Betrüger bringen Weidener Ehepaar um fünf Kilogramm Gold

Ein Ehepaar aus Weiden ist auf einen Telefon-Betrug hereingefallen. Die beiden hatten einen vermeintlichen Anruf ihrer Nichte erhalten und wollten ihr finanziell helfen. Nun fehlen ihnen mehr als 260.000 Euro.

Symbolbild
von Florian Bindl Kontakt Profil

Ganze fünf Kilogramm Gold fehlen einem älteren Ehepaar aus Weiden seit letztem Freitag. Betrüger ergaunerten das Gold im Wert eines Einfamilienhauses – per Enkeltrick. Das war geschehen: Sie erhielten einen Anruf ihrer angeblichen Nichte, die eine Sicherheit für einen Wohnungskauf benötige. Da sie nicht selber kommen könne, würde ein „Notarangestellter“ zur Abholung geschickt. Die Eheleute begaben sich zur Bank, wo sie das Gold aus ihrem Schließfach holten.

Am Nachmittag kam ein unbekannter Mann, etwa 1,70 Meter groß und circa 35 Jahre alt, schlank, mit Baseballmütze und Mundschutz und holte das Gold im Wert von mehr als 260.000 Euro vor der Haustüre des Ehepaars ab. Erst nach einem Telefonat mit der richtigen Nichte fiel den beiden der Betrug auf. Sie erstatteten sofort Anzeige. Die Ermittlungen führt jetzt die Kriminalpolizeiinspektion Weiden.

2019 mehr als 400 Fälle in der Oberpfalz

Die Vorgehensweise in diesem Fall ist typisch für den sogenannten Enkeltrick, erklärt die Polizei. Er ist Teil der sogenannten Callcenter-Betrugsmaschen, bei denen die Täter oftmals aus dem Ausland hierzulande anrufen und Menschen mit verschiedenen Geschichten konfrontieren. Mal geben sie sich als Enkel oder Verwandte aus, die dringend Geld für einen Notlage oder einen Kauf benötigen würden, mal geben sie sich als Polizeibeamte aus, die vor einem bevorstehenden Einbruch warnen und „zur Sicherheit“ Wertgegenstände in Verwahrung nehmen müssten. Die Vorgehensweisen sind dabei sehr vielfältig. Allein diese beiden Maschen wendeten Betrüger im Jahr 2019 mehr als 400 Mal in der Oberpfalz an.

Regelmäßig werden die Opfer psychisch unter Druck gesetzt, etwa mit Zeitdruck oder einer vorgetäuschten Notlage, und zur Geheimhaltung genötigt. Am Ende kommt ein Abholer, erzählt eine erfundene Geschichte und nimmt die Wertgegenstände der Opfer entgegen. Zwar scheitern diese Betrugsversuche häufig beim ersten Anruf, jedoch kommt es immer wieder zu erfolgreichen Fällen, bei denen die gesamten Ersparnisse der Betrugsopfer abhandenkommen, stellt die Polizei fest.

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Tipps:

Das rät die Polizei

Um sich gegen diese Form von Betrug zu schützen, gibt die Polizei einige Hinweise, gerade für Senioren oder deren Angehörige.

  • Geben Sie keine Informationen zu Ihren wirtschaftlichen Verhältnissen oder Ihren persönlichen Daten heraus.
  • Wenn Sie einen solchen Anruf erhalten haben, beenden Sie zuerst das Gespräch. Setzen Sie sich dann bitte umgehend mit der Polizei (Notruf: 110) oder mit einer Person Ihres Vertrauens in Verbindung.
  • Seien Sie besonders vorsichtig, wenn Zeitdruck erzeugt wird oder Geheimhaltung gefordert wird. Wählen Sie nur Ihnen bekannte und selbst recherchierte Telefonnummern.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen wie Schmuck an unbekannte Personen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer am Telefon nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer grundsätzlich dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Sind Sie bereits Opfer eines Enkeltricks geworden, zeigen Sie die Tat unbedingt bei der Polizei an. Dies kann der Polizei helfen, Zusammenhänge zu erkennen, andere Personen entsprechend zu sensibilisieren und die Täter zu überführen.
  • Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt). So können die Täter Sie gar nicht mehr ausfindig machen. Zum Ändern eines Telefonbucheintrags wenden Sie sich an die Telekom.
  • Bewahren Sie Ihre Wertsachen, z.B. höhere Geldbeträge und andere Wertgegenstände nicht zuhause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.
  • Angehörige, Sozialverbände, Religionsgemeinschaften und auch sonst in Kontakt mit älteren Menschen stehende Einrichtungen und Institutionen werden gebeten, insbesondere alleinstehende, ältere Verwandte auf die Masche der Betrüger hinzuweisen.
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