getreten. Aber vielleicht ist gerade das die Veränderung, die die Tirschenreuther wollen: ein Kandidat ohne Voreingenommenheit. Mit seinen Anliegen und Themen, die ihm wichtig sind, konnte Schärl bei den Wählern ja offensichtlich punkten: Finanzen, Energieversorgung, Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Gesundheitsvorsorge und Prävention oder Vernetzung von Vereinen.

"Wir sind nicht weit auseinander", kommentierte Schärl am Montag im Gespräch mit Oberpfalz-Medien das Ergebnis, das ihn "sehr überrascht" habe. "Wir sind gut angenommen worden", sagte er auch mit Blick auf die Stadtratswahl und die künftigen Mehrheitsverhältnisse. Für ihn als Bürgermeister wäre es jedenfalls "interessant, mit den Leuten zusammenzuarbeiten". Die Entwicklung der Resultate habe Schärl zunächst im Familienkreis verfolgt und "genossen, weil es die erste Wahl war", an der er teilgenommen habe. Für die Stichwahl sei er zuversichtlich. "Es bleibt spannend."

Vor allem auch deswegen, ob und welche Wahlempfehlungen die anderen Parteien nun gäben. Denn deren Wähler müssen Siegert und Schärl in den kommenden zwei Wochen überzeugen.

Das sagen die Unterlegenen

Eine Wahlempfehlung von SPD und Grünen gibt es noch nicht. "Wir müssen das erst intern diskutieren", sagte Prauschke im Gespräch mit Oberpfalz-Medien am Montag. Der SPD-Kandidat ist nach eigener Aussage zufrieden mit dem Wahlkampf und seinem Ergebnis, das zwar besser hätte sein können, aber im Bereich seiner Erwartungen liege. Und sein "Mindestziel" hat Prauschke ja mit dem Einzug in den Stadtrat geschafft. "Das ist definitiv ein kleiner Erfolg."

Schraml landete bei der Bürgermeisterwahl zwar mit 3,7 Prozent abgeschlagen auf dem vierten Platz. Mit dem erstmaligen Einzug in den Stadtrat gelang der Linken-Kandidaten jedoch ihrer Ansicht nach mehr als nur ein Achtungserfolg. "Das ist ein super Anfang und für uns richtig gut, denn die Linke hat es in Tirschenreuth bisher ja nicht gegeben", erklärte sie am Montag gegenüber Oberpfalz-Medien. Eine Empfehlung für die Stichwahl werde wohl nicht erfolgen, auch wenn es intern noch keine Rücksprache gegeben habe. Siegert und Schärl seien Persönlichkeiten und "beide gut für Tirschenreuth".

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Über den Autor: Redakteur Thorsten Schreiber berichtet seit 2004 für Oberpfalz-Medien über das lokale und politische Geschehen in der Region. Die Bürgermeisterwahl in Tirschenreuth analysiert er als aufmerksamer Beobachter.

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