11.02.2021 - 18:43 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kreis Tirschenreuth: Kampf gegen Corona-Mutation

Die Coronavirus-Mutation bereitet im Kreis Tirschenreuth weiterhin vor allem mit Blick nach Tschechien große Sorgen. Und die wöchentlichen Coronazahlen auf Gemeindeebene zeigen, dass auch der westliche Landkreis immer mehr betroffen ist.

Das Landratsamt Tirschenreuth veröffentlicht wöchentlich aufsummierte Zahlen der Corona-Infektionen pro Gemeinde. Der einzige tschechische Fall stammt noch aus der Datenerfassung zu Beginn der Krise. Die Zahl der positiv getesteten tschechischen Grenzpendler erscheint in dieser Statistik nicht.
von Martin Maier Kontakt Profil

Der Landkreis Tirschenreuth hatte auch am Donnerstag die bundesweit höchste Inzidenz: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen lag laut Robert-Koch-Institut (RKI) bei 333. Besonders unter Beobachtung stehen weiterhin die tschechischen Grenzpendler.

Ministerpräsident Markus Söder sprach sich am Donnerstag für Kontrollen an der Grenze zu Tschechien aus. Dazu müssten aber erst tschechische Regionen zu Mutationsgebieten erklärt werden. Sobald das geschehen sei, sei eine Einreise nur noch mit einem negativen Test möglich. „Und wenn das passiert, stellen wir den Antrag an den Bund, stationäre Grenzkontrollen zu etablieren.“

Firmen besonders betroffen

Dass dieser Weg wohl unausweichlich ist, zeigt auch die am Mittwoch erlassene Allgemeinverfügung mit den verschärften Regeln für Grenzpendler und Betriebe im Landkreis Tirschenreuth. Dort hat Oberregierungsrat Markus Zapf nämlich eine ausführliche Begründung angehängt. Er erklärt darin, dass das Landratsamt Tirschenreuth davon ausgeht, „dass sich die hohen Inzidenzen im Landkreis insbesondere auch auf die Nähe zur Tschechischen Republik und die dorthin bestehenden Verflechtungen“ zurückführen lassen. Zudem sei bestätigt, dass die mutierte Virus-Variante aus Großbritannien in Tschechien grassiert.

Im Landkreis Tirschenreuth sind rund 2500 Pendler aus Tschechien beschäftigt. Immer mehr Infektionen würden in Unternehmen auftreten, die tschechische Pendler beschäftigen. In vielen Betrieben im Landkreis Tirschenreuth seien in letzter Zeit Mitarbeiter aus Tschechien positiv getestet worden. So wurden seit 1. Januar bereits mehr als 320 Arbeitnehmer aus Tschechien positiv auf Covid-19 getestet.

"Großes Risiko"

In seiner Begründung schreibt Zapf daher, dass insbesondere Betriebe mit tschechischen Arbeitspendlern „einem großen Risiko für weitere Infektionen ausgesetzt“ sind. Dieses Risiko werde noch durch das Auftreten der britischen Virusmutation in Tschechien verschärft.

Nach einer Aussage des tschechischen Gesundheitsministers führt dieser zehn Prozent der Infektionen im Land auf die britische Mutation zurück. Diese ist nach den bisher vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen wesentlich ansteckender und wesentlich leichter zu übertragen. Daher kommt Zapf zur Schlussfolgerung: „Unter Umständen sind die bisherigen Schutz- und Hygienemaßnahmen bezüglich der Mutation nicht oder nur eingeschränkt wirksam.“ Auch bestehe die Vermutung, dass eine Reinfektion nach bereits durchgemachter Corona-Infektion erfolgen kann.

17.096 Tests seit 1. Februar

Mit Blick auf eine mögliche Virusmutation im Landkreis schreibt Zapf: „Auch hier drängt sich der Verdacht auf, dass der Eintrag der Mutation auf die Nähe zu Tschechien zurückzuführen ist“, so Zapf. Und weiter: „Es gilt insofern unbedingt, die weitere Einschleppung mutierter Viren in den Landkreis zu unterbinden.“

Das Landratsamt legte am Donnerstag auch wieder die wöchentlichen Coronazahlen auf Gemeindeebene vor. Waren anfänglich die Corona-Schwerpunkte im Landkreis Tirschenreuth noch im östlichen Teil, wird nun immer deutlicher: Das Virus breitet sich fast in allen 26 Gemeinden weiter aus. Insgesamt gab es in den vergangenen sieben Tagen 252 Corona-Neuinfizierte. Neben Tirschenreuth mit 46 Fällen und Kemnath mit 31 Fällen rücken diesmal vor allem die kleineren Gemeinden Pullenreuth (20), Brand (14) und Immenreuth (11) in den Fokus.

Außerdem verwies Landratsamt-Pressesprecher Wolfgang Fenzl auf die hohen Testzahlen im Landkreis Tirschenreuth hin: Seit 1. Februar wurden an den beiden Testzentren Tirschenreuth und Waldsassen insgesamt 17.096 Tests abgenommen. Hierauf entfallen 6.959 Schnelltests auf tschechische Grenzpendler, wovon 46 positiv ausfielen. Allein am Mittwoch wurden insgesamt 2.296 Personen getestet, davon 802 Schnelltests bei tschechischen Grenzpendlern, wovon 10 positiv ausfielen.

Hier die verschärften Regeln für Grenzgänger und Betriebe

Tirschenreuth
Hintergrund:

Aktuelle Coronazahlen Landkreis Tirschenreuth

  • Neue Coronafälle (Stand: Donnerstag, 12.30 Uhr): 45, davon waren 12 in Quarantäne.
  • Verdachtsfälle auf eine Corona-Mutation: 11 neue Fälle, insgesamt aktuell 184. Diese Zahl ist bei der Gesamtzahl der Infizierten bereits enthalten.
  • Corona-Tote: 2 neue Todesfälle. Dabei handelte es sich um Personen mit Vorerkrankungen, deren Alter das Landratsamt mit Ende 70 und Ende 80 angab. Damit steigt die Zahl der Corona-Toten auf 211.
  • Gesamtzahl der positiv Getesteten: 3806.
  • 7-Tage-Inzidenz Deutschland: Kreis Tirschenreuth 333, Kreis Wunsiedel 256, Kreis Bayreuth 112, Kreis Neustadt/WN 94 (Quelle: Robert-Koch-Institut).
  • 7-Tage-Inzidenz Tschechien: Kreis Eger 1149, Kreis Sokolov 1184, Kreis Karlsbad 752, Kreis Tachau 688 (Quelle: Tschechisches Gesundheitsministerium).
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.