04.08.2019 - 14:13 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mäusebussard in Tiefkühltruhe

Der Mäusebussard ist der Greifvogel, der in Mitteleuropa am häufigsten vorkommt. Dass er auch Opfer von Windrädern wird, ist nicht verwunderlich. Näher überprüft wird ein Fund bei Ellenfeld jedoch nicht.

Der tote Mäusebussard wurde nach Angaben der Finderin direkt unter dem südlichsten Ellenfelder Windrad entdeckt.
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Der in direkter Nähe zum südlichsten Masten der Windkraftanlage entdeckte Vogel ist eher eine Seltenheit. "In den Morgen- und Abendstunden verunglückte Vögel und Fledermäuse werden vom Fuchs und anderen Fleischfressern sofort verzehrt", sagt Karl Berr. Der Vogelschützer wurde informiert, nachdem eine Frau aus Tirschenreuth bei den Ellenfelder Windrädern vor wenigen Tagen einen toten, äußerlich kaum verletzten Vogel entdeckt hatte. Berr identifizierte das Tier als Mäusebussard und lieferte ihn bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt ab.

Seitdem ruht der Greifvogel in der Tiefkühltruhe. Doch eine weitere Untersuchung, ob das Tier durch die Windkraftanlage zu Tode kam, wird es nicht geben: "So bedauerlich es ist, dass dieser Mäusebussard anscheinend ein Schlagopfer geworden ist, ist dies jedoch dem Risikobereich zuzurechnen, der im Naturraum immer gegeben ist", teilt Pressesprecher Walter Brucker mit. Nach Überprüfung der Rechtslage werde es kein weiteres Vorgehen in Bezug auf den abgegebenen Mäusebussard durch die Untere Naturschutzbehörde geben.

Beim Mäusebussard handle es sich um eine streng geschützte Art und damit auch eine besonders geschützte Art, die zu töten nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten sei. Diese Tötung müsse jedoch "absichtlich" erfolgen. Im Windenergie-Erlass Bayern sind die für die Windenergieanlagen relevanten Arten als kollisionsgefährdete Vogelarten genannt - zum Beispiel Schwarzstorch, Rotmilan, Wespenbussard oder Seeadler. "In dieser Anlage ist der Mäusebussard jedoch nicht aufgeführt - das heißt, er ist in Bezug auf Windenergieanlagen nicht als besonders kollisionsgefährdet eingestuft worden", teilt der Sprecher des Landratsamtes mit.

Bei Windenergieanlagen seien mögliche Verstöße gegen das Tötungs- und Verletzungsverbot aufgrund der Kollision mit den Rotoren zu prüfen, doch müsse laut Rechtsprechung das Risiko durch das Vorhaben im Vergleich zum allgemeinen Risiko signifikant erhöht sein. Das werde im Einzelfall in Bezug auf die Lage der Windräder, die jeweiligen Artvorkommen und das Schlagrisiko geklärt. "Da bei einem Mäusebussard nicht von einer Art mit besonderem Schlagrisiko ausgegangen wird, ist hier von keinem signifikant erhöhten Tötungsrisiko auszugehen", folgerte die Behörde. Der Vogel werde momentan noch in der Tiefkühltruhe gelagert.

Hintergrund:

Über Abschaltung nicht entschieden

Für Aufsehen sorgte im April 2018 ein in zwei Hälften zerteilter Rotmilan, der ebenfalls bei den Ellenfelder Windrädern gefunden wurde. Das Ergebnis der Untersuchung: Tod durch Rotorschlag. Ein vom Landratsamt beauftragter Gutachter sichtete in der Umgebung weitere Rotmilane und einen bebrüteten Horst. Daraufhin forderte der Verein für Landschaftspflege und Artenschutz, den Windpark vom 1. März bis 15. August tagsüber abzuschalten. Wie es weitergeht, ist noch nicht entschieden.

Walter Brucker, Sprecher des Landratsamtes Tirschenreuth, verweist auf die artenschutzrechtliche Abklärung mit der Höheren Naturschutzbehörde bei der Regierung der Oberpfalz. Der Betrieb der Anlage sei durch einen bestandskräftigen Genehmigungsbescheid zugelassen worden, der Betreiber habe im Vertrauen darauf Investitionen getätigt. "Eine Abschaltung der Windenergieanlagen kann einer teilweise Aufhebung der immissionsschutzrechtlichen Genehmigung gleichkommen", sagt Brucker. Geprüft werde, ob die Voraussetzungen einer teilweisen Aufhebung der Genehmigung vorliegen. Insbesondere sei im Rahmen der Verhältnismäßigkeit vorab zu untersuchen, ob nicht mildere Mittel als eine generelle Betriebseinschränkung zur Verfügung stehen. "Dies ist mit den zu erwartenden Auswirkungen auf den Artenschutz abzuwägen." (as)

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