28.09.2018 - 13:04 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mehr Bier für Tirschenreuth

Samstagmorgen: Es riecht nach Bier in der Mitterteicher Straße. Und das schon zum zweiten Mal in diesem Jahr. Dort haben die Braujuwaren ihre Zaubertrunk-Werkstatt aufgebaut.

Die Braujuwaren Walter Richter, Sebastian Jokiel und Martin Hager (von links) lassen den Topf nicht aus den Augen.
von Ulla Britta BaumerProfil

Die Braujuwaren, das sind jene Kreisstädter, die sich zusammengetan haben, um Tirschenreuths Brauereikultur zu retten. Die Männer und Frauen wollen Bierbrau-Tradition für die Nachwelt erhalten. Der erste Versuch im März dieses Jahres mit einem süffigen Maibock war ein schöner Erfolg. Die 100 Liter Märzenbier, nach einem 100 Jahre alten Rezept hergestellt, waren schnell leergetrunken.

Bierbrau-Kultur retten

Diesen Herbst startet Versuch Zwei mit einer neuen Historie. Ab 8 Uhr morgens lockt gehaltvoller Malzgeruch in die kleine Gartenlaube, wo im großen Topf die Maische für ein Keller-Altbier brodelt. Der Verein braut öffentlich: Wer einen neugierigen Blick über den Gartenzaun wagt, wird zu Weißwurst, Brezen und Getränke an gedeckte Biertische geladen.

Hager freut's ungemein, dass das Maibock-Bier sogar Bürgermeister Franz Stahl, dritten Bürgermeister Norbert Schuller sowie einige Stadträte überzeugen konnte. Das sei doch auch Beweis, dass man sich auf dem richtigen Weg befinde mit dem Ansinnen, in der Stadt was für die Bierbrau-Kultur zu tun, findet Hager. Was im Topf brodelt, ein süffiges Altbier, soll am 24. November beim Gmeiner-Zoigl ausgeschenkt werden. "Das Rezept stammt aus dem Jahr 1925. Gebraut wurde es in einer Zoiglstube in der Burgstraße", weiß Hager, der ungemein belesen ist in Sachen Bier in der Kreisstadt.

"Tirschenreuth hat übrigens die älteste Brautradition im Landkreis. Noch vor Falkenberg", berichtet er. Dies ginge aus Überlieferungen des Klosters Waldsassen vor 400 Jahren hervor. Schade nur, dass ausgerechnet die Kreisstadt kein eigenes Kommunbrauhaus betreibt, finden die Braujuwaren. Die Gruppe würde das gerne schnellstens ändern. "Aber dafür brauchen wir die Unterstützung der Stadt", so Hager, der sich bereits nach einem geeigneten Brauhaus umsieht. Bis dahin geht's in privatem Umfeld weiter.

Vergrößerung geplant

Ab 2021 soll die gebraute Menge Bieres gesteigert werden - auf dann 250 Liter. Der Verein will im angrenzenden Anwesen von Martin Hager eine große Anlage installieren - nach Vorbild Falkenbergs, mit einem großen, offen Braukessel und einer kleinen Ausschank-Stube für den Verein. "Dann müssen wir nicht mehr per Hand arbeiten", sagt Hager mit Blick auf Walter Richter, seinen Stellvertreter. Dieser rührt im Topf eine "Suppe" aus Wiener Malz, Münchener Malz und Farbmalz. Als angehender Profi gehört der junge Student Sebastian Jokiel zum Brauer-Team. Er absolviert in Weihenstephan ein duales Studium zum Brauingenieur und unterstützt den Verein mit seinem Fachwissen.

Gerade lässt er die digitale Temperaturanzeige nicht aus den Augen. Denn beim Bierbrauen sind exakte Temperaturen ungemein wichtig. Der Maische wird später als Aroma die Sorte "Hopfenperle" aus der Hallertau und Hefe zugemischt. Dabei werden Hopfenpellets verwendet. "Mehr Bier in der Stadt", wünsche sich der Verein, sagt der Ober-Braujuware. Mit dem zweiten Brautag ist ein weiterer Schritt geschafft. Denn "mehr Natur in der Stadt" gebe es in Tirschenreuth mit dem Fischhofpark schon. Jetzt fehle nur noch das Bier.

Hintergrund:

Die „Braujuwaren“-Gründung erfolgte 2015 gegründet mit dem Ziel, die Brautradition in Tirschenreuth wiederzuerwecken. Beim Brauen werden historische Rezepturen verwendet, die in Vergessenheit geraten sind. Der Verein sucht alte Überlieferungen zum Bier, lädt zu Infoveranstaltungen ein und schult sich mittels Bier-Seminaren. Zweimal jährlich werden 100 Liter gebraut. Nach Bau der größeren Brauanlage sollen es 250 Liter werden.

"Das wird in wenigen Wochen ein süffiges Altbier sein", erklärt Ober-Braujuware Martin Hager zum diesmal verwendeten Malzgemisch aus Wiener und Münchener Malz sowie Farbmalz.
Der junge, angehende Brauingenieur, Sebastian Jokiel, lässt das Messgerät nie lange aus den Augen. Denn die Temperatur darf beim Bierbrauen weder extrem fallen noch steigen.
"Malz ist die Seele des Biers, der Hopfen das Herz", sagt Martin Hager. Sobald diese wichtigen Feststoffe ausreichend lange im Wasser gekocht wurden, werden sie entfernt. Das nennt man im Fachjargon "abläutern".
Der Hopfen, diesmal aus der Hallertau, wird gepresst in Form von Pellets zugefügt. Es gebe ihn im Handel auch flüssig. Aber man wolle lieber das Naturprodukt verwenden, sagt Martin Hager über die Zutaten.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.