Auf 11,2 Millionen Euro lautete die Ausfallbürgschaft, die der Landkreis im Jahr 2000 für die kommunale Entwicklungs- und Wohnungsbaugesellschaft (Kewog) übernommen hatte. Nun ist diese Absicherung nicht mehr nötig, das Geld wurde nie in Anspruch genommen. "Wir sind sehr dankbar, dass uns der Landkreis in dieser Situation unterstützt hat", sagte Kewog-Geschäftsführer Bernd Büsching bei der Rückgabe der Bürgschaft. Bei einer Aufsichtsratssitzung kam es zu diesem formellen Akt.
"Die Kewog war im Jahr 2000 in einer sehr schwierigen Situation und wirtschaftlich nicht in der Lage, die Sanierung von 304 Wohnung im Landkreis in den Kernstädten durchzuführen", heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens. "Die Wohnungen befanden sich in einem desolaten Zustand. Deshalb mussten 14,85 Millionen Euro investiert werden."
Büsching stolz auf Tilgung
Bernd Büsching, der damalige kaufmännische Leiter und jetzige Kewog-Geschäftsführer, entwickelte nach Angaben der Unternehmensgruppe mit der deutschen Immobilen-Leasing ein "Sale-Lease-Back-Verfahren" über eine Laufzeit von 20 Jahren. Das ging jedoch nicht ohne die Bürgschaft des Landkreises. Nun sei Ende 2020 der Leasingfonds ausgelaufen, teilt das Unternehmen mit. Die Kewog habe dies durch eine entsprechend hohe Tilgung und ihre wirtschaftliche Stabilität ohne Probleme selbst finanziert und könne die Bürgschaft zurückgeben. "Dies macht uns auch sehr stolz", so Büsching.
1949 war die gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft in Tirschenreuth mit Beteiligung der Gemeinden unter dem Namen Gewog gegründet worden. Der soziale Wohnungsbau rückte im Lauf der Jahre in den Hintergrund. Überregionale Städtebau-Projekte und neue Geschäftsfelder im Bereich Energie kamen hinzu. Heute hat die Kewog eine gemischtwirtschaftliche Struktur. Der Landkreis hält 31 Prozent der Anteile, neun Gemeinden sind mit 23,5 Prozent dabei und eine Mitarbeiter-Beteiligungs-GmbH mit 34,35 Prozent. Mietwohnungen bietet die Kewog unter anderem in Mitterteich, Tirschenreuth, Waldsassen und Waldershof an.
Wirtschaftlich schwierige Jahre
Bei der Rückgabe der Bürgschaft blickte Büsching auf die wirtschaftlich schwierigen Jahre zurück. "Es gab viele Diskussionen mit den einzelnen Fraktionen und politischen Gremien. Das waren sehr interessante, aber auch anstrengende Gespräche." Landrat Roland Grillmeier habe damals als Bürgermeister von Mitterteich an die Kewog geglaubt, dankte der Geschäftsführer.
Alle Beteiligten könnten auf ein erfolgreiches Projekt zurückblicken, sagte Grillmeier: "Letztendlich kam dies den Mietern zugute. Zukünftig sollte die Kewog keinerlei Bürgschaften mehr in Anspruch nehmen müssen." Die positive Entwicklung im Landkreis erfordere auch in Zukunft Mietwohnungen. Trotz privater Investoren bleibe es Aufgabe der öffentlichen Hand, sozialen Wohnraum zu schaffen. In Kürze starte eine Bedarfsstudie: "Die Kewog ist hier ein wichtiger Partner der Kommunen."
Bürgschaften des Landkreises Tirschenreuth
- Der Landkreis kann für kommunale Aufgaben Kredite für Dritte durch Bürgschaften absichern. So geschehen für Krankenhauswesen und sozialen Wohnungsbau.
- 2010 monierte die Regierung der Oberpfalz das sehr hohe Bürgschaftsvolumen von rund 75 Millionen Euro. Der Großteil war für die Absicherung der Kliniken AG nötig, zweistellig war die Kewog dabei.
- 2019 genehmigte die Regierung die Bürgschaften für die Kliniken nicht mehr.
- Stattdessen sprangen die kommunalen Träger mit Darlehen ein, allein der Kreis Tirschenreuth mit 23,75 Millionen Euro.
- 2021 hielt der Landkreis noch Bürgschaften für 12,2 Millionen Euro, größtenteils wegen Baumaßnahmen der Kliniken AG.
"Die Kewog war im Jahr 2000 in einer sehr schwierigen Situation und wirtschaftlich nicht in der Lage, die Sanierung von 304 Wohnung im Landkreis in den Kernstädten durchzuführen."
















Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.
Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.