15.01.2021 - 15:19 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mammutaufgabe Corona-Impfung: So läuft es im Landkreis Tirschenreuth

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Wie ist die Impfbereitschaft der Pflegekräfte im Landkreis Tirschenreuth? Wann startet der reguläre Betrieb im Impfzentrum Waldsassen? Und gibt es weitere Impfstandorte? Ein Überblick.

Impfzentrum-Mitarbeiterin und Krankenschwester Silvia Schnell setzt die Spritze zur Corona-Impfung.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Das Impfzentrum in Waldsassen war seit 15. Dezember startklar, am 27. Dezember ging es dann endlich los. Am Anfang konnten die Verantwortlichen noch wenig über den genauen Ablauf der nächsten Monate sagen. Noch immer ist nicht alles in trockenen Tüchern, aber etwas mehr Informationen gibt es trotzdem. Im Gespräch mit Oberpfalz-Medien erläutern Landrat Roland Grillmeier, Mitarbeiter des Landratsamtes und die Betreiber des Impfzentrums vom BRK-Kreisverband den aktuellen Stand.

Bislang wurden 1324 Menschen im Landkreis geimpft. Das entspricht 1,8 Prozent der Einwohner. BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl informiert: "In den Pflegeheimen haben 559 Bewohner und 280 Mitarbeiter den ersten Teil der Impfung erhalten." Er schätzt aufgrund der Größe der jeweiligen Einrichtungen, dass diese Zahlen 55 bis 60 Prozent der Bewohner und circa 25 Prozent der Mitarbeiter entsprechen. In den Häusern der Kliniken Nordoberpfalz in Tirschenreuth, Erbendorf und Kemnath haben sich 105 Mitarbeiter impfen lassen. Das entspricht rund 20 Prozent, wobei weitere Impfungen noch ausstehen.

Aufklärung und Erfahrung

Aber warum ist die Beteiligung gerade beim medizinischen Personal und den Pflegekräften so niedrig? Dafür gibt es mehrere Gründe. "Vermutlich waren viele selber bereits infiziert", sagt Schedl. So müssen Personen, die bereits eine Corona-Infektion hatten, aktuell nicht geimpft werden. Aber es gibt auch Verunsicherung und Skepsis gegenüber dem Impfstoff. Melissa Wagner, Leiterin des Impfzentrums für den BRK-Kreisverband, bemerkt: "Die Anfragen steigen. Immer wieder kommen 10 oder 20 Anmeldungen dazu."

Der Testlauf im Corona-Impfzentrum Waldsassen

Von einer Impfpflicht für Pflegekräfte hält Schedl nichts. "Es braucht Aufklärung und Erfahrung. Mit Druck kommen wir hier nicht weiter", sagt er. Landratsamt-Pressesprecher Wolfgang Fenzl wirft ein, dass bereits ein Schreiben von der Behörde an die Mitarbeiter verschickt wurde, das über die Impfung aufklärt. Zudem soll es für diese Berufsgruppen vom BRK eine Online-Infoveranstaltung mit Dr. Peter Deinlein, Verbindungsarzt des Landkreises zur Kassenärztlichen Vereinigung Bayern, und Dr. Mathias Kalkum, ärztlicher Leiter des Impfzentrums, geben.

Impfdosen, die übrig bleiben, werden an einen Pool von vorgemerkten Personen verteilt, die kurzfristig eine Impfung erhalten. So wurden unter anderem bereits 144 über 80-Jährige und 190 sonstige Berechtigte (zum Beispiel Ärzte, Mitarbeiter von Rettungsdiensten, Impfzentrum oder ambulante Pflegekräfte) geimpft. Bislang wurde keine Dosis verworfen. Für Schedl ist aktuell die Impfbereitschaft weniger ein Problem als die Verfügbarkeit des Impfstoffs.

"Der bisherige Verlauf der Impfungen war sehr dynamisch, zeitweise anstrengend und chaotisch."

BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl

BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl

"Der bisherige Verlauf der Impfungen war sehr dynamisch, zeitweise anstrengend und chaotisch", sagt der BRK-Kreisgeschäftsführer. So gab es für die Verantwortlichen des Impfzentrums keine Feiertage im Dezember und Januar und auch am Wochenende musste gearbeitet werden. "Knapp 50 Ärzte machen bei den Impfungen mit", erklärt Melissa Wagner. Viele in Teilzeit oder stundenweise. So sind viele Ruhestandsärzte dabei, die unter der Woche helfen, während niedergelassene Ärzte am Wochenende aktiv sind. Zwar gehe es voran, aber die Zulieferung entscheide über die Terminvergabe.

