22.10.2019 - 08:00 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Menschen, Möbel, Märkte

Unternehmerisches Denken und soziale Verantwortung gehen in der Philosophie des Möbelhauses Gleißner eine Symbiose ein. Chef Jörg Kulzer über Bodenständigkeit, Menschlichkeit und Erfolg.

Mehr als 100 Menschen ist das Möbelhaus Gleißner" berufliche Heimat. Jörg Kulzer lobt den Fleiß der Oberpfälzer im Allgemeinen und den Einsatz seiner Mitarbeiter im Besonderen. "Ein wichtiger Grund, sich zum Standort zu bekennen."
von Ulla Britta BaumerProfil

Viel Platz und gut erreichbar: Am Ortsrand von Tirschenreuth hat "Interliving Gleißner" einen perfekten Standort. Dort war es nicht von Anfang an. Die lange Firmengeschichte des Möbelhauses beginnt nämlich vor fast 150 Jahren in innerstädtischer Lage.

Die willkürliche und sinnlose Straftat eines Brandstifters setzte dem im Jahr 1989 ein Ende. Doch die damalige Katastrophe hat sich für die Stadt Tirschenreuth im Nachhinein in einen Glücksfall verkehrt, denn die bodenständige Inhaberfamilie, die heute den Namen Kulzer trägt, behielt "den Standort Heimat" bewusst bei und baute 1990 am Stadtrand neu. Heute ist das Unternehmen eines der größten der Stadt und ein wirtschaftlicher Segen für Tirschenreuth.

Komplettumbau

Und es geht erfolgreich weiter: Möbelhaus-Chef Jörg Kulzer, der aus Hamburg zurück nach Tirschenreuth kam und das Unternehmen seiner Eltern, Hans und Liselotte Kulzer, übernommen hat, konnte erst jüngst zur Einweihung nach einem Komplettumbau einladen. "Wir haben uns bewusst dauerhaft für Tirschenreuth entschieden", legt Kulzer Wert auf die Treue zur Heimat, die niemals nachließ. Stillstand, sagt er, wäre aber fatal.

Das Einzugsgebiet ist nicht von ungefähr längst überregional: "Wir sind mit 20000 Quadratmetern Gewerbefläche einer der größten Möbelanbieter Nordostbayerns", sagt Jörg Kulzer. Die Kunden zieht es aus einem weiten Umkreis ins Tirschenreuther Möbelparadies. Sie kommen nicht nur aus der gesamten Oberpfalz, sondern auch aus Oberfranken, Pilsen und sogar Prag. Ein Erfolg, bei dem nie die Menschlichkeit aus den Augen verloren wurde. Schaut man in der Firmengeschichte zurück, wurde kontinuierlich unternehmerisches Denken mit sozialer Verantwortung gekoppelt. Er persönlich pflege die Verbundenheit mit der Region und ihren Bewohnern.

Für Jörg Kulzer und seine Mutter, Seniorchefin Liselotte Kulzer, stehen Verantwortung und Menschlichkeit an oberster Stelle.

Familienfreundlichkeit

"Natürlich", sagt Jörg Kulzer, "muss auch etwas verdient sein." Man müsse etwa Rücklagen schaffen für Investitionen. Kulzers Firmenphilosophie orientiert sich folgerichtig am Unternehmen und den Menschen, die hier als Mitarbeiter und Kunden ein- und ausgehen. Ein Anliegen ist dabei die Familienfreundlichkeit: Es gibt flexible Arbeitszeiten, Heimarbeitsplätze und auch während der Elternzeit wird Kontakt gehalten.

Die vielfältigen Bemühungen des Unternehmens werden honoriert. Man ist stolz auf eine geringe Mitarbeiterfluktuation: "Unsere Leute arbeiten bei uns im Schnitt 30 Jahre." Eine bewusst angestrebte Mischung "aus Jung und Alt" ergebe ein Durchschnittsalter der Mitarbeiter von etwa 40 Jahren. Ein berufliches Zuhause für alle Generationen: Engagierten jungen Leuten stünden im Ausbildungsbetrieb alle Wege offen, "bis in die Geschäftsleitung", wirbt der Chef. Der Möbelriese aus dem Stiftland zeigt sich dabei innovativ: Das Berufsbild "Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice" etwa habe man vor zehn Jahren selbst entwickelt.

"Bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt", betonen Jörg Kulzer und seine Mutter, Senior-Chefin Liselotte Kulzer, die ihrem Sohn weiterhin zur Seite steht. Flache Hierarchien seien selbstverständlich: "Die Tür zum Chef steht immer offen." Da spiele es keine Rolle, ob jemand einen Ratschlag einholen wolle oder nur kurz übers Wetter rede. Und Frauen sollen sich im Betrieb genauso entwickeln können wie ihre männlichen Kollegen. Jörg Kulzers Urgroßmutter etwa hat als Frau bereits in den 1920er Jahren den Ein- und Verkauf geführt, also praktisch das Unternehmen geleitet. "Eine Frau in der Wirtschaft war damals eher ungewöhnlich." Aber Franziska Gleißner setzte sich durch.

Etwas zurückgeben

"Interliving Gleißner" sei ein gesundes Unternehmen. Deshalb gebe man gern etwas zurück, ist der Senior-Chefin wichtig. Das tut die Familie durch Unterstützung ehrenamtlicher Projekte und eine Firmenphilosophie, die die Sicherung der Arbeitsplätze sowie das Wohl der Mitarbeiter in den Mittelpunkt stelle. Das sehen auch andere so. So ist "Interliving Gleißner" Anfang des Jahres vom Bündnis für Familie im Landkreis Tirschenreuth ausgezeichnet worden und darf sich "Botschafter für Familienfreundlichkeit" nennen.

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