02.08.2021 - 10:09 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth finanziert Katzenkastration

Verwilderte Katzen sind ein Problem, das die Tierheime zunehmend belastet. Der Landkreis Tirschenreuth macht nun Geld für die Sterilisierung und Kastration locker.

Die herrenlosen Katzen müssen erst mal eingefangen werden. Nach der Kastration werden sie wieder freigelassen.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Von der Kreistagsfraktion der Grünen kam der Vorschlag, im Landkreis Tirschenreuth ein Budget zur kontrollierten Kastration und Sterilisation der Tiere einzurichten. "Nach Aussage des Veterinäramts und Kreistierschutzvereins stellt die unkontrollierte Vermehrung verwilderter Katzen an verschiedenen Orten im Landkreis ein Problem dar", heißt es in dem Antrag. Verwiesen wird auf das Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, wonach verwilderte Katzen häufig unter schlechten Bedingungen leben, oft schon krank geboren werden, unter Mangelernährung, Parasitenbefall und Infektionen leiden.

So bleibt Ihre Katze gesund

Unterstützung kam vom Tirschenreuther Veterinäramt: "Wir halten ein Budget zur Kastration für eine angemessene Maßnahme, um Tierleid zu reduzieren", sagte Leiter Dr. Klemens Dötsch im Kreisausschuss. "Mit 8500 Euro im Jahr würden wir schon einigermaßen weit kommen." Aktuell gebe es im Landkreis einige Hotspots mit verwilderten Katzen, etwa in Mitterteich, Waldsassen und Immenreuth.

Bedenken von Ely Eibisch

Der Bereich Tierschutz mache auch im ländlichen Raum einen großen Anteil der Arbeit im Veterinäramt aus. Das sei anders als noch vor 20 Jahren, nannte Dötsch als Gründe umfangreiche gesetzliche Vorgaben und die wachsende Sensibilität der Gesellschaft. Leider seien nicht alle Haustierhalter so verantwortungsvoll, um freilaufende Katzen sterilisieren zu lassen. So würden viele Jungtiere ausgesetzt, verwilderten, vermehrten sich weiter, lebten unter schlechten Bedingungen. Wenn die Katzen im Tierheim landeten, verursache die Behandlung hohe Kosten, die wiederum auf die Gemeinden umgelegt werden könnten, wenn sich kein Spender finde. Auch wenn sich eine Kommune durch Pauschalzahlungen an das Tierheim von der Verpflichtung befreit habe, für Fundtiere aufzukommen, schlage sich der Kostenfaktor spätestens bei den nächsten Verhandlungen nieder.

Landrat Roland Grillmeier begrüßte den Vorschlag, mit der Kastration verwilderter Katzen die weitere Vermehrung einzudämmen: "Wir stehen alle dahinter." Nur Ely Eibisch (Freie Wähler) meldete starke Bedenken an. Jeder Landwirt müsse genau beachten, wie viel Fläche, Luftzufuhr, Nahrung er seinen Tieren gewähre. Eibisch fürchtete einen "Freibrief für Haustierhalter", die ebenso wie jeder Nutztierhalter die Verpflichtung zur artgerechten Versorgung hätten.

"Kein Freibrief"

Josef Schmidt (Grüne) stellte klar: "Der Antrag soll kein Freibrief sein für Menschen, die sich das Geld für die Kastration ihrer Tiere sparen wollen." Dafür sorge schon die Koordination durch das Veterinäramt. Dessen Leiter Klemens Dötsch betonte: "Es geht ausschließlich um herrenlose Tiere ohne Besitzer."

Landrat Grillmeier hielt Eibischs Vergleich mit Kühen und anderen Nutztieren für wenig sinnvoll und versicherte mit Berufung auf das Tierheim, dass die Kommunen bisher nicht direkt für die Kastration herrenloser Katzen bezahlen müssten. Schließlich stimmte das Gremium geschlossen für den 8500-Euro-Topf, um verwilderte Katzen unfruchtbar zu machen und damit exponentielles Wachstum zu verhindern.

Im Landkreis Neustadt fiel die Initiative der Jungen Union auf fruchtbaren Boden

Pressath
Hintergrund:

So läuft die Aktion Kastration

  • Verwilderte Katzen werden von Privatleuten oder vom Tierschutzverein eingefangen, zur Behandlung gebracht und wieder ausgesetzt.
  • Tierärzte übernehmen die Sterilisation zu festen Pauschalen: 125 Euro pro Kätzin, 85 Euro pro Kater.
  • Die Rechnungen werden vom Veterinäramt überprüft und über das Landratsamt angewiesen.
  • Der Landkreis Tirschenreuth stellt dafür ein Jahresbudget von 8500 Euro zur Verfügung.
  • Blick zu den Nachbarn: Der Landkreis Bayreuth hat für ein vergleichbares Projekt 2000 Euro im Haushalt, der Landkreis Neustadt/WN 8500 Euro. Im Landkreis Schwandorf, wo je nach Notwendigkeit jedes Jahr neu beschlossen wird, beträgt das Budget aktuell 20.000 Euro.

"Der Antrag soll kein Freibrief sein für Menschen, die sich das Geld für die Kastration ihrer Tiere sparen wollen."

Josef Schmidt (Grüne)

 

 

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