22.04.2020 - 12:34 Uhr
WiesauOberpfalz

Katastrophenschutz im Landkreis Tirschenreuth: Der "verlängerte Arm" unterstützt "Helden des Alltags"

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Wiesau ist in diesen Tagen ungemein wichtig für die Sicherheitslage im Landkreis. Dort ist im Feuerwehrhaus die Örtliche Einsatzleitung untergebracht. Und die hat eine gute Nachricht für die Helfer an vorderster Front.

von Roland WellenhöferProfil

Seit dem 16. März gilt in Bayern der Katastrophenfall. Seitdem koordiniert im Landkreis Tirschenreuth ein Krisenstab die Bewältigung der Corona-Pandemie. Schon vorher gab es eine interne Arbeitsgruppe. Der Krisenmodus wurde nach und nach hochgefahren. Innerhalb des Landratsamtes steuert die "Führungsgruppe Katastrophenschutz" - kurz FüGK unter der Leitung von Oberregierungsrätin Regina Kestel die Arbeit.

Große Runde mit Landrat

Mindestens zweimal pro Tag trifft man sich in großer Runde unter der Leitung von Landrat Wolfgang Lippert mit den Vertretern aller beteiligten Organisatoren wie Polizei, Bundespolizei, Rettungsdienst, THW, Versorgungsarzt, Integrierte Leitstelle, Kliniken Nordoberpfalz, Kassenärztliche Vereinigung, Bundeswehr und Gesundheitsamt zu einer Lagebesprechung.

Weniger bekannt ist die Örtliche Einsatzleitung, die im Feuerwehrjargon ÖEL genannt wird. Unter der Führung von Kreisbrandrat Andreas Wührl arbeitet sie im Feuerwehrgerätehaus in Wiesau. "Am 22. März wurde ich von der FüGK angewiesen, einen Stab aufzubauen", so Wührl. Eingerichtet hat sich die ÖEL im Feuerwehrgerätehaus in Wiesau: ein idealer Standort.

"Wir haben hier mit der Kreiseinsatzzentrale alle notwendigen Kommunikationseinrichtungen." Mittlerweile arbeitet der in verschiedene Sachgebiete eingeteilte Stab reibungslos. Die Führungsstrukturen sind nach dem Bayerischen Katastrophenschutzgesetz eigentlich zur Bewältigung von Naturkatastrophen oder Großeinsatzlagen festgelegt worden. Doch diese eingeübten Abläufe ermöglichten auch in der Pandemie eine schnelle Arbeitsfähigkeit.

"Die Örtliche Einsatzleitung leitete alle Einsatzmaßnahmen im Landkreis und ist dabei der verlängerte Arm der FüGK", so Wührl. Die rund 25 Mitarbeiter im Stab arbeiten in einem Zweischichtsystem täglich von 8 bis 18 Uhr. Nachts und an den Wochenenden sind die Mitarbeiter in Rufbereitschaft.

Unterstützung für "wahre Helden"

Die wichtigste Aufgabe ist nach wie vor die Versorgung mit Schutzausrüstung, wie medizinischen Masken, Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln. Die Mitarbeiter der ÖEL telefonieren mit Lieferanten, bewerten die eingegangenen Angebote, tätigen Bestellungen und verteilen nach einem festgelegten Bedarfsplan die gelieferte Ware an die Seniorenheime, Pflegedienste, den Rettungsdienst und Arztpraxen im Landkreis. Andreas Wührl zeigt sich zufrieden: "Wir unterstützen so die wahren Helden des Alltags," und meint damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den medizinischen Berufen. Der Bedarf an Schutzausstattung in den verschiedenen Einrichtungen ist nach wie vor groß und wird deshalb täglich abgefragt.

Logistik-Experten vom THW

Für die Logistik vom Wareneingang über die Kommissionierung bis zur Auslieferung habe man Mitarbeiter des THW mit an Bord. Für die Verteilung im gesamten Landkreis sind wiederum die Feuerwehren zuständig. Jeden Tag ist eine andere Feuerwehr dran, um die Lieferungen zu verteilen. Die Versorgungslage habe sich mittlerweile deutlich entspannt, so der Kreisbrandrat. Masken und Desinfektionsmittel stünden mittlerweile im ausreichenden Maße zur Verfügung. Einzig bei Schutzkittel gebe es noch einen Bedarf.

Wie wichtig die Arbeit der Örtlichen Einsatzleitung ist, zeigen die vielen positiven Rückmeldungen. Vor allen in den ersten Wochen der Pandemie wurden die Lieferungen vom Personal der Einrichtungen sehnsüchtig erwartet.

Führungskräfte arbeiten mit

Als Örtlicher Einsatzleiter kann Kreisbrandrat Andreas Wührl in erster Linie auf "seine" Kreisführungsdienstgrade, also die Kreisbrandmeister und Kreisbrandinspektoren, als Mitarbeiter zurückgreifen. Daneben stellen auch die örtlichen Feuerwehren Führungspersonal für den Stab. Das Technische Hilfswerk und der Rettungsdienst ist mit jeweils einem Fachberater in der Örtlichen Einsatzleitung vertreten.

Auch bei der Örtlichen Einsatzleitung gelten in Sachen Infektionsschutz derzeit besondere Vorschriften. Die Arbeitsplätze sind mit genügend Abstand aufgestellt und zusätzlich sind Raumteiler installiert. Bevor man in den Stabsraum gelangt, muss sich jeder Mitarbeiter gründlich die Hände desinfizieren. Maskenpflicht herrscht hier sowieso. Kreisbrandrat Wührl ist froh, dass man innerhalb des Stabes bisher noch keinen krankheitsbedingten Ausfall zu verzeichnen hatte.

Auch bei den Feuerwehren im Landkreis zeigt die Corona-Krise nämlich bereits Auswirkungen. Einsatzkräfte, die selbst infiziert sind oder unter Quarantäne stehen, dürfen natürlich auch nicht ausrücken. Für Kreisbrandrat Andreas Wührl ist es das oberste Ziel die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren sicherzustellen. Sämtliche Ausbildungs- und Übungsveranstaltungen sind eingestellt. Die Tätigkeit beschränkt sich auf den Einsatzbetrieb. Und auch bei Alarmierungen soll derzeit nur die unbedingt erforderliche Zahl an Einsatzkräften ausrücken, um dadurch das Infektionsrisiko möglichst gering zu halten.

Die Ausgangsbeschränkungen stellen für Feuerwehrleute allerdings kein Problem dar. Jeder Aktive führt eine Bestätigung des Kreisfeuerwehrverbandes mit, um sich im Falle einer Polizeikontrolle legitimieren zu können.

Im Landkreis Tirschenreuth gibt es auch für die Bürger Mund-Nasen-Masken:

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