20.11.2020 - 19:53 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landkreis Tirschenreuth: Kreisräte und Aufsichtsräte in Quarantäne

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Die Sitzungen des Kreisausschusses und des Kewog-Aufsichtsrats am Montag in Tirschenreuth hatten ein Nachspiel: Wegen eines Coronafalls mussten 28 Teilnehmer in Quarantäne. Freitagabend gab es Entwarnung.

Im sehr geräumigen großen Sitzungssaal des Landratsamt waren die Sitzung des Kreisausschusses und des Kewog-Aufsichtsrats.
von Martin Maier Kontakt Profil

Von Martin Maier und Holger Stiegler

Jeder Coronafall muss einzeln betrachtet werden. Ein gutes Beispiel dafür ist Ely Eibisch. Der ehemalige Landratskandidat der Freien Wähler erhielt am Dienstagvormittag einen positiven Coronatest. Eibisch hatte und hat keinerlei Covid-19-Symptome. Er hatte am Montag nur vorsorgehalber einen Corona-Test machen lassen. Danach nahm der Kaibitzer an zwei Sitzungen im Landratsamt teil: Kreisausschuss und Kewog-Aufsichtsrat. Das positive Testergebnis am Dienstag sei sehr überraschend gewesen. Trotzdem setzten natürlich die üblichen Abläufe beim Gesundheitsamt ein. Der Betroffene musste in Quarantäne und die Kontaktnachverfolgung startete. Eibisch betont: „Die Behörde hat vorbildlich und wohlüberlegt gehandelt.“

Anruf im Bauausschuss

Eine Herausforderung war, dass der CT-Wert des Positivbefunds von Eibisch bei knapp über 30 lag. Laut Robert-Koch-Institut ist ein Wert über 30 ein Hinweis auf eine niedrige Viruskonzentration. Und dementsprechend geringer ist auch die Ansteckungsgefahr. Daher veranlasste das Gesundheitsamt bei dem Kaibitzer einen zweiten Abstrich, den er gleich am Dienstag von seinem Hausarzt machen ließ. Da das Ergebnis aber auch nach zwei Tagen noch nicht vorlag, kam es zu ungewöhnlichen Maßnahmen, die sich jedoch im Nachhinein erklären.

Denn ziemlich abrupt endete am Donnerstagnachmittag die Sitzung des Kemnather Bauausschusses: Während der Besichtigung eines neuen Baugebiets ereilte Bürgermeister Roman Schäffler und Altbürgermeister Werner Nickl die Nachricht, dass sie sich sofort in häusliche Quarantäne zu begeben haben. Das hat der Kemnather Bürgermeister natürlich auch getan, obwohl er keinerlei Symptome verspürte. „Ich war schon sehr überrascht“, sagte Schäffler am Freitagvormittag auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien.

Nachfrage beim Gesundheitsamt

Dass er sich am Montag bei der Sitzung des Kewog-Aufsichtsrates mit einem Positivgetesteten in einem Raum befunden hatte, habe er am Dienstagvormittag erfahren. „Das war aber auch dem Gesundheitsamt bekannt und offensichtlich gab es keinen Handlungsbedarf“, so Schäffler. Was das Umdenken dann ausgelöst habe, könne er nicht sagen. Noch am Freitagvormittag hatte Schäffler einen Termin an der Teststrecke in Tirschenreuth. Ähnlich erging es dem Kemnather Altbürgermeister Werner Nickl: Auch er erfuhr während der Sitzung des Bauausschusses von der neu eingetretenen Situation. „Da habe ich das erste Mal davon gehört, dass ich Kontaktperson bin“, so der ebenfalls symptomfreie Nickl am Freitagvormittag. Da hatte er sich dem Coronatest in der Teststrecke Tirschenreuth bereits unterzogen.

Das Verhalten unseres Gesundheitsamtes war meines Erachtens vorbildlich.

Ely Eibisch

Ely Eibisch

Oberpfalz-Medien hat wegen dieses Falls am Freitagvormittag noch einmal beim Gesundheitsamt nachgefragt. Dieses erläuterte das Vorgehen ausführlich. Natürlich ohne den Namen von Ely Eibisch zu nennen. Dabei ging die Behörde auch auf die Einstufung der Sitzungsteilnehmer als Kontaktpersonen der Kategorie 1 – woraus die Anordnung einer häuslichen Quarantäne resultiert – ein. Denn dies sei „nicht eindeutig möglich“ gewesen. Die Einstufung basiere auf mehreren Faktoren, welche gemäß der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) das Ansteckungsrisiko beeinflussen:

  • Zum einen hatte Eibisch keine Symptome. „Asymptomatische Infizierte spielen gemäß der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts nach derzeitigem Kenntnisstand eine untergeordnete Rolle bei der Übertragung von Sars-CoV-2“, schreibt das Gesundheitsamt.
  • Zum anderen war der CT-Wert von Eibisch bei knapp über 30. Was zur Veranlassung eines zweiten Tests führte. Denn bei einem dann gleichen oder höheren Wert „sei es sehr wahrscheinlich, dass sich nur noch sehr geringe Virusmengen im Körper finden“. Dann wäre eine bedenkenlose Einstufung aller Sitzungsteilnehmer als Kontaktpersonen der Kategorie 2 gerechtfertigt gewesen.
  • Bei den Sitzungen im Landratsamt seien zudem entsprechende Vorgaben eingehalten worden: Hygienekonzept, Einhaltung der Abstände, regelmäßiges Lüften, Mund-Nase-Schutz auf Verkehrswegen und keine Teilnehmer mit entsprechenden Symptomen.

Wegen der mittleren Inkubationszeit von fünf bis sieben Tagen habe das Gesundheitsamt auf das Ergebnis des zweiten Tests warten wollen, bevor es weitere Sitzungsteilnehmer in Quarantäne schickt. „Eine ungerechtfertigte Verhängung einer Quarantäne sollte ebenfalls vermieden werden, weshalb gerade bei nicht eindeutiger Einstufung als Kontaktperson der Kategorie 1 eine genaue Prüfung des Sachverhalts nötig ist“, schreibt die Behörde. Allerdings lag das Testergebnis am Donnerstag gegen 14 Uhr immer noch nicht vor, auch eine Nachfrage beim Labor verlief negativ.

Lob für Behörde

Die entsprechenden 28 Kontaktpersonen seien daher am Donnerstagnachmittag benachrichtigt und vorläufig bis Montag, 23. November, in Quarantäne geschickt worden. Zudem müsse sich jeder testen lassen. Schließlich sei wegen „der Länge der Sitzungen mit entsprechendem Aerosol-Ausstoß und dem ausstehenden zweiten Laborbefund eine Übertragung nicht auszuschließen.“ Diese Verfahrensweise erfolge auch in allen anderen vergleichbaren Fällen, so das Gesundheitsamt. Für Quarantäne-Anordnungen bei beispielsweise in Schulen und Kindergärten würden die Vorgaben der zuständigen Ministerien gelten.

Am Freitagabend kam dann aber die Entwarnung. Der zweite Test von Ely Eibisch war negativ. Für den Kaibitzer steht somit fest: „Das Verhalten unseres Gesundheitsamtes war meines Erachtens vorbildlich. Mein negativer zweiter Coronatest vom Dienstag beweist das sehr wohlüberlegte und vorsorgliche Vorgehen der Behörde“, lobt er das Vorgehen in höchsten Tönen.

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