18.05.2021 - 14:55 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Kunst im ganz großen Stil

Der Kunstverein Tirschenreuth präsentiert im Juni großflächige Werke bei einer Open-Air-Ausstellung an der Mauer der Fronfeste. Es wird eine Premiere für die Künstler und die Stadt.

Auf eine Anregung von Künstler Tom Brankovic (hier mit seinem Werk) hin ist die Idee zur ersten Open-Air-Ausstellung entstanden. Er hat in Pilsen an einer Internatioanlen Mauerausstellung mit Titel "Mehr Farbe auf der Straße" teilgenommen und gleich dabei an Tirschenreuth gedacht.
von Ulla Britta BaumerProfil

Emsiges Treiben im Museumsquartier ist leider immer noch nicht möglich. Deshalb müssen für die nächste große Ausstellung nur einige wenige Mitglieder des Kunstvereins Tirschenreuth zusammenhelfen. Immerhin ist das MQ bereits wieder geöffnet seit dieser Woche, was die Arbeit wesentlich erleichtert.

Premiere für Stadt und Verein

Auf zum Quadrat zusammengerückten Tischen liegen große Leinwände. 1,50 mal 1,50 Meter sind die Objekte, die 12 Künstlerinnen und Künstler in den nächsten Wochen mit Acrylfarben bemalen werden. Es wird eine Premiere für die Stadt und den Kunstverein gleichermaßen. Diese 12 Mitglieder im Kunstverein Tirschenreuth zeigen im Juni erstmals Werke in dieser ungewöhnlichen Größe bei einer Open-Air-Ausstellung. Damit eine derartige Präsentation überhaupt zustande kommt, arbeiten das Team des MQ, die Stadt, der Bauhof und der Kunstverein eng zusammen.

Die erste Aufgabe lautete, diese etwas andere Ausstellung nach einer Anregung von Künstler Tom Brankovic technisch überhaupt möglich zu machen. Die Idee von Brankovic stammt aus seiner Teilnahme 2020 an einer Internationalen Ausstellung in Pilsen und Schönsee gemeinsam mit der Pilsner Künstlergruppe. "Ich hatte sofort den Gedanken, dass wir das auch in Tirschenreuth machen sollten", so der Künstler. Branovic hat mit seiner Idee auch KV-Vorsitzende Petra Schicker und Bürgermeister Franz Stahl begeistern können. Zumal es nicht klar war, ob im MQ in den Innenräumen in diesem Jahr überhaupt eine Kunstausstellung stattfinden kann wegen Corona. Warum also nicht die Kunst nach draußen bringen, wenn in den Räumen nichts erlaubt ist?

Bevor die Künstler eingeweiht werden konnten, welche Herausforderung an sie herankommen wird, musste zuerst die technische Sachlage geklärt sein. Die Mauer unterhalb der Fronfeste ist zwar bestens geeignet. Nur müssen die Werke entsprechend stabil installiert werden, ohne Löcher in die Mauer zu bohren. So lautete die Herausforderung für den Städtischen Bauhof, wo nach eingehender Besprechung bald eine geeignete Lösung gefunden war.

