Auch die Bürger im Landkreis bleiben nicht vor Enkeltrick-Anrufer und Callcenter-Betrüger verschont. Allein im Bereich der Polizeiinspektion (PI) Kemnath wurden in den vergangenen zwei Jahren 40 solcher Fälle angezeigt. Im Bereich der PI Tirschenreuth und der PI Waldsassen gab es in dieser Zeit Fälle jeweils im niedrigen zweistelligen Bereich. „Die Tendenz ist steigend“, weiß Florian Beck, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.
Mit diesen Betrügereien werden relativ hohe Beutesummen erzielt. Im Gebiet der Polizeiinspektion in Kemnath wurde zum Beispiel im September ein 80-Jähriger Opfer einer Betrugsmasche: Ein angeblicher Polizeihauptkommissar hatte dem Senior mitgeteilt, dass es in dessen Nachbarschaft zu mehreren Einbrüchen gekommen sei. Dabei seien angeblich auch personenbezogene Daten des Rentners gestohlen worden, sein Geld sei deswegen bei der Bank nicht mehr sicher.
Falscher Polizist holt Bargeld ab
Um dies zu schützen, wurde der 80-Jährige mehrmals aufgefordert, Bargeld von seinem Bankkonto abzuholen. Das Geld nehme dann ein Polizeibeamter mit, um es auf einer Polizeidienststelle sicher zu verwahren. "Bei den Anrufen wurde sogar die Rufnummer 110 auf das Telefon des Geschädigten übertragen", heißt es in einer Pressemitteilung. Einige Tage später übergab das Opfer einen niedrigen fünfstelligen Geldbetrag an einen falschen Polizeibeamten.
"Die Leute haben zu viel Geld zu Hause", weiß Beck. "Sie meinen, auf der Bank sei es nicht mehr sicher und daheim besser aufgehoben." Zu den Callcenter-Betrügen - die im Übrigen wirklich von einem Callcenter aus getätigt werden - erzählt der Pressesprecher, dass mittlerweile auch Bankangestellte diesbezüglich geschult werden.
Und wie sieht es mit der Aufklärungsquote aus? "Die meisten der Taten scheitern schon im Versuchsstadium", sagt Beck. Das zeigt ein Fall, ebenfalls aus dem Bereich der PI Kemnath, von Ende Oktober: Eine angebliche Enkelin meldete sich damals telefonisch bei einer 84-Jährigen. Die junge Frau teilte der Seniorin mit, dass sie 50.000 Euro nach einem Wohnungskauf als Sicherheit bei einem Anwalt hinterlegen müsse. Wenn dann der bereits abgeschlossene Kredit greife, würde sie ihr das Geld zurückzahlen. In diesem Fall erkannte die Seniorin den Betrug, weswegen Schlimmeres verhindert werden konnte.
Täter meist im Ausland
Sollte es den Betrügern aber dennoch gelingen, Senioren ihr Geld abzuluchsen, dann seien die "Ermittlungen sehr aufwendig - die Tätergruppen sitzen meistens im Ausland". Dabei handelt es sich um schweren bandenmäßigen Betrug, es drohen lange Haftstrafen.
"Wir setzen präventiv an, dass solche Betrüge einfach auch nicht passieren." Zum Beispiel durch Aufklärung in der Presse. Folgende Betrügermaschen sind bekannt:
- Bei der Vorgehensweise "Falscher Amtsträger" geben sich die Täter bei einem Anruf als Polizeibeamte oder Bedienstete öffentlicher Stellen aus und gaukeln dem Opfer vor, dass es Einbrecher auf ihr Erspartes abgesehen hätten. Auch auf der Bank sei ihr Geld nicht mehr sicher. Schließlich wird ein Übergabetermin ausgemacht, damit die vermeintlichen Beamten die Wertsachen an einen sicheren Ort bringen können.
- Beim Phänomen "Falsches Gewinnversprechen" versprechen Betrüger angeblich hohe Geldgewinne. Vor der Gewinnübergabe werden die Opfer dazu aufgefordert, eine Gegenleistung zu erbringen, zum Beispiel „Gebühren“ zu bezahlen, kostenpflichtige Telefonnummern anzurufen oder an Veranstaltungen teilzunehmen, bei denen minderwertige Ware zum Kauf angeboten wird.
- Der Anrufer beim sogenannten "Enkel-/Verwandtentrick" gibt an, dass er beispielsweise aufgrund eines Hauskaufes oder wegen einer Corona-Infektion in finanzielle Notlage geraten sei und nun schnellstmöglich Geld benötigen würde.
Vergangenes Jahr hat es laut Beck in der Oberpfalz mehr als 400 Fälle im Zusammenhang mit dem Enkeltrick und falschen Beamten gegeben. Es gebe aber eine hohe Dunkelziffer. "Wenn's die Leute erwischt, dann schämen sie sich." Er appelliert im Falle eines angeblichen Anrufes von der Polizei, aufzulegen und bei der nächsten Dienststelle oder der 110 anzurufen, um sich rückzuversichern.
Trick-Anrufe: Polizei gibt Tipps zum Schutz
- Keine personenbezogenen Daten herausgeben.
- Geben Sie Unbekannten kein Geld oder sonstige Wertgegenstände.
- Veranlassen Sie aufgrund eines Anrufes keinerlei Überweisungen.
- Gespräch beenden und den Notruf wählen (110).
- Lassen Sie keine Fremden in Ihre Wohnung beziehungsweise Ihr Haus.
- Informieren oder ziehen Sie Verwandte oder Nachbarn hinzu.
- Vornamen im Telefonbuch abkürzen lassen: Aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt. So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an ihren Telefonanbieter.
- Auch Bankmitarbeiter sollten besonders aufmerksam hinsichtlich ungewöhnlich hoher Bargeldauszahlungen sein.
- Angehörige, Sozialverbände, Religionsgemeinschaften und auch sonst in Kontakt mit älteren Menschen stehende Einrichtungen und Institutionen werden gebeten, insbesondere alleinstehende, ältere Verwandte auf die Masche der Betrüger hinzuweisen.
Weitere Hinweise zur polizeilichen Kriminalprävention gibt es im Internet















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