03.09.2020 - 15:40 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Lehrermangel auch im neuen Schuljahr eine Herausforderung

Das neue Schuljahr rückt von Tag zu Tag näher. Ein großes Problem im Landkreis ist der Lehrermangel an Grundschulen. Schulamtsdirektor Rudolf Kunz erklärt, ob der Bedarf 2020/2021 gedeckt werden kann.

Bald beginnt das Schuljahr 2020/2021. Doch gibt es genügend Lehrer für die Grundschulen im Landkreis Tirschenreuth?
von Lucia Brunner Kontakt Profil

Wegen der Coronapandemie wird der erste Schultag ganz anders sein als gewohnt. Trotzdem will Rudolf Kunz sein letztes Schuljahr vor der Pension ganz normal angehen. Doch der Schulamtsdirektor weiß, dass der Start "von Schule zu Schule unterschiedlich gehandhabt" wird. 565 Kinder sind dieses Jahr Schulanfänger. "Wenn wir die Zahlen der vergangenen fünf Jahre betrachten, sehen wir, dass die Zahl wieder steigt."

"Spartanischer als sonst"

Die meisten Grundschulen im Landkreis haben beschlossen, dass nur ein Elternteil die Kinder mit ins Klassenzimmer begleiten darf. "Es wird spartanischer gemacht als sonst." Nur so könnten die aktuellen Hygienekonzepte eingehalten werden. Auch die Gottesdienste werden zum Schulstart nicht wie gewohnt stattfinden. Da in vielen Kirchen Plätze freigehalten werden müssen, könne nur eine bestimmte Anzahl an Schülern oder Klassen teilnehmen.

Dieses Jahr gibt es 111 Grundschulklassen im Landkreis. Aber können alle Klassen auch ausreichend mit Lehrern abgedeckt werden? "Der Bedarf an Grundschullehrern ist bei uns im Landkreis gewaltig", sagt Schulamtsdirektor Rudolf Kunz. Durch viel organisatorisches Geschick und Solidarität seien jedoch die Schüler für das kommende Schuljahr versorgt. So arbeiten Mittelschullehrer mit Grundschulen zusammen oder Realschul- und Gymnasiallehrer lassen sich in einer zweiten Qualifikationsebene zum Grundschullehrer ausbilden. "Das geschieht in einem zweijährigen Referendariat, in dem auch die pädagogischen Grundsätze vermittelt werden", erklärt Kunz. "Wir sind nicht in Jubelstimmung, aber wir können gepflegt den Unterricht durchführen."

In diesem Bereich arbeitet das Schulamt im Landkreis Tirschenreuth auch mit der Schulabteilung des Bezirk Oberpfalz zusammen. "In der Regel läuft es so, dass das Kultusministerium die Lehrer in die Region schickt und die Schulabteilung dann nach Bedarf die Lehrer aufteilt." Die Zuteilung wird nach der Anzahl der Schüler bestimmt. "Aber es ist natürlich so, dass sowohl eine Klasse mit 25 Kindern wie auch eine mit 12 Kindern einen Lehrer benötigt." An Grundschulen mit wenig Schülern werden aus diesem Grund auch zwei Jahrgangsstufen zu einer Kombiklasse zusammengefügt. "Auf diese Weise wollen wir die Schulen in den kleinen Orten erhalten", erklärt Kunz.

Zahl der Schüler bestimmt Lehrer

Im vergangenen Jahr brachte die Grundschule Mähring die Petition "Jede Klasse braucht einen Lehrer" ins Laufen. Jedoch wurde die geforderte Anzahl von 10.000 Unterschriften nicht erreicht. Bei der Petition ging es auch darum, dass neu ausgebildete Lehrer nicht zwangsläufig überwiegend nach Oberbayern versetzt werden. Laut dem Schulamtsdirektor liegt die Maßnahme ebenfalls daran, dass es dort mehr Kinder gibt. "Die Verheirateten oder Lehrer, die Kinder haben, müssen sowieso nicht weg", weiß Kunz. Betroffen sind vor allem ledige Lehrer. In der Region würden in der Regel nur Stellen frei, wenn jemand in Pension geht. "Wir haben dieses Jahr wieder einige aus Oberbayern zurückbekommen." So seien sechs bis acht Lehrkräfte, die bereits verheiratet sind, wieder an Grundschulen im Landkreis vertreten.

Teamlehrer für Risikopatienten

Doch was ist, wenn durch die Coronakrise ältere oder schwangere Lehrer wegfallen, da sie zur Risikogruppe gehören? "Gerade von den älteren Lehrern brauchen wir ein Attest. Und diese arbeiten dann in der Regel von zu Hause aus weiter." Die Betroffenen bekämen dann einen Teamlehrer zugeteilt, der für ein gewisses Stundenkontingent arbeitet und in Vertretung vor den Klassen steht. "Das sind zum Beispiel Studenten, die bereits das erste Staatsexamen haben." Allerdings werden dem Landkreis nur zwei dieser Ersatzlehrer bereitgestellt, während bislang vier Lehrer vom Homeoffice aus arbeiten müssen.

"Wir glauben, dass hier noch weitere Atteste kommen werden. Die Anzahl der Teamlehrer ist auch wieder abhängig von der Anzahl der Schüler", sagt Kunz. Wenn kein Ersatzlehrer vorhanden ist, müsse das mit einer sogenannten "Mobilen Reserve" ausgeglichen werden. Dabei handelt es sich um Vertretungslehrer für Grundschulen, die wiederum von der Regierung auf die Staatlichen Schulämter verteilt werden.

Die Grundschule Mähring startete eine Petition gegen den Lehrermangel im Landkreis Tirschenreuth

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