11.04.2021 - 09:33 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Das Kulturerbe Karpfenteiche besser schützen

Ein Jahr nach der Aufnahme in das Landesverzeichnis sind Bayerns Karpfenteiche nun deutschlandweit zum immateriellen Kulturerbe ernannt worden. Mitinitiator Hans Klupp aus Schönficht verfolgt damit mehrere Ziele.

Eine hohe Auszeichnung, die auch die Tirschenreuther Teichpfanne betrifft: Die traditionelle Karpfenteichwirtschaft in Bayern wurde von der deutschen Unesco-Kommission als immaterielles Kulturerbe anerkannt.
von Katrin Pasieka-Zapf Kontakt Profil

Die deutsche Unesco-Kommission hat die "Traditionelle Karpfenteichwirtschaft in Bayern" in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Hans Klupp aus Schönficht war federführend am Bewerbungsprozess beteiligt. Die Auszeichnung soll Teichwirten zu mehr Selbstbewusstsein verhelfen, aber vor allem die Teichwirtschaft erhalten.

"Über die Aufnahme in das deutschlandweite Verzeichnis habe ich mich sehr gefreut", sagt Klupp. In einem mehrstufigen Verfahren musste unter anderem die Bedeutung der Teiche während des Nationalsozialismus erläutert werden. "Hier haben wir viel recherchiert", so Klupp. Wichtig war auch, wie die Frau in die traditionelle Teichwirtschaft eingebunden war und ist. "In früheren Zeiten erledigten hauptsächlich die Männer diese körperliche Arbeit", erklärt Klupp. Die Frauen übernahmen die Verarbeitung der Fische, aber auch Netzstrickarbeiten oder stellten die Kleidung her. "Heute engagieren sich Frauen in allen Bereichen der Karpfenteichwirtschaft. Das ist auch gut so."

"Warum sollten die Menschen ihre Teiche bewirtschaften, wenn es am Ende nichts bringt?"

Teichwirt Hans Klupp

Teichwirt Hans Klupp

Neues Argument

Mit dem Titel "Immaterielles Kulturerbe" möchte Hans Klupp zusammen mit dem Landesfischereiverband Bayern und dem Verband der Berufsfischer das Engagement der Teichwirte für diese wichtige Tätigkeit fördern. Die Teiche werden nachhaltig und artgerecht seit Generationen von Familien im Nebenerwerb bewirtschaftet. "Der Karpfen ist ein reines Naturprodukt", so Klupp. Die Fische ernähren sich fast ausschließlich von dem, was im Teich zu finden ist. "Dank dieser Bewirtschaftung entstehen wichtige Biotope. Ein wichtiger Lebensraum für viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten."

Aus diesem Grund stehen viele Teichgebiete unter Naturschutz oder sind speziellen Habitaten zugeordnet. Zum Schutz einzelner Arten werden zahlreiche Auflagen und Regelungen verabschiedet – zum Leidwesen vieler Teichwirte. Durch die Auszeichnung erhoffen sich die Verantwortlichen mehr Argumente in Diskussionen. Klupp denkt hier vor allem an die Probleme, die durch Kormoran, Biber und Fischotter entstehen. "Ein immaterielles Kulturerbe sollte erhalten werden und Unterstützung bekommen", so Klupp. Seiner Meinung nach könne es nicht sein, dass die Arbeit eines Jahres dann mit dem Gang zum Landratsamt mit der Bitte um Ausgleichszahlungen endet. "Warum sollten die Menschen ihre Teiche bewirtschaften, wenn es am Ende nichts bringt?", fragt er.

Dämpfer für den Speisekarpfen

Aufgrund der großen Schäden denken einige Betriebe bereits nach, die Bewirtschaftung der Teiche aufzugeben. Und das, obwohl das Interesse am Karpfen steigt. "Hier hat in Teilen der Gesellschaft ein Umdenken stattgefunden", sagt Klupp. Regionalität und naturnahe Haltung rücken wieder in den Vordergrund. Die Corona-Pandemie versetzte aber "dem Absatz von Speisekarpfen einen Dämpfer". Das spüren vor allem die Teichwirte, die eine Gastwirtschaft betreiben. Beim Freiwasserbesatz gab es laut Klupp keine Einbrüche. Hierfür werden Karpfen in einer geschützten Umgebung aufgezogen und später als Jungfische zum Beispiel an Fischereivereine verkauft. In den Angelgewässern wird so der Bestand vergrößert.

Wann Hans Klupp und seine Mitstreiter die Urkunde für die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes verliehen bekommen, ist noch unklar. An eine Pause denkt Klupp aber nicht. Bayernweit sollen Veranstaltungen und Infopunkte auf das Kulturerbe und so die Bevölkerung auf die über 1000 Jahre alte Kulturlandschaft aufmerksam machen. "Die traditionelle Teichwirtschaft ist auch heute noch lebendig und wird kreativ weitergegeben und entwickelt", so Klupp. Es ist eine Handwerkstechnik, zu der viel Wissen über die Natur gehört. "Die Teichwirtschaft trägt in einer Fülle zum Gemeinwohl bei. Sie vereint Biodiversität, Artenvielfalt, aber auch Tourismus und Naherholung miteinander."

Fassbinderhandwerk in Tirschenreuth nun immaterielles Kulturerbe

Tirschenreuth
Hintergrund:

Bundesweites Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

  • Ist eine Zusammenstellung bedeutender Kulturgüter in Deutschland. Derzeit sind es 113 immaterielle Kulturgüter.
  • In das Verzeichnis werden kulturelle Ausdrucksformen wie Tanz, Bräuche, Feste und Handwerkskünste aufgenommen, die regional und national eine besondere Bedeutung haben.
  • Die Kulturform muss in Deutschland praktiziert werden.

 

 

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