30.07.2020 - 12:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Material für mindestens sechs Wochen

Das THW Marktredwitz kann nicht nur mit großen Maschinen und Werkzeug umgehen. Das hat die Organisation in den vergangenen Monaten auch bei der Coronakrise im Landkreis Tirschenreuth bewiesen.

Einsatzende: Julia Merk, Sebastian Prüm und Stephan Wölfl (rechts) übergeben das Materiallager. Der große Corona-Einsatz ist für das THW Marktredwitz nach vier Monaten beendet.
von Autor ABIProfil

Es ist bereits wieder vier Monate her, dass die Örtliche Einsatzleitung (ÖEL) unter Leitung von Kreisbrandrat Andreas Wührl ins Leben gerufen wurde. Der Start im März diente dem Ziel, die Führungsgruppe Katastrophenschutz (FüGK) bei ihren Aufgaben rund um den Einsatz „Coronavirus“ zu unterstützen. Von Anfang an waren auch Vertreter des THW Marktredwitz in den Aufbau des Stabes involviert.

Ortsbeauftragter Andreas Ernstberger nahm als THW-Fachberater an den täglichen Sitzungen des Krisenstabes Katastrophenschutz der Führungsgruppe teil. Sebastian Prüm, Zugführer des dort ansässigen Fachzuges Logistik, übernahm zusammen mit Stephan Wölfl und Julia Merk das Sachgebiet Versorgung und Logistik. „Unsere Hauptaufgaben waren die Koordinierung der Verteilung von Schutzausstattung sowie die Verwaltung des Materiallagers“, erklärt Julia Merk und zieht nach den 16 Wochen im Dauereinsatz mit ihren Kollegen Bilanz.

Lückenlose Dokumentation

„Die Bewältigung der Aufgaben entwickelte sich für uns drei schnell zu einem Vollzeitjob, der uns gerade in den ersten Wochen ziemlich forderte“, blickt Sebastian Prüm zurück. „Die lückenlose Dokumentation, vom Wareneingang bis hin zur Übergabe der Ware an die Empfänger ist sehr aufwendig, hat sich jedoch bewährt. Bei über 100 verschiedenen Artikeln auf Lager und bis zu 60 Auslieferungen pro Woche verliert man ansonsten schnell den Überblick über die Lagerbestände“, so Prüm.

Immerhin wurden im gesamten Zeitraum 1090 Belege zur Dokumentation gedruckt und unterschrieben, denn handschriftlich wäre diese Menge nicht mehr zu bewältigen gewesen. Die von Sebastian Prüm speziell entwickelte Lager-Software erleichterte den Prozess dabei ungemein. „Die Lagerbestände aktualisieren sich nach jeder Lagerbewegung automatisch und Belege werden per Knopfdruck generiert, lautet die Erklärung des Programmierers.

So arbeitet die Örtliche Einsatzleitung

Wiesau

Stephan Wölfl ging voll in der Aufgabe der Einkaufskoordination von Schutzausstattung auf. Nicht zuletzt mit dem Ziel, die schnelle, aber auch langfristige Versorgung des Landkreises sicherstellen zu können. „Größte Herausforderung für mich war es, den Bedarf der Einrichtungen und somit die tatsächlich benötigten Mengen abzuschätzen, denn diese Daten mussten erst einmal gesammelt werden. „Als Laie war es für mich gar nicht so leicht, die unterschiedlichen Qualitätsmerkmale und Spezifikationen der Artikel zu überblicken. Die Schutzausstattung, die bisher noch nicht an Bedarfsträger verteilt wurde, wird nun erst einmal eingelagert“, betont Stephan Wölfl.

Für eine drohende zweite Infektionswelle ist das Team nun auf jeden Fall besser gewappnet als noch vor vier Monaten. „Aus den Erfahrungswerten der Auslieferungen der letzten Monate haben wir errechnet, wie viel Ausstattung vorgehalten werden muss, um im Falle einer zweiten Welle für mindestens sechs Wochen versorgt zu sein“, berichtet Julia Merk.

100 Palettenstellplätze

Helfer des THW Marktredwitz richteten hierfür noch ein weiteres Lager ein. Dieses verfügt über rund 100 Palettenstellplätze. Auch hier überließen die Logistiker nichts dem Zufall. „Wir können exakt bestimmen, welche Palette auf welchem Stellplatz steht und welcher Artikel dort in welcher Stückzahl verpackt ist. Das haben wir alles auf einem detaillierten Hallenplan vermerkt“, so Stephan Wölfl. Denn das große Anliegen war, den Einsatz exakt zu dokumentieren und nachvollziehbar abzuschließen. Nicht zuletzt auch, um den Nachfolgern in dieser Tätigkeit das Leben etwas leichter zu machen.

Das Materiallager wurde nun an Harald Würner, seines Zeichens Kreisbrandmeister des Kreisfeuerwehrverbandes Tirschenreuth, übergeben. Der Einsatz ist für das THW Marktredwitz somit nach insgesamt 1.640 Stunden beendet. „Dieser Einsatz zeigt eindrucksvoll, dass das THW nicht nur mit großen Maschinen und Werkzeug umgehen kann“, resümiert Sebastian Prüm. „Wir stellen seit Jahren fest, dass gerade die Großeinsätze mit hohem Logistik- und Planungshintergrund verbunden sind. Angefangen vom Hochwasser über das Errichten von Notunterkünften und Logistik für Großveranstaltungen bis hin zur aktuellen Corona-Lage“.

Und dabei geht es nicht primär darum mit Lastwagen möglichst viele Paletten zu transportieren, sondern darum, dass der benötigte Artikel zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt.

Das THW ist flächendeckend mit Fahrzeugen und Fachhelfern aufgestellt. Die bundesweit einheitlichen THW-Strukturen können unter Einsatzbedingungen jederzeit abgerufen und lange aufrechterhalten werden. Herausforderungen bestehen noch im Bereich IT-Ausstattung, Software und dem entsprechenden Know-How. „Aber das THW hat auch hierfür bereits kreative Köpfe, die laufend daran arbeiten, die Fachzüge Logistik den neuen Anforderungen anzupassen“, lobt Julia Merk das gesamte Team des Technischen Hilfswerks.

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