Grundierung und Versiegelung

Das Museumsquartier unterstützt den Verein nun bei der Ausarbeitung der weiteren Schritte mit der Bereitstellung der Räume für die Vorarbeiten sowie mit Material. Bestens ausgerüstet konnten die Künstlerinnen ihr großes Vorhaben beginnen. Doch es ist nicht einfach, ein großflächiges Kunstwerk für ein Außengelände zu malen. Nachdem die Leinwände, zehn Meter am Stück, bestellt und geliefert waren, mussten sie auf die entsprechende Maßeinheiten 1,50 mal 1,50 zugeschnitten werden. Petra Schicker und Petra Gehring nahmen die Quadrate mit nach Hause und säumten sie mit ihren Nähmaschinen ein. Wie bei Vorhängen können die Leinwände nach dem Bemalen nun an Stangen befestigt werden. Der nächste Schritt wurde im MQ im Hörmannsaal erledigt. Jede Leinwand musste zuerst grundiert werden und wird, sobald die Künstler ihren Part mit Malen erledigt haben, für eine Außennutzung versiegelt. Vor wenigen Tagen konnte die Grundierung aufgetragen werden. Jeder der Künstler hat sich eine entsprechend präparierte Leinwand mit nach Hause genommen. Im stillen Kämmerlein und ganz geheim werden in den kommenden Wochen fleißig die Künstlerpinsel geschwungen. Was dabei herauskommt, davon lässt sich selbst der Großteil der teilnehmenden KV-Mitglieder überraschen. Petra Schicker erzählt, sie habe erst kürzlich ein derart großes Werk gemalt. Froh darüber, mit diesem Übungsobjekt bereits Erfahrung gesammelt zu haben, ging sie sofort an die Arbeit. Jetzt hat sie die große Leinwand auf dem Boden ausgebreitet und wird sie dort auch bemalen, ein ungewöhnlicher Vorgang, nach dem Einsatz von Schere und Nähmaschine. Für Tom Brankovic ist das keine große Anstrengung. Seine Bibeldarstellungen sind meist sehr groß – und er hat Vorlauf dank der Ausstellung in Pilsen 2020. Der Ikonenmaler und erfahrene Künstler unterstützt seine Kollegen bei der Ausarbeitung mit seinem technischen wie künstlerischen Wissen.

Perspektive beachten

Petra Gehring und Angelika Sticht sind etwas skeptischer. Denn nicht nur die Technik ist ausschlaggebend. Bei derart großen Darstellungen muss bei der Motivfindung zudem die Perspektive besonders beachtet werden. Die Werke sollen im Außenbereich schon von Weitem Wirkung zeigen und die Betrachter anlocken. Zwar malen Gehring und Sticht ebenfalls bereits des Öfteren auf flächigen Tafeln. Nur haben diese bisher nie die Größe von einem Meter überschritten. Aber auch Gehring und Sticht sind zuversichtlich, die Aufgabe zu stemmen.

Bis 6. Juni hat Petra Schicker ihrer 13-köpfigen Gruppe Zeit für die Werke gegeben. Dann müssen die Leinwände zurück ins MQ zur Versiegelung. Am 8. Juni um 18 Uhr steht dann die Vernissage im Terminkalender. Ein Hygienekonzept wird noch zeitnah abgeklärt.

In Coronazeiten hat der Kunstverein seine Werke im Internet "ausgestellt"

Tirschenreuth

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Tom Brankovic und Petra Schicker legen die grundierten Leinwände vorsichtig zum Trocknen ab. Auf diese Leinwände, 1,50 mal 1,50 Meter groß, werden die Künstler in den nächsten Wochen ihre Motive malen.
Das Grundieren der 13 Leinwände hat viel Zeit in Anspruch genommen. Die Künstlerinnen und Künstler, Angelika Sticht, Petra Schicker, Siegfried Rahner, Petra Gehring und Tom Brankovic sind froh, dafür im MQ einen geeigneten Raum zur Verfügung gestellt bekommen zu haben.
Angelika Sticht und Petra Schicker (von links) bereiten die Leinwände für die Grundierung vor.
Hintergrund:

Die Aussteller

Bei einer Open-Air-Ausstellung präsentiert der Kunstverein Tirschenreuth ab dem 8. Juni großflächige Werke an der Mauer der Fronfeste. An der außergewöhnlichen Ausstellung mit Arbeitstitel „Mehr Kunst auf der Straße“ nehmen teil: Tom Brankovic (Initiator), Petra Schicker (Vorsitzende), Petra Gering, Angelika Sticht, Toni Eichinger, Siegfried Rahner, Desislava Dimitrova, Christine Michl, Brigitte Deml, Ulla Britta Baumer, Kerstin Rumswinkel und Lillia Pioch.

 

 

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