18.06.2020 - 16:30 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth glänzt mit viel Dynamik

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Wer beim Landkreis Tirschenreuth noch an Strukturschwäche denkt, wird vom Institut der deutschen Wirtschaft eines Besseren belehrt. Schließlich gehört Tirschenreuth zu den zehn ländlichen Räumen mit der größten Dynamik in ganz Deutschland.

In der IW-Studie „Ländliche Regionen“-Ranking schneidet der Landkreis Tirschenreuth sehr gut ab. Die Grafik zeigt die Platzierungen des Landkreises Tirschenreuth und seiner Nachbarn unter bundesweit 401 Regionen (ländliche Räume und andere).
von Siegfried BühnerProfil

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft präsentiert sich der Norden der Oberpfalz wirtschaftlich besonders dynamisch. Ein Blick auf die Zahlen des Landkreises Tirschenreuth.

Im Landratsamt Tirschenreuth freut man sich. "Der Landkreis und die Region punkten weiter gegenüber den Ballungsräumen. Unsere Heimat hat sich als gutes Umfeld zum Leben, Wohnen und Arbeiten für alle Generationen entwickelt", stellt Landrat Roland Grillmeier fest. Zu verdanken sei dies einem Dreiklang von engagierten und erfolgreichen Unternehmern, die zur Region stehen, der Verbindung aktiver und ideenreicher Kommunalpolitik sowie Menschen, die sich einbringen.

Was die Freude im Landratsamt auslöst, ist die Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) mit dem Namen "Ländliche Regionen in Deutschland - Ergebnisse des IW-Regionalrankings 2020". Hiernach steht der Landkreis Tirschenreuth unter bundesweit 146 ländlichen Regionen in Deutschland auf Platz 3 in der Entwicklungsdynamik (Hintergrund). Insgesamt waren in die Untersuchung 401 Regionen verschiedenster Struktur einschließlich aller Ballungsräume einbezogen worden. Und selbst im Dynamik-Ranking unter all diesen Regionen setzten die Wissenschaftler Tirschenreuth noch immer auf Platz 10.

Über 50 Einzelindikatoren

Gemessen wurde in der Untersuchung auch das Entwicklungsniveau einer Region. Und auch hier gehört der Landkreis Tirschenreuth mit seinem Platz 117 unter den 401 Regionen Deutschlands noch immer zum ersten Drittel. Ausführlich beschreiben die Wissenschaftler die Methodik, mit der sie zu diesen Ergebnissen gekommen sind. Unter 55 in eine Voruntersuchung einbezogenen Einzelindikatoren wurden 14 Indikatoren ausgewählt, die den größten Einfluss auf die Entwicklung einer Region aufweisen.

Die ausgewählten und in der Untersuchung gemessenen Indikatoren wurden den Überschriften "Wirtschaftsstruktur", "Arbeitsmarkt" und "Lebensqualität" zugeordnet. Mit einer Gewichtung von knapp 50 Prozent wurde die Faktorengruppe Lebensqualität in den Untersuchungsergebnissen bewertet. Unter anderem gehören dazu das Vorkommen naturnaher Flächen, die Wanderungssalden, die Quote der Straftaten und der Baugenehmigungen.

Dass der Landkreis Tirschenreuth im Ranking so weit vorne liegt, verdankt er hauptsächlich der Tatsache, dass die meisten Messwerte im oberen positiven Bereich liegen, ohne Extremwerte nach oben oder unten. Entscheidend ist aber vor allem, dass Tirschenreuth in der Obergruppe "Wirtschaftsstruktur" im Dynamikranking aller 401 Gebietskörperschaften auf Platz 10 liegt. Handlungsbedarf sehen die Wissenschaftler allerdings bei den sogenannten wissensintensiven Dienstleistungen (Platz 315 im bundesweiten Dynamikvergleich und Platz 324 im Niveauranking). Dadurch wird auch in der Obergruppe "Arbeitsmarkt" im Anteil hochqualifizierter Beschäftigter nur Platz 317 erreicht.

