26.05.2019 - 13:39 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

„Die Zukunft unserer Kinder ist in Gefahr“

Da hat sich über die Jahre offenbar etwas aufgestaut. Die Grundschule Mähring brachte die Petition „Jede Klasse braucht einen Lehrer“ ins Laufen. Andere Grundschulen aus dem Landkreis ziehen nach.

Die Elternbeiräte aus den Grundschulen Tirschenreuth, Mitterteich und Wiesau unterstützen die Petition der Grundschule Mähring. Bei einem Pressegespräch stellten sie sich hinter die Forderungen, da alle Grundschulen des Landkreises betroffen seien. Mit dabei waren (von links) Nicole König, Barbara Stolz (beide Mitterteich), Martina Würl (Tirschenreuth), Bernhard Rosner (Wiesau) und Michael Kircher (Mitterteich).
von Josef RosnerProfil

Die Elternbeiräte der Grundschulen Tirschenreuth, Mitterteich und Wiesau unterstützen diese Aktion. Martina Würl (Grundschule Tirschenreuth) machte am Freitagmittag deutlich, dass es generell in nahezu allen Grundschulen des Landkreises zu wenig Lehrer gibt. Ihr Dank gilt dem Elternbeirat von Mähring, die mit viel Mut die Petition zum Laufen gebracht hätten.

Würl kritisiert, dass die gut ausgebildeten Lehrer aus der Oberpfalz nahezu alle nach Oberbayern versetzt werden, "weil dies anscheinend der Premium-Regierungsbezirk ist". "Wegen des Lehrermangels kann auf einzelne Kinder, vielleicht auch etwas Schwächere, nicht eingegangen werden. Die bleiben dann auf der Strecke", sind sich die Elternbeiräte einig.

Würl betont, dass die Grundschule Tirschenreuth, an der rund 300 Schüler unterrichtet werden, ein Inklusionsprofil hat. Nur könne dies momentan wegen des Personalmangels nicht in die Praxis umgesetzt werden. Denn in der Kreisstadt würden drei Lehrer fehlen - wegen Schwangerschaft, Mutterschutz oder Krankheit.

Lehrer am Limit

"Diese Stellen werden nicht nachbesetzt", klagt Würl. Weiter fehlen nach ihren Angaben auch Mobile Reserven. "Die gibt es im ganzen Schulamtsbezirk im Bereich der Grundschulen nicht." Sie wisse aus eigener Erfahrung, dass dies keinesfalls an den Schulleitern oder Lehrern liege. "Die arbeiten alle am Limit."

Elternbeirat Bernhard Rosner (Grundschule Wiesau, 160 Schüler) berichtet, dass Lehramtsanwärterinnen zum Teil die Klassenleitung übernehmen müssten. "Zum Dank" dürften sie nach erfolgter Ausbildung nach Oberbayern. Seiner Meinung nach ist diese Praxis der Hauptgrund für den Lehrermangel im Landkreis. "Würden alle ausgebildeten Oberpfälzer Lehrer im Regierungsbezirk bleiben dürfen, gäbe es diese Probleme mit Sicherheit nicht", erklärt Rosner.

Laut Würl habe sich die ganze Situation bereits vor zehn Jahren abgezeichnet. Aber keiner hätte den Mut gehabt, aufzubegehren. Eine Initiative der Elternbeiräte soll nun Abhilfe schaffen, "damit sich da endlich mal was tut".

In der Grundschule Mitterteich werden aktuell rund 250 Kinder unterrichtet. Auch dort gebe es Lehrermangel. Trotz wissentlichem Ausscheiden von Lehrern sei es wochenlang nicht möglich gewesen, eine zeitnahe Nachbesetzung zu gewährleisten. Die anwesenden Pädagogen müssten dies doppelt auffangen und würden so an ihre eigenen Grenzen stoßen. Der Elternbeirat aus Mitterteich, vertreten durch Nicole König und Klassensprechervertreter Barbara Stolz und Michael Kircher, unterstütze daher vorbehaltlos die Petition.

Kritik an Politik

Alle Elternbeiräte sind sich einig: "Die Grundschullehrer haben die größte Verantwortung für unsere Kinder. In der Grundschule werden Grundsteine für das spätere Leben gelegt." Für die engagierten Eltern ist klar, dass dies hausgemachte Probleme seien. Sie fordern daher umgehend Konsequenzen.

Nicole König sagt: "Die Politik lässt die Oberpfalz am ausgestreckten Arm verhungern." Michael Kircher geht noch weiter und fordert für alle Grundschulen mindestens einen Sozialpädagogen, der gemeinsam mit den Rektoren an der Spitze der Schule stehen sollten. "Wir kämpfen für unsere Kinder und deren Zukunft", sagen die Elternbeiräte und wollen daher die Bürger motivieren, die Petition zu unterschreiben.

Hintergrund:

Unterschriftenaktion verlängert

Die Petition "Jede Klasse braucht eine Lehrer" wurde bis zum 9. August verlängert. Darin heißt es, dass die Verteilung der Lehrer in andere Regierungsbezirke ungerecht ist. Benachteiligt sei vor allem der ländliche Raum, da die Verteilung der Lehrer nach Schülerzahlen und nicht nach Klassen erfolgt. Weiter werden mobile Reserven für die Oberpfalz gefordert. Zudem werden die Listen in den kommenden Tagen in den Kindergärten und den Einzelhandelsgeschäften vor Ort ausliegen.

Der Elternbeirat aus Mähring hat die Petition gestartet.

Großkonreuth bei Mähring

Link zur Petition:

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.