16.05.2019 - 18:17 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mittelfinger auf Überholspur

Ein ausgestreckter Mittelfinger ist nie nett gemeint. Schon gar nicht auf der Autobahn zur Hauptverkehrszeit am Freitagmittag. Ein 44-Jähriger beließ es nicht bei dieser beleidigenden Geste.

Justiz
von Michaela Kraus Kontakt Profil

Wegen Nötigung und Beleidigung fand sich der Mann aus Abensberg nun im Amtsgericht wieder. Er hatte Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt, der ein einmonatiges Fahrverbot und eine Geldbuße von 80 Tagessätzen à 50 Euro beinhaltete. Seine Version, völlig zu Unrecht ins Visier der Justiz geraten zu sein, erhielt jedoch schnell einen Dämpfer.

Die Staatsanwältin schilderte den Vorfall eindeutig. Demnach war der Mann im September 2018 in Begleitung seiner Frau und seiner beiden kleinen Kinder unterwegs von Sachsen-Anhalt nach Niederbayern. Im Bereich Wiesau fuhr er mit seinem Mercedes auf der linken Spur dicht auf einen VW mit Weidener Kennzeichen auf, der gerade überholte. Nach dem Einscheren der Fahrzeuglenkerin überholte der 44-Jährige die Frau und bremste stark ab. Als die VW-Fahrerin deshalb zum Überholen ansetzte, verhinderte er dies durch mittiges Fahren zwischen den Spuren und bremste ohne Grund. Durch dieses Verhalten, so die Anklage, wollte er die Frau maßregeln. "Zudem zeigten Sie der Geschädigten den Mittelfinger, um Ihre Missachtung auszudrücken."

Ganz anders schilderte der Angeklagte die Sache zunächst. Der Golf vor ihm sei ohne Blinken ausgeschert und habe dann eine Vollbremsung hingelegt, anstatt zügig zu überholen. Die Lichthupe habe er betätigt, aber nicht den Mittelfinger gezeigt, sondern nur gestikuliert und auf die Frau gedeutet: "So provoziert man einen Unfall. Ich war fix und fertig, hatte Herzrasen." Dabei habe er nicht gebremst, sondern sei nur vom Gas gegangen.

Die Autofahrerin, die das rüpelhafte Verhalten angezeigt hatte, war mit zwei Zeuginnen vor Gericht erschienen. Ihre Aussage wurde jedoch nicht mehr gebraucht, nachdem Richter Thomas Weiß und Staatsanwältin Christina Richter dem Angeklagten und seinem Anwalt den Ernst der Lage deutlich gemacht hatten. "Wenn man Ihre Vorstrafen ansieht, passt das Verhalten ins Bild", bezog sich Weiß auf einen ganz ähnlichen Fall. "Fahrverbot kriegt hier jeder Ersttäter bei Nötigung auf der A 93", gab er zu bedenken.

Dass die Aktenlage gegen den Angeklagten spreche, gab der Verteidiger zu. Nach Rücksprache mit seinem Mandanten beschränkte er den Einspruch auf die Höhe der Geldstrafe. In einem Rechtsgespräch einigten sich die Beteiligten auf 30 Euro Tagessatz, weil der Angeklagte derzeit arbeitslos ist. Der Mann muss also statt 4000 Euro 2400 Euro zahlen. "Nötigung und Beleidigung stehen fest", bekräftigte der Richter. Es bleibt bei einem Monat Fahrverbot.

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