28.05.2019 - 15:04 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

"Wir lieben unsere Tiere"

"Mange frei", heißt es bald in Tirschenreuth. Seit Montag baut "Circus Afrika" am Festplatz seine Zelte auf. Zirkusdirektor Hardy Weisheit hat noch die Proteste von Tierschützern in Marktredwitz im Kopf und wehrt sich gegen Vorwürfe.

Elefanten in Tirschenreuth: Das gibt es nicht alle Tage. Bis Sonntag gastiert „Circus Afrika“ am Festplatz in der Franz-Heldmann-Straße. In ihrem Gehege üben die Dickhäuter mit Zirkusdirektor Hardy Weisheit schon mal mit einem Fußball.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Nach über 30 Jahren gastiert die Familie Weisheit mit ihrem „Circus Afrika“ wieder im Landkreis. „Als ich 17 Jahre alt war, habe ich hier sogar meinen Führerschein gemacht“, erinnert sich Direktor Hardy Weisheit. Damals reiste seine Familie unter dem Namen „Zirkus Berlin“ umher. Seit Montag baut seine 40-köpfige Truppe auf dem Festplatz in der Franz-Heldmann-Straße seine Manege auf. „Ich habe gute Erinnerungen an die Region, aber diese werden überschattet von den Ereignissen am Wochenende.“

Während „Circus Afrika“ Halt in Marktredwitz machte, hagelte es Kritik von Tierschützern. Über 50 Tiere hat der Zirkus auf seiner Tournee dabei. Darunter: Pferde, Ponys, Kamele, Dromedare, Ziegen, Alpakas und ein Zebrid (Hybrid aus Zebra und Pony). Für Zündstoff sorgten aber vor allem die drei Elefantendamen Gandhi, Moya und Tonga. „Das war ein Fiasko“, sagt Weisheit. Rund 40 Demonstranten demonstrierten vor seinem Zelt und forderten mit Sprechchören „Kein Applaus für Tierquälerei“ oder „Freiheit ist artgerecht“.

Auf dem Festplatz in Tirschenreuth hat "Circus Afrika" seine Zelte aufgeschlagen. Die erste Vorstellung gibt es am Vatertag. Für alle Väter gibt es freien Eintritt.

„Das sind wir gar nicht gewohnt“, erklärt Weisheit. „Nichts wird so stark kontrolliert wie der Zirkus. Jede Woche kommt das Veterinäramt zu uns und macht einen Rundum-Check.“ Für Zirkusbetreiber gibt es Leitlinien zur Tierhaltung und zahlreiche Auflagen. „Wenn wir diese nicht einhalten, wird uns die Genehmigung entzogen. Drei Verstöße reichen dazu aus.“ Weisheit ärgert sich auch über die Stadtverwaltung, die den Platz für die Demonstration zur Verfügung gestellt habe: „Wir haben das Gelände für viel Geld gemietet.“

Lesen Sie hier den Artikel "Elefanten spazieren durch Tirschenreuth"

Tirschenreuth

Schon längere Zeit liegt Weisheit im Clinch mit der Tierschutzorganisation Peta. Laut einer Pressemitteilung will sie, dass dem Zirkusdirektor die Erlaubnis zur Tierhaltung entzogen wird. Unter anderem wirft sie Weisheit unzulässiges Anketten der Elefanten während des Tages sowie mangelnde Beschäftigungsmöglichkeiten vor. Mehrere Videoaufnahmen würden das sogenannte „Weben“ der Elefanten zeigen. Dabei handelt es sich um eine Verhaltensstörung, wobei die Tiere ihren Kopf rhythmisch bewegen. Das sei ein Zeichen für „starkes seelisches Leiden“.

„Das ist gemein, dass uns das nachgesagt wird. Wir lieben unsere Tiere“, wehrt sich Weisheit gegen die Kritik. Sobald die Schausteller an einem neuen Platz ankommen, würden die Tiere gleich versorgt. „Der Gesetzgeber traut uns doch zu, dass wir mit unseren Tieren umgehen können. Wenn es so weiter geht, wird es bald keine Zirkusse mehr geben.“

Tierschutz in Zirkussen:

Das Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung ist für die Umsetzung von tierschutzgerechter Haltung verantwortlich. „Tierschutz im Zirkus ist auch wegen der häufigen Ortswechsel und Transporte eine besondere Herausforderung“, heißt es auf der Webseite. Ein Verbot der Wildtierhaltung in Zirkussen sei ein Eingriff in die Grundrechte der Berufs- und Eigentumsfreiheit, die im Grundgesetz verankert sind. Das Veterinäramt Tirschenreuth wird „Circus Afrika“ in den kommenden Tagen für eine Kontrolle besuchen. „Es wird schon lange diskutiert, ob Wildtierhaltung sein darf. Wir können aber keinem einfach die Erlaubnis entziehen“, weiß Amtsleiter Dr. Klemens Dötsch. Das sei eine politische Entscheidung. „Wir achten darauf, ob die Tierhaltung nach den Gegebenheiten vor Ort artgerecht ist und ob die entsprechenden Auflagen eingehalten werden.“ Bei der Kontrolle hält sich das Veterinäramt an die Anforderungen des Säugetiergutachtens sowie an die Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren in Zirkusbetrieben. Darin wird gefordert, dass Tiere in den Betrieben regelmäßig beschäftigt werden und unter Zirkusbedingungen artgerecht untergebracht und transportiert werden.

Lesen Sie hier den Artikel "Demo vor dem Zirkuszelt" auf infranken.de

Mehr Informationen zum Tierschutz auf der Website des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft

Leitlinien für die Haltung von Zirkustieren

Das Säugetiergutachten 2014: Mindestanforderung zur Haltung von Säugetieren

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