12.09.2021 - 10:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Lärmschutzwand an der B15 bei Tirschenreuth zunehmend in der Kritik

Die Beschwerden der Anwohner häufen sich: Die Lärmschutzwand an der B15 ist marode und bietet keinen Schutz mehr gegen den Verkehrslärm auf der Umgehungstrasse. Maßnahmen lassen aber auf sich warten.

Seit 37 Jahren leben Marianne und Helmut Reber mit der Lärmschutzwand an der B15. Keine zehn Meter ist diese von ihrem Grundstück entfernt. Doch der Verkehrslärm hat in den vergangenen Jahren enorm zugenommen und wird für das Ehepaar nahezu unerträglich.
von Lena Schulze Kontakt Profil

Gemütlich im Garten sitzen ist unmöglich, telefonieren auf dem Balkon ebenso, weil man den Gesprächspartner vor Verkehrslärm nicht versteht. Das laute Rauschen der Motorräder, Autos und insbesondere der Schwerlaster, die auf der B15 an Tirschenreuth vorbeifahren, ist ständig da. In den vergangenen zehn Jahren hat die Verkehrsbelastung auf der B15 laut Helmut und Marianne Reber immens zugenommen. Zwischen dem Haus des Tirschenreuther Ehepaars im Lengenfelder Weg und der Lärmschutzwand liegen gerade einmal zehn Meter. Die Schallschutzwand sollte die Anwohner des Lengenfelder Wegs und des Neulerchenfeldwegs eigentlich vor dem Lärm schützen, tut sie aber nicht.

100 Lastwagen in einer Stunde

„Zwischen 4 und 5 Uhr morgens geht’s los. Dann rauschen die ersten Lastwagen vorbei“, berichtet Helmut Reber. Bei geöffneten Schlafzimmerfenstern weiterschlafen, daran ist dann nicht mehr zu denken. Auch das Kinderzimmer des Enkels geht in Richtung B15. „Meine Tochter kann das Zimmerfenster meines Enkels nachts nicht offen lassen. Der Kleine kriegt sonst kein Auge zu.“ Von 7 bis 8 Uhr morgens zählte der 78-Jährige mindestens 100 Lastwagen, Autos und Kleintransporter nicht mitgezählt. Die vorbeidonnernden, schwer beladenen Lkws ragen mindestens einen halben Meter über die Lärmschutzwand, sagt der Tirschenreuther.

Hinzukommt, dass die Lärmschutzwand nach 37 Jahren erheblich in die Jahre gekommen ist und einen desolaten Zustand aufweist. „Das ist keine Lärmschutzwand, sondern ein Bretterverschlag“, ärgert sich Helmut Reber. Die Schallschutzwand weist zwischen den Holzbrettern teils Klüfte von bis zu einem Zentimeter auf. „Da wurde bereits mehrfach erfolglos versucht, die Lücken mit Silikon zu verschließen, zuletzt vor zwei Jahren“, erinnert sich Reber. Gebracht hat’s nichts. Auch die Büsche und Sträucher, die den Fuß- und Radweg an der Lärmschutzwand säumen: „Das bringt gar nichts“, sagt Reber.

Sanierung unumgänglich

Aus Sicht der Familie ist eine Sanierung der Lärmschutzwand dringend erforderlich. Angesichts der Pläne für die Industrieansiedlung der Ziegler-Group im Süden der Kreisstadt befürchten die Rebers einen weiteren Anstieg des Schwerlastverkehrs. Eine Sanierung sei deshalb unumgänglich. Eine Entlastung könnten sich die Anwohner durch die geplante Süd-Ost-Tangente vorstellen, doch bis diese fertiggestellt ist, dauert es noch.

Vorübergehend wünscht die das Tirschenreuther Ehepaar eine Geschwindigkeitsbegrenzung, vor allem zur Nachtzeit. Dies würde ihrer Ansicht dazu beitragen, die Lärmbelästigung zu reduzieren. Auch bauliche Maßnahmen könnten sie sich vorstellen: Die desolate Lärmschutzwand sollte saniert werden und auch der Straßenbelag der B15 durch eine lärmmindernde Fahrbahndeckschicht ersetzt werden. Ende Juni wandte sich das Ehepaar mit einem Schreiben an die Stadt. Den Brief ließen die Rebers von ihrem Rechtsanwalt verfassen. „Um der ganzen Sache mehr Nachdruck zu verleihen“, betont Helmut Reber. Für die Umgehungsstraße und die Lärmschutzwand ist jedoch nicht die Stadt, sondern das Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach zuständig.

Das Anliegen der Rebers leitete die Stadt umgehend an das Straßenbauamt weiter. Denn schon ein halbes Jahr bevor die Familie sich beschwerte, sprach CSU-Stadtrat Huberth Rosner die Problematik in einer Bauausschusssitzung an. Ende Februar 2021 sollten dort Messungen stattfinden, die eine Einschätzung der Lärmbelastung erlauben.

Rückmeldung steht noch aus

Die Stadt wies das Straßenbauamt aufgrund der Beschwerde der Rebers nochmals auf das Problem hin, in der Hoffnung, dass die Sache in der Priorität erhöht wird. „Die Anwohner, insbesondere der Straßen Lengenfelder Weg und Neulerchenfeldweg in Tirschenreuth, leiden zunehmend unter der enormen Lärmbelästigung der Umgehungsstraße B15“, heißt es. Die nachvollziehbaren Beschwerden der Anwohner häuften sich. Neben der Sanierung der Lärmschutzwand empfiehlt die Stadt zudem schnellstmöglich ein Tempolimit von Kilometer pro Stunde oder weniger als Sofortmaßnahme einzurichten. Auch sollte eine langfristige Lösung für den betroffenen Bereich entwickelt werden. Eine Rückmeldung steht noch aus.

Das Tirschenreuther Ehepaar ist enttäuscht. Seit Monaten passiert nichts. Sie hätten sich mehr Unterstützung erhofft. Ursprünglich war beim Bau der Umgehung in den frühen 1980er Jahren keine Lärmschutzwand angedacht, erinnert sich der 78-Jährige. Er setzte sich schon damals dafür ein. „Wir sind schon lange vor der dieser Lärmschutzwand hier gewesen“, sagt Marianne Reber. Die Eheleute haben zuvor auch die Bahnstrecke neben der Haustüre gehabt – heute verläuft dort der Vizinalbahnradweg. „Die Bummelbahn von Bärnau kam ja nicht oft, höchstens drei vier Mal am Tag. Die hat nicht gestört“, sagt Marianne Reber.

Wie genau die Süd-Ost-Tangente um Tirschenreuth verläuft, entscheiden die Planer 2021

Tirschenreuth

„Zwischen 4 und 5 Uhr morgens geht’s los. Dann rauschen die ersten Lastwagen vorbei.“

Anwohner Helmut Reber (78)

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.