23.08.2019 - 17:06 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Letzte Chance für junge Mutter

Ein letztes Mal Bewährung wegen besonderer Umstände bekam eine 28-jährige Landkreisbewohnerin. Sie muss sich wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln und Drogenbesitzes vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten.

Symbolbild.
von Lena Schulze Kontakt Profil

(szl) Vier Jahre Bewährung wegen besonderer Umstände bekam eine 28-Jährige aus dem westlichen Landkreis. Sie muss sich wegen unerlaubter Einfuhr von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge und Drogenbesitzes vor dem Amtsgericht Tirschenreuth verantworten.

Die Verhandlung vor dem Schöffengericht am Donnerstagvormittag wurde gleich zu Beginn, nach der Verlesung der Anklageschrift, für eine Stunde unterbrochen. Dominic Kriegel, Verteidiger der angeklagten Bürohilfskraft, bat um ein Rechtsgespräch. Um 11.08 Uhr setzt Amtsgerichtsdirektor Thomas Weiß nach der Erörterung der Rechtslage mit Staatsanwältin, Verteidiger und Angeklagter den Prozess fort. "Zu einer Einigung kam es nicht", sagt Weiß.

12 Gramm Meth

Vorgeworfen wird der Mutter aus dem Westen des Landkreises, im Dezember zwölf Gramm Methamphetamin in einem Zug aus Tschechien, vermutlich über den ehemaligen Grenzübergang Schirnding, nach Deutschland gebracht zu haben. Das Rauschgift versteckte sie in ihrer vaginalen Körperöffnung. Mindestens drei Gramm "Meth" sollen für den Weiterverkauf bestimmt gewesen sein. Bei einer Wohnungsdurchsuchung am 19. Dezember 2018 fanden Beamte der Kriminalpolizei Weiden in der Küche der Angeklagten hinter einer Holzabdeckung oberhalb der Spülmaschine von den eingeführten Drogen noch 4,03 Gramm.

Rechtsanwalt Kriegel erklärt, dass die 28-Jährige die Tat vollumfänglich einräumt, mit Ausnahme des Vorwurfs des unerlaubten Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Wegen massiver Drogenprobleme soll das Rauschgift für den Eigenkonsum bestimmt gewesen sein. In dieser Hinsicht wurde das Verfahren gegen die Frau eingestellt. Auf die vier Zeugen wurde deshalb verzichtet.

Seit ihrem 14. Lebensjahr nimmt die Landkreisbewohnerin Drogen - erst Marihuana, seit sie 16 Jahre ist auch Crystal. Die Hauptschule verließ sie ohne Abschluss nach der siebten Klasse nach zehn Schuljahren. Auf Bewerbungen nach einem Berufsgrundbildungsjahr und verschiedenen Praktika folgten nur Absagen. Dazu geriet 28-Jährige in den falschen Freundeskreis.

"Absprung schaffen"

Sechs Einträge verliest Richter Weiß: Erschleichung von Leistungen, vorsätzliche unerlaubte Einfuhr von Drogen, Diebstahl, unerlaubtes Handeltreiben mit Betäubungsmitteln, versuchte Nötigung mit Drohung. Eine Bewährungsstrafe hat die Frau schon hinter sich. Seit einigen Monaten ist sie nun als Bürohilfskraft angestellt. Die Mutter lebt seit Anfang des Jahres drogenfrei, hauptsächlich wegen ihres Kindes. "Irgendwann muss man den Absprung schaffen", sagt die mehrmals Vorbestrafte.

Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung. Zwar hätte die Angeklagte die Tat zum Großteil eingeräumt, jedoch sei sie mehrmals einschlägig vorbestraft. "Die Einstufung als minderschwerer Fall ist eine extreme Ausnahme!"

Der Verteidiger plädierte auf eine Bewährungsstrafe. Die 28-Jährige lebe nun drogenfrei, zahle ihre Schulden zurück, habe ihren Freundeskreis gewechselt, eine Arbeit gefunden, ordne ihr Leben neu. "Mit einer Freiheitsstrafe wären alle Bemühungen für die Katz'", sagt Kriegel. Mit einem Bewährungshelfer und einer ambulanten Therapie als Bewährungsauflagen sei die Bürohilfskraft einverstanden. Mit den Kosten des Verfahrens komme eh eine neue finanzielle Belastung auf die Landkreisbewohnerin zu. "Ich habe mir feste Ziele gesetzt, die werde ich einhalten", versicherte die Angeklagte.

Am Ende spricht sich Richter Thomas Weiß für vier Jahre Bewährungsstrafe aus. Auflage sind ein Bewährungshelfer, eine ambulante Suchttherapie und kein weiterer Drogenkonsum. "Sie sind glaubhaft auf einem guten Weg", erklärte Weiß. Er sprach von besonderen Umständen, so dass die Strafe "gerade nochmal" zur Bewährung ausgesetzt werden könne. "Das ist ihre letzte Chance."

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