16.08.2018 - 14:09 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Landwirte sitzen auf dem Trockenen

So früh wie noch nie ist die Getreide- und Rapserntesaison bereits in weiten Teilen des Landkreises Tirschenreuth beendet. Die außergewöhnlich trockene Witterung seit Mai führt zu außergewöhnlichen Situationen.

So früh wie nie haben die Landwirte im Landkreis ihre Getreidefelder abgeerntet.
von Externer BeitragProfil

(exb) Eine Auswertung der Wetterdaten zeigt laut dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Tirschenreuth (AELF), dass im Vergleich zu den drei vorhergehenden Jahren im westlichen Landkreis seit April etwa 40 Prozent weniger an Niederschlag gefallen ist und im östlichen Teil des Landkreises nur etwa die Hälfte. "Außerdem traten die Niederschläge oft nur kleinräumig auf", erklärt Johannes Schrems, Pflanzenbauberater am AELF. So sei es häufiger vorgekommen, dass an einem Ort in kurzer Zeit große Niederschlagsmengen fielen, doch einige hundert Meter entfernt gar kein Niederschlag zu verzeichnen war. Deshalb könnten im Landkreis stellenweise noch gravierendere Trockenheitssituationen auftreten, als die oben genannten Zahlen erkennen lassen.

Zur Getreide- und Rapsernte liegen auch schon Ertragsergebnisse vor. Es zeichne sich für den Landkreis Tirschenreuth ein sehr unterschiedliches Bild ab. Bei allen angebauten Kulturen hätten die Ertragswerte teilweise extrem gestreut. Der Grund sei eindeutig die Wasserversorgung. In Gebieten mit häufigeren Niederschlägen, wie zum Beispiel im Raum Waldsassen, seien meist noch leicht unterdurchschnittliche Erträge erzielt worden. In anderen Gebieten bewegten sich die Ertragsausfälle im Vergleich zu den Vorjahren im Bereich von 20 bis hin zu 70 Prozent. "Diese starke Streuung der Erträge zeigt sich auch quer verteilt über alle angebauten Kulturen, von der Wintergerste bis hin zum Winterraps" so Schrems.

Doch nicht nur die Äcker seien betroffen, besonders auf dem Grünland habe das trockene Wetter deutliche Spuren hinterlassen. Alle Grünlandflächen seien inzwischen deutlich ausgetrocknet und das Wachstum sei fast ganz zum Erliegen gekommen. Bereits seit dem zweiten Schnitt, also seit Mitte Juni, sei kein nennenswerter Zuwachs mehr zu verzeichnen. "Selbst bei einsetzenden und länger andauernden Niederschlägen wird es einige Zeit dauern, bis sich wieder ein normaler Aufwuchs bilden kann", weiß der Pflanzenbauberater. Maßgeblich betroffen von den Ertragsausfällen der Futterbauflächen seien alle viehhaltenden Betriebe, die auf Grundfutter angewiesen sind.

Die Landwirtschaftsverwaltung hat auf die außergewöhnlichen Umständen auch schon reagieren. Sie hat Erleichterungen für die Landwirte bezüglich zu erfüllender Rahmenbedingungen erarbeitet (Infokasten). Allerdings bleibe indes der Erfolg einer Zwischenfruchtansaat fraglich, wenn auch in den kommenden Wochen keine ergiebigen Niederschläge fallen.

Als Alternative könnten die Landwirte vermehrt auf Getreidestroh in der Fütterung setzen, empfiehlt das AELF. Auf vielen Betrieben wurde die Möglichkeit der Strohbergung genutzt, um Futterengpässe abzumildern.

Beim Silomais verhalte es sich ähnlich wie bei den anderen Getreidearten. Die früh gesäten Bestände seien in diesem Jahr augenscheinlich besser entwickelt, weil sie die Frühjahrfeuchte noch gut ausnutzen konnten. Später gesäte Bestände würden vor allem auf trockeneren und sandigeren Standorten schon lange unter dem Wassermangel leiden. "Dieser Wassermangel bedingt eine deutlich schnellere Abreife und eine verringerte Kornausbildung", erklärt Schrems.

Laufende Kontrollen der Maisbestände auf den eigenen Flächen seien für die Landwirte heuer unerlässlich, um den richtigen Zeitpunkt für die Ernte nicht zu verpassen. Erste Messungen hätten ergeben, dass einzelne Sorten und Bestände die optimalen Werte bereits erreicht haben und somit zur Ernte anstehen. Da kein Wetterumschwung in Sicht ist, werde auch die Silomaisernte in den nächsten Tagen beginnen, und somit circa drei Wochen früher als in den Vorjahren. Daher verweist Schrems schon jetzt auf den vermehrten landwirtschaftlichen Ernteverkehr.

Hintergrund:

Die Futternutzung auf brachliegenden Flächen als ökologische Vorrangflächen (ÖVF) sowie sonstigen Brachflächen ist heuer aufgrund der langanhaltenden Trockenheit in ganz Bayern erlaubt. Daneben wird nun auch ausnahmsweise die Futternutzung von Ökologischen Vorrangflächen mit Zwischenfrüchten freigegeben. Darauf verweist das AELF Tirschenreuth.

Das EU- Recht sieht laut Josef Kunz, Sachgebietsleiter Förderung, eine solche Ausnahme vor, wenn in Folge von extremer Witterungssituation im betreffenden Gebiet ein großer Futtermangel herrscht, die Zwischenfrüchte mindestens acht Wochen auf der Fläche bleiben und ein einzelbetrieblicher Antrag vorliegt. In Bayern werde folgendes vereinfachtes Verfahren angewendet: Ganz Bayern wird pauschal als Futtermangelgebiet ausgewiesen und der acht Wochen Zeitraum wird als gegeben erachtet, wenn ein beerntbarer Futteraufwuchs erzielt wird. So muss der betreffende Landwirt nur noch einzelbetrieblich in "i-Balis" (wie bei der Online- Mehrfachantragstellung) online mitteilen, welche ÖVF- Zwischenfrucht beerntet wird. Darüber hinausgehende Auflagen aus dem "KULAP" oder dem Vertragsnaturschutzprogramm sind jedoch zu beachten. Anfang September wird die Online-Beantragung möglich sein.

Eine tatsächliche Futternutzung werde wegen der nötigen Zustimmung des Bundesrates erst Ende September möglich sein. Dieser Hinweis diene dazu, dass zumindest eine entsprechende ÖVF-geeignete Saatgutmischung ausgesät werden kann. Weitere Informationen unter www.aelf-ti.bayern.de oder unter Telefon 09631/7988-111.

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