Tirschenreuth
13.09.2018 - 11:04 Uhr

Mit Kreativität und Qualität

Es geht nicht nur um Ernteausfälle. Die Probleme und Klagen der Landwirte sind vielfältig. Der Bayerische Bauernverband bittet Politiker deshalb zum "runden Tisch".

Die aktuellen Probleme der Bauern thematisierte ein "runder Tisch" beim "Rechersimer" in Röthenbach. Bild: wro
Die aktuellen Probleme der Bauern thematisierte ein "runder Tisch" beim "Rechersimer" in Röthenbach.

Vertreter von CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/ Die Grünen und Freien Wählern stellten sich der Diskussion, zu der die BBV-Kreisverbände Tirschenreuth und Neustadt zum "Rechersimer" nach Röthenbach eingeladen hatten. Mit dabei Landrat Wolfgang Lippert, die jeweiligen Direkt- und Listenkandidaten für die bevorstehenden Landtagswahlen, Bezirksrat Toni Dutz, Bezirkstags-Vizepräsident Lothar Höher und Landtagsabgeordneter Tobias Reiß. Die Runde komplettierten die BBV-Kreisobmänner Ely Eibisch (Tirschenreuth) und Josef Fütterer (Neustadt), die Kreisbäuerinnen Irmgard Zintl (Tirschenreuth), Josefine Kick (Neustadt) und deren Stellvertreter.

Ihr Thema: die als „Wahlprüfsteine“ bezeichneten Sorgen der Bauern. Dabei machte der Diskussionsleiter und Tirschenreuther BBV-Kreisobmann Ely Eibisch eines deutlich: Die Landwirtschaft hat sich weiterentwickelt. Der Entzug landwirtschaftlicher Flächen müsse gestoppt werden. Der Kaibitzer Diplomlandwirt rechnete vor, dass man – zurückblickend auf 2011 bis 2015 - rund 19.200 Hektar unwiederbringlich verloren habe. Dem „Flächenfraß“ in den kommenden Jahren Einhalt zu gebieten, war Eibischs klare Ansage. Weiter mahnte er, die Flächen-Verluste so weit wie nur möglich zu minimieren und entsprechenden Ausgleich zu schaffen. Dazu könnten auch die Bauern beitragen, wie er nachfolgend darlegte: Mit der Bayerischen Kompensationsverordnung sei ein Bewertungssystem geschaffen worden, das auf eine Biotopwertliste zurückgreift, um damit den Anfangszustand der Grundstücke und den prognostizierten Zielzustand vergleichbar zu machen. Auf Basis dieses Bewertungsverfahrens werden Ökopunkte generiert, die dann – ähnlich einem „Zahlungsmittel“ mit Blick auf die Flächen - Verwendung finden können.

An anderer Stelle machte Eibisch deutlich: „Wir müssen die Heimat schmackhaft machen.“ Stichwort: Qualität aus der Region. „Man muss darauf achten, dass die Schulkinder wissen, woher das Pausenbrot stammt.“ Anklingen ließ der Sprecher auch die Problematik bei der Umsetzung der Ausgleichsflächen-Forderung - sowohl beim Bau- als auch beim Naturschutzrecht. „Landwirtschaftliche Flächen müssen davon ausgenommen werden.“

Außerdem verlangte Ely Eibisch die Einführung eines Landwirtschafts- und Waldfonds. „Wir haben gute, aber auch schlechte Jahre.“ Man brauche Unterstützung. Wiederkehrende Leistungen statt einer einmaligen Entschädigung, lautete das Signal in Sachen Hochspannungs-Gleichstrom-Trasse, deren Umsetzung man skeptisch entgegen blicke. Der Verlust weiterer Flächen sei absehbar, davon seien die Bauern in beiden Landkreisen betroffen. „Die Auswirkungen kennt man noch nicht.“ Als einen „riesen Einschnitt“ bezeichnete Eibisch zudem den „Ostbayern-Ring“.

Weitere Themen waren neue Auflagen für Ferkelerzeuger und Düngeverordnung. „Man hat damit mehr Probleme geschaffen, als uns lieb ist.“ An anderer Stelle führte Eibisch an, dass es schwierig geworden sei, junge Leute für den Beruf Landwirt zu gewinnen. „Wir brauchen Kreativität und neue Ideen. Unsere Kulturlandschaft muss erhalten bleiben.“

Jutta Deiml (SPD) zeigte sich von den Problemen betroffen. Das Format der Diskussion begrüßte MdL Tobias Reiß. „Wir müssen Vertrauen schaffen“, ermahnte der Abgeordnete die Betroffenen. Die Probleme tangierten auch die Verbraucher. „Pionierarbeit wird bereits geleistet“, lobte Reiß die „Dorfläden“. Bezirksrat Toni Dutz versprach, das Thema „Teichwirtschaft“ noch stärker in den Blickpunkt zu rücken. Positiv dazu äußerte sich auch Lothar Höher. An anderer Stelle empfahl Matthias Grundler von der CSU den Besuch eines landwirtschaftlichen Anwesens, insbesondere durch Schulen. Stellung zu den vorgelegten Themen nahmen auch die Vertreter von Bündnis 90/ Die Grünen, insbesondere Sonja Schumacher. „Vieles funktioniert, man muss es nur wollen.“ Die „Interessen abwägen“ empfahl CSU-Direktkandidat Stephan Ötzinger, der sich abschließend in die Diskussion einschaltete. Man müsse den Landwirten Anreize und damit in den Dörfern Leben schaffen.

Mit einem Mehrpunkte-Programm wandte sich Kreisbäuerin Irmgard Zintl (Tirschenreuth) an die Zuhörer. Die Alltagskompetenz der Landwirtschaft, zudem Lebensökonomie müsse Thema in den Schulen sein. Das Programm „Landfrauen machen Schule“ müsse weiterhin gefördert werden. Ebenso forderte sie die Stärkung der Pflege und die Sicherstellung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Die Anregung "soziales Jahr" auf den Bauernhöfen griff sie gerne auf.

Die Gesprächsrunden werden fortgesetzt, lautete das abschließende Fazit nach dem Treffen beim „Rechersimer“. Die vorgelegte Themenliste sollte aber deutlich gestrafft werden.

Die Gesprächsrunde leitete BBV-Kreisobmann Ely Eibisch (Vierter von links). Daneben hatten Kreisbäuerin Irmgard Zintl und Kreisbäuerin Josefine Kick (ganz links) Platz genommen. Fragen beantwortete auch Kreisobmann Josef Fütterer (Dritter von rechts). Bild: wro
Die Gesprächsrunde leitete BBV-Kreisobmann Ely Eibisch (Vierter von links). Daneben hatten Kreisbäuerin Irmgard Zintl und Kreisbäuerin Josefine Kick (ganz links) Platz genommen. Fragen beantwortete auch Kreisobmann Josef Fütterer (Dritter von rechts).
Als interessierte Zuhörer zeigten sich die Vertreter aus der Politik, die der Einladung nach Röthenbach gerne gefolgt waren. Bild: wro
Als interessierte Zuhörer zeigten sich die Vertreter aus der Politik, die der Einladung nach Röthenbach gerne gefolgt waren.
Stephan Ötzinger (CSU) empfahl, die Flächen, die nicht mehr durch die Landwirtschaft genutzt werden, der Natur zuzuführen. Bild: wro
Stephan Ötzinger (CSU) empfahl, die Flächen, die nicht mehr durch die Landwirtschaft genutzt werden, der Natur zuzuführen.
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