21.08.2020 - 14:20 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Mit Moped und Lederhosn ins Kino: "Wild Hogs" treffen Wittmann-Brüder

Die Hauptdarsteller von "Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas" besuchten das Cineplanet. Dabei plauderten Julian und Thomas Wittmann aus dem Nähkästchen. Für Aufsehen sorgte dabei auch ein Moped-Club aus dem Steinwald.

von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Die sind doch verrückt, könnte man meinen: Mit zwei 50 Jahre alten Zündapps sind die beiden Brüder Julian (27) und Thomas Wittmann (24) 2018 von Bayern in die USA gefahren. Ihr Ziel war die Stadt Las Vegas im Bundesstaat Nevada. Dabei wollten sie erfahren, was Freiheit bedeutet. Ihr Abenteuer erzählen die beiden im Film "Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas", der seit dem 13. August in den deutschen Kinos läuft.

In der Lederhose und mit Jeans-Kutte

Auf ihrer Promotour machten die beiden Hauptdarsteller und Produzenten auch einen Stopp im Cineplanet in Tirschenreuth und stellten sich dort den Fragen ihrer Zuschauer. Darunter waren auch Mitglieder des Moped-Clubs "Wild Hogs Stoawold". Sie waren extra mit ihren Mopeds von Thumsenreuth nach Tirschenreuth gefahren. "Wir haben uns am Feuerwehrhaus getroffen und dann sind wir angerollt", sagt Öffentlichkeitsbeauftragter Christian Sirtl. Die Fahrt dauerte rund eine dreiviertel Stunde. Passend zum Film war auch die Kleidung der rund 25 Moped-Fahrer: Der Großteil kam in Lederhose und Jeans-Kutte.

Michael Neidhardt, Besitzer des Kinos, freute sich über den Zuspruch. "Durch die Coronakrise haben die Leute aktuell Angst ins Kino zu kommen", sagt er. Es ist ein Problem, an dem die gesamte Branche zu knabbern hat. Diese Situation spiegelt sich auch darin wieder, dass der Betreiber zu seinem Event zwar bis zu 100 Besucher hätte unterbringen können, letztlich aber nur rund 30 Plätze im Saal besetzt waren. Das Road-Movie selbst hätte jedoch mehr Zuschauer verdient.

Der Film der Brüder Wittmann ist eine Mischung aus Dokumentation und fiktionalen szenischen Elementen. So beginnt das Schauspiel in einem urigen bayerischen Wirtshaus, wo die beiden ihr Abenteuer den Gästen erzählen wollten. Doch scheint sich anfangs nicht recht jemand dafür zu interessieren. Die Wirtin dreht sogar die Sicherung raus und der Projektor brennt durch. Monika Gruber, alias Putzfrau am Herrenklo, muntert die beiden auf und bringt sie dazu von ihrer Reise zu berichten.

Wir haben erkannt, dass in Amerika jeder in einem System steckt. Die Lücke zwischen arm und reich klafft dort weit auseinander.

Hauptdarsteller und Produzent Julian Wittmann

Die beiden Moped-Fahrer starteten in Bayern mit ihren Zündapps, die maximal 40 Kilometer pro Stunde fahren. Vor dort geht es nach Antwerpen, mit einem Containerschiff gelingt die Überfahrt nach New York. Angekommen in den USA offenbart sich den beiden keine verklärte Hollywood-Welt. Mit dem Motto "Scheiß da nix, dann feid da nix" bestreiten sie ihren Weg komplett in Lederhose und mit wenig Luxus. Dabei räumen sie mit einigen Klischees über das Land der Freiheit auf und machen so manche kuriose Bekanntschaft. Sie lernen Waffennarren, Eremiten oder gar einen echten Hells Angel kennen. Jeder hat ein anderes Verständnis von Freiheit. Julian und Thomas Wittmann probieren Marihuana und versuchen Riesensteaks zu essen, fahren auf der berühmten Route 66 und die eine oder andere Moped-Panne darf auch nicht fehlen.

Projekt im Biergarten entstanden

Nach dem Film kommen die beiden Hauptdarsteller und Produzenten in den Kinosaal. Vorher waren sie noch im "Neue Welt Kino" in Weiden. Locker beginnen sie aus dem Nähkästchen zu plaudern. Die Idee zu ihren Projekt ist in einem Biergarten entstanden. Im Sommer 2018 starteten sie ihr Abenteuer. Drei Monate später - Anfang November - erreichten sie Las Vegas. "Wir hatten dann 500 Stunden Filmmaterial, das wir zu Hause gesichtet und innerhalb von zehn Monaten geschnitten haben", erzählt Julian.

"Wie viel Geld habt ihr gebraucht?", will ein Zuschauer wissen. "Jeder von uns hatte ein Budget von 3000 Euro gebraucht. Der Filmdreh selbst wurde durch Sponsoren bezahlt. Das hat 200.000 Euro gekostet." Eine Lowbudget-Produktion komme in der Regel auf ein bis zwei Millionen Euro. "Wie viel Benzin habt ihr gebraucht?", fragt ein anderer. "Wir kamen mit 36 Tankfüllungen aus", antwortet Thomas. Die beiden waren in Begleitung eines Kamerateams. Angefahren wurden bestimmte Eckpunkte, die die beiden sehen wollten, sonst versuchten sie die schnellste Strecke zu fahren. "Wie war das mit Duschen?", kommt aus den hinteren Sitzreihen. "Gewaschen worden sind wir vom Regen. In der Wüste selbst konnte man nicht zelten, da waren wir in abgefuckten Motels."

Doch haben sie auf ihrerer Reise die Freiheit gefunden? "Wir haben erkannt, dass in Amerika jeder in einem System steckt. Die Lücke zwischen arm und reich klafft dort weit auseinander. Es gibt starke Bildungsunterschiede", sagt Julian. Die Freiheit haben beide in der Verwirklichung ihres Projekts gefunden. Dafür nahmen sie eine Auszeit von Job und Studium. Beide wollten aus ihrem Alltag ausbrechen und dafür haben sie sich eben die Freiheit genommen. "Und die gibt es hier in Deutschland vielmehr als in Amerika."

Auch eine Frau aus Parkstein hat bei dem Film "Ausgrissn! In der Lederhosn nach Las Vegas" geholfen

Parkstein
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