Ansatzpunkte für die Regionalpolitik können in der Obergruppe "Lebensqualität" vor allem beim Wanderungssaldo der 25 bis 30-Jährigen (Platz 249 im Dynamikvergleich und Platz 252 im Niveau-Ranking) abgelesen werden. Insgesamt schneidet Tirschenreuth in der Untersuchung mit Abstand deutlich besser als seine meisten Nachbarn ab (siehe Grafik). Nur Neustadt/WN, hat ein um Nuancen noch besseres Gesamtergebnis.

Ländlicher Raum wichtig

Festzustellen ist, dass alle Regionen der mittleren und nördlichen Oberpfalz im Niveau-Ranking bundesweit in der vorderen Hälfte aller Regionen zugeordnet sind. Dies gilt mit Ausnahme der Stadt Weiden (Platz 346) auch für die Entwicklungsdynamik. Die Wissenschaftler fassen zusammen: "Ländliche Regionen nehmen in Deutschland historisch eine wichtige Rolle für die Sicherung von Wohlstand und Wachstum ein. Etliche Hidden Champions des Verarbeitenden Gewerbes sind dort beheimatet, die mit ihrer Innovationskraft und Produktionsexzellenz das Geschäftsmodell Deutschland ausmachen."

Auch Experten äußern sich sehr positiv über die Untersuchung. Zum Beispiel Professor Wolfgang Weber von der OTH Amberg-Weiden, der sich seit Jahrzehnten mit Regionalentwicklung befasst. Er sieht bestätigt, dass "regionaler Erfolg individuell gestaltbar ist" und dass "Entwicklungsdynamik zur Hälfte von Faktoren der Lebensqualität bestimmt wird". Somit sei es gelungen, "auch durch Strategiekonzepte und Innovationsnetzwerke, gemeinsam und selbstbewusst optimale Rahmenbedingungen und Standortfaktoren für diese Erfolgsgeschichte zu schaffen".

Für Anton Braun, Präsident des Wirtschaftsclubs Nordoberpfalz, zeigt die Studie, "dass Nordoberpfälzer Unternehmen sehr flexibel sind und auf strukturelle Veränderungen rasch reagiert haben". Die jeweiligen regionalen Einzelergebnisse für alle Untersuchungsindikatoren können vom Institut IW bezogen werden. Für den Pressebericht durfte Oberpfalz-Medien Einblick nehmen. Angemerkt

Zusammenfassung der Studie für Teile der Oberpfalz:

Neustadt an der Waldnaab
Hintergrund:

Spitzenplätze unter den ländlichen Regionen

Die fünf stärksten Landkreise unter 146 ländlichen Regionen und ihre Ranking-Werte in der IW-Studie: 1. Teltow-Fläming (Brandenburg), 2. Neustadt/WN, 3. Tirschenreuth, 4. Steinburg (Schleswig-Holstein), 5. Dahme-Spreewald (Brandenburg).

Kommentar:

Strukturschwach? Von wegen!

Was die meisten Menschen in der nördlichen Oberpfalz schon seit Längerem fühlen, wird jetzt endlich wissenschaftlich vom Institut der Deutschen Wirtschaft bestätigt. Die Zeiten des strukturschwachen Grenzraums sind nun wirklich vorbei. Lebensqualität und Heimatverbundenheit der Bevölkerung wurden Schritt für Schritt auch durch Vollbeschäftigung und wirtschaftlichem Wohlstand ergänzt.
Hervorzuheben ist, dass die Kölner Wissenschaftler, anders als viele ihrer Kollegen, einmal nicht entscheidend auf Pro-Kopf-Einkommen und Pro-Kopf-Wirtschaftskraft setzen, sondern Faktoren wie zum Beispiel Naturnähe, Baugenehmigungen, Wanderungsbewegungen und Straftatenquote hohes Gewicht beimessen.
Die vorliegende Studie sollte jedoch nicht nur als Erfolgsbeweis gesehen werden, sondern auch dazu dienen, weitere Ansatzpunkte für die Regionalpolitik zu erkennen. Schließlich haben sich die Wissenschaftler sehr vertieft mit zahlreichen Entwicklungsfaktoren befasst und für jeden einzelnen Bereich auch ein bundesweites Ranking ausgewiesen. Es sollte sich lohnen, vom Institut sich die Detailergebnisse zu besorgen.

Siegfried Bühner

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