03.08.2018 - 12:21 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Lautstarke OP am offenen Herzen

Etwa 25 Millionen Euro lässt sich die Kliniken Nordoberpfalz AG eine zeitgemäße Notaufnahme, sowie Endoskopie- und OP-Abteilung kosten. Der Bau geht bei laufendem Betrieb über die Bühne. Fertigstellung ist etwa Mitte 2021.

Eine von drei Technikzentralen. Sie nehmen die Großtechnik für den gesamten Funktionstrakt auf und sorgen nach Abschluss aller Maßnahmen dafür, dass das Haus technisch perfekt läuft.
von Norbert Grüner Kontakt Profil

(tr) Bei der Maßnahme wurde ein Anbau geschaffen, der die bestehende Notaufnahme flächenmäßig in etwa verdoppelt. Darin entstehen auch neue OP-Säle und die Endoskopie-Abteilung. Die bestehende Notaufnahme wird generalsaniert und anschließend mit dem Neubau verschmolzen.

Manfred Tretter, Hauptabteilungsleiter Zentrale Finanzen, erklärte bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien, dass die Maßnahmen mit Geldern aus dem Bayerischen Jahreskrankenhausbauprogramm gefördert werden. Etwa 3 Millionen Euro blieben bei der Kliniken AG hängen. Die meisten beteiligten Firmen seien aus der Region. Aktuell seien alle Gewerke beauftragt. Zeit- und Kostenrahmen stimmten. 7,5 Millionen Euro betrage derzeit der Ausgabenstand. 7,23 Millionen Euro seien an Fördermitteln abgeschöpft. Man befinde sich aktuell in Bauphase Drei - Anbau plus Endoskopiebereich.

Jörg Buestrich von den "plus3-Architekten" aus Regensburg ist der Chef auf der Baustelle. Er sagt, dass bisher alles hervorragend läuft und es kaum Probleme mit Firmen gäbe. In sieben Bauphasen sei die Maßnahme unterteilt. Demnächst beginne Phase Vier, was bedeute, dass dann in den Bestand eingegriffen werde, quasi "die Operation am offenen Herzen" beginne. Betroffen davon seien die OP-Abteilung und die zentrale Notaufnahme.

Hygienisch anspruchsvoll

"Das wird dann schon eine wesentlich höhere Belastung für alle Anwesenden im Haus." Als erstes müsse der bestehende Aufzug abgebrochen werden. "Wir sind zwar stets bestrebt, die Lärmbelästigung zu minimieren, aber einige Arbeiten hört man durchs ganze Gebäude, das lässt sich nicht gänzlich vermeiden." Was die Hygieneanforderungen betreffe funktioniere ebenfalls alles sehr gut. Auch daher sei dies eine sehr anspruchsvolle Baustelle.

Damit das alles funktioniert zeichnet Hygienebeauftragte Sabine Fischer verantwortlich. Sie sagt, wo Staubschutzwände gebaut werden müssen und kümmert sich um das Feintuning bei der Ausführung. Eine Notwendigkeit, die gewaltige Mehrkosten verursache und auch die Bauzeit verlängere, sagt Jörg Buestrich. Es wären, viele Maßnahmen zu erledigen, die stark in den laufenden Betrieb eingreifen. Im Endeffekt entstehe hygienisch und strukturell gesehen ein komplett neuer OP-Bereich.

Das ist der Arbeitsplatz von Dr. Mathias Kalkum, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Visceralchirurgie. Er sagt, dass es schon Einschränkungen in Form von Umwegen und Lärmbelästigungen gäbe. Aber Erfahrung und ein sehr gut eingespieltes Team kompensierten die Unannehmlichkeiten weitestgehend. Und wenn eine wirklich kritische OP anstehe, werde das im Vorfeld kommuniziert und dann ruhten die Bautätigkeiten auch einmal.

"Das klappt alles sehr gut, aber wir sind froh, wenn es vorbei ist, denn im Moment sind wir wirklich von Baustellen umgeben und allein eine Bohrmaschine in einer Betonwand geht schon durch Mark und Bein." Wolfgang Fünfer, leitende Pflegekraft in der Notaufnahme, stellt fest, dass es immer wieder Phasen gäbe, wo der Baulärm unerträglich werde. "Manchmal fangen wir das mit längeren Pausen auf. Aber wirklich spannend wird es erst, wenn der Durchbruch kommt."

"Licht am Ende des Tunnels"

Jörg Buestrich erläutert, es sei ganz normal, dass in Krankenhäusern immer wieder gebaut werde. Jedes Haus müsse ständig an neue Anforderungen anpasst werden. "Für Tirschenreuth ist die aktuelle Maßnahme ein echter Meilenstein - für das Haus ein großer Schritt nach vorne. Danach sollte für die kommenden 20 Jahre alles gut funktionieren." Krankenhausleiterin Claudia Kost schlägt in die gleiche Kerbe und sieht das Haus nach Abschluss der Maßnahmen sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Genauso wie Pflegedienstleiterin Michaela Helm bedankt sie sich auf diesem Weg bei den Mitarbeitern für deren Verständnis.

Die eindeutig besten Karten hat derzeit Dr. Christoph Wittenberg, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie. "Wir sehen langsam Licht am Ende des Tunnels", freut er sich über die gelungene neue Endoskopieabteilung. "Das ist alles hervorragend gelaufen und wirklich erste Sahne geworden."

Auch an der Außenfassade entlang der St. Peter Straße tut sich einiges. Auffallend sind zwei neue Technikzentralen auf dem Dach. Später folgt eine dritte. Gemeinsam versorgen sie dann den gesamten Funktionstrakt mit allem, was nötig ist, um eine reibungslose Funktion zu gewährleisten. Um Energie zu sparen, erhält die gesamte Außenfront einen Vollwärmeschutz. Damit entsteht dann auch eine einheitliche Front.

Die Einfahrt für den Rettungsdienst wird nach hinten in Richtung Kindergarten gesehen, "geschoben". Die neue Notaufnahme bekommt auch einen Schwesternstützpunkt, den es bisher überhaupt nicht gab. Der Anbau soll bis Ende des Jahres fertiggestellt sein.

Blick in einen bereits fertigen Teil der neuen Endoskopie-Abteilung.
Die Verantwortlichen im neuen Schwestern-Stützpunkt von links: Manfred Tretter, Claudia Kost, Jörg Buestrich, Dr. Mathias Kalkum,, Dr. Christoph Wittenberg, Wolfgang Fünfer, Michaela Helm und Sabine Fischer.
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