Jurist Markus Zapf vom Landratsamt ist mit der Koordination und Organisation des Impfzentrums betraut. "Anfangs waren die Lieferungen sehr schleppend", sagt er. Doch in den kommenden Wochen erwartet er, dass konstant Dienstag und Freitag geliefert werden kann. Am Montag gab es die erste Impfrunde in Waldsassen, an diesem Samstag soll die zweite folgen. Zudem ist am Freitag die erste Lieferung des "Moderna"-Impfstoffs eingetroffen.

Doch nicht jeder hat die Möglichkeit in die Klosterstadt zu fahren. Hier plant der Landkreis auch Personen mit Handicaps oder ohne Autos zu unterstützen. "Es können keine dauerhaften Außenstandorte betrieben werden", betont Schedl. Zudem können keine Hausbesuche gemacht werden, da die momentanen Impfstoffe für Transport und Außeneinsätze nicht geeignet sind.

Drei weitere Impfstandorte

Dennoch versuchen die Verantwortlichen an drei Standorten in den Städten Kemnath, Waldershof und Tirschenreuth Angebote zu schaffen. "Die Gemeinden müssen hier aber die Logistik vor Ort so organisieren, dass es den Anforderungen entspricht", sagt Schedl. Die Standorte könnten nur an einzelnen Tagen betrieben werden. Wann diese öffnen, könne heute noch nicht genau gesagt werden.

Schedl bittet um Geduld: "Bevor die zweite Impfung durch ist, braucht man da momentan nicht darüber reden." Und Landrat Roland Grillmeier appelliert: "Wer in der Lage ist, nach Waldsassen zu kommen, soll dort hinkommen. Wir sind bemüht, eine Lösung zu finden. Wir werden aber nicht alle Wünsche erfüllen können."

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Über den Stand der Impfungen im Landkreis Tirschenreuth informierte (von links): Holger Schedl, Leiter BRK-Kreisverband, Melissa Wagner, BRK-Leiterin des Impfzentrums, Landrat Roland Grillmeier, Jurist Markus Zapf und Koordinator Johannes Spachtholz.
Service:

Anmeldung zur Impfung

Die Terminvergabe läuft über die Anmeldung auf der bayernweiten Webseite www.impfzentren.bayern. "Bislang sind aus dem Landkreis 1000 Personen aus allen Altersgruppen registriert", sagt Landrat Roland Grillmeier.

  • Anmelden kann sich jeder, der älter als 16 Jahre ist.
  • Wer nicht angemeldet ist, bekommt keine Terminaufforderung.
  • Problematisch ist momentan, dass eine E-Mail-Adresse nur einer Person zugeordnet werden kann. "Wir haben das Problem schon an den Bezirk gemeldet. Noch gibt es keine Lösung", sagt Jurist Markus Zapf.
  • Da noch nicht ausreichend Impfstoff zur Verfügung steht, sind konkrete Terminvereinbarungen nicht möglich.
  • Wer online registriert ist, erhält, so bald es möglich ist, eine E-Mail oder SMS mit einer Terminauswahl und kann einen verbindlichen Termin vereinbaren.
  • Bei jüngeren Menschen wird um Geduld gebeten. "Es wird mehrere Monate dauern, bis eine E-Mail kommt", betont Pressesprecher Wolfgang Fenzl.
  • Wer keinen Internetzugang hat, kann Angehörige bitten, die Vormerkung vorzunehmen. "Wenn die Online-Anmeldung nicht funktioniert, kann als zweite Option die Hotline 09631/308960 anrufen", so Fenzl.
  • Die Impfung erfolgt im Impfzentrum für den Landkreis Tirschenreuth im ehemaligen Krankenhaus Waldsassen in der Egerer Straße 30.

Am Samstag, 16. Januar, sollten 3400 Landkreisbewohner, die 80 Jahre oder älter sind, ein Schreiben vom Landrat erhalten. Da diese Gruppe das größte Risiko trägt, schwer an Covid-19 zu erkranken, hat diese in der Impfreihenfolge die höchste Priorität. Das Schreiben erklärt den Ablauf der Anmeldung. Landrat Roland Grillmeier appelliert an alle, sich ausreichend zur Impfung zu informieren. "Damit kann jeder ein Stück weit zur Normalität beitragen. Wir sollten unsere Freiheiten erarbeiten und können so die Pandemie bekämpfen."

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