18.04.2021 - 13:30 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kreis Tirschenreuth: Grünes Licht für Gurgeltests an Schulen

Im Landkreis Tirschenreuth wird es schon bald Gurgel-Pooltests an einigen Schulen geben. Dazu gibt es ein eigenes Konzept.

Zu Demonstrationszwecken zeigt ein Freiwilliger die Funktionsweise eines PCR-Tests mit Gurgeln.
von Martin Maier Kontakt Profil

Für alle Schulklassen im Kreis Tirschenreuth startet am Montag der Präsenz- bzw. Wechselunterricht. Die sinkenden Coronazahlen machen dies möglich. Für die Schüler besteht Testpflicht. Momentan läuft dies über Schnelltest. Aber in einigen Tagen gibt es an acht Schulen im Landkreis die Möglichkeit von Gurgel-Pooltests. Dies teilte Landrat Roland Grillmeier am Wochenende in einem Schreiben mit.

Das grüne Licht habe er am Freitagnachmittag bei einer Schalte mit dem Bayerischen Gesundheitsministerium erhalten. „Dazu waren vier Wochen enorme Vorarbeit notwendig“, erklärt der Landrat. Denn wegen begrenzten Kapazitäten sei es nicht möglich gewesen, in die Modellstudie „WICOVIR“, das ist die Abkürzung für „Wo ist das Coronavirus?“, zu kommen. Studienleiter ist Professor Michael Kabesch, Chefarzt an der Klinik St. Hedwig in Regensburg.

Kosten: 600.000 Euro

Daher habe der Landkreis mit Dr. Josef Scheiber, dem Geschäftsführer des in Waldsassen beheimateten Unternehmens Bio-Variance, ein eigenes Konzept aufgebaut, welches Professor Kabesch wissenschaftlich begleiten wird. Auf dieser Basis sei für alle Schulen im Landkreis der Antrag auf Ausnahmegenehmigung und Pool-Testung gestellt worden. Die Kosten von rund 600.000 Euro würden vom Ministerium übernommen.

"Ich habe meine Aufgabe erfüllt, das Pooling im Landkreis zu ermöglichen. Der Ball liegt nun bei den Schulen."

Landrat Roland Grillmeier

„Nun geht es aber im nächsten Schritt darum, Schulen zu gewinnen, die dies machen wollen“, schreibt Grillmeier. Bisher hätten acht Einrichtungen ihre Bereitschaft erklärt. Darunter seien das Stiftland-Gymnasium und die Mädchenrealschule in Waldsassen. Der Landrat kündigt an, dass in dieser Woche die Abstimmung mit den Einrichtungen erfolge. Betroffen seien rund 1700 Schüler. Allerdings müssten auch die Eltern zustimmen. Grillmeier geht davon aus, dass die Pooltests „frühestens Ende der Woche starten können“.

Vereinfachung der Abläufe

Er halte das Pool-Verfahren als die einfachere und schnellere Möglichkeit, Kinder zu testen. Es solle auch etwas mehr Sicherheit geben als das Schnelltestverfahren. „Ich habe meine Aufgabe erfüllt, das Pooling im Landkreis zu ermöglichen. Der Ball liegt nun bei den Schulen“, zieht er ein erstes Zwischenfazit. Es sei eine enorme Herausforderung gewesen, dieses Projekt in den Landkreis zu bringen. Geholfen habe dabei auch die Koordination in Richtung Gesundheitsministerium durch Landtagsabgeordneten Tobias Reiß.

Am Montag würde aber in allen Schulen noch auf die Schnelltests zurückgegriffen. Bei rund 7000 Schülern in etwa 40 Schulen stelle dies einen Kraftakt dar. Es seien rund 15.000 Schnelltests in der Woche notwendig. Mit dem Pooling hofft Grillmeier auf eine Vereinfachung der Testabläufe, die sich aber erst einspielen und bewähren müssten. Deswegen habe er auch Verständnis, dass manche Schulleiter jetzt noch zurückhaltend reagierten, da die Einweisung mit Schnelltests funktioniere.

Gurgeltests sollen künftig den Schulalltag erleichtern

Tirschenreuth
Hintergrund:

So funktioniert der Gurgel-Pooltest

Jurist Markus Zapf hat auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien erklärt, wie der Ablauf der Poolingtests bei Schülern laut dem bayerischen Modellprojekt aussehen soll:

  • Zunächst wird zu Hause am Morgen gegurgelt (nach dem Aufwachen, vor dem Frühstück und Zähneputzen). Ziel ist es, eine möglichst große Viruslast zu erreichen, falls eine Infektion vorliegt.
  • Das Gurgeln erfolgt mit 4 Milliliter Wasser. Im Anschluss wird die Probe auf zwei Röhrchen aufgeteilt und es wird eine persönliche Rückstellprobe erstellt.
  • Die Screening-Probe wird in der Schule vor Unterrichtsbeginn gepoolt. Das erfolgt kontaktlos in ein Gefäß in der Poolingstation. Organisiert wird das Verfahren durch die Lehrer.
  • Die gesammelten Proben werden an das regionale Auswertungslabor weitergeleitet und dort analysiert. Im Landkreis Tirschenreuth wäre das das Labor Bio-Variance in Waldsassen.
  • Die Rückstellproben bleiben in der Schule und werden nur eingesammelt, wenn ein Pool positiv ist.
  • Zapf geht davon aus, dass die Pools spätestens gegen 9.30 Uhr im Labor sind. Das Ergebnis liegt dann bis Mittag vor und wird online an die Einrichtungen und Gesundheitsamt übermittelt.
  • Sollte ein Pool positiv sein, werden nur die Rückstellproben des positiven Pools auf Anordnung des Gesundheitsamts zur medizinischen Einzeltestung an das regionale Labor weitergeleitet. Alle anderen Rückstellproben werden an die Teilnehmer zurückgegeben.
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