27.11.2020 - 15:34 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Nächste Abzweigung für Datenautobahn in Richtung Tirschenreuth

Der Breitbandausbau geht weiter. Doch müssen Stadt und Bund dafür ordentlich Geld ausgeben. Die großen Anbieter dagegen interessiert die ländliche Region nicht.

Im Gebiet der Stadt Tirschenreuth soll der Breitbandausbau fortgesetzt werden. Mit rund sieben Millionen Euro werden Bund, Land und Stadt die Wirtschaftlichkeitslücke schließen.
von Werner Schirmer Kontakt Profil

In ersten Verfahren sind in den vergangenen Jahren mehrere Dörfer und Ortsteile an das schnelle Internet angeschlossen worden. Dabei wurden Glasfaserkabel bis zu Verteilern in die Orte verlegt, ab dort ging es dann über deutlich schnellere Kupferleitungen weiter. Kosten bislang 1,1 Millionen Euro, Stadtanteil 243 000 Euro.

Im nächsten Schritt (Baubeginn frühestens im zweiten Quartal 2021) kommt eine neue Variante zum Einsatz. Dann werden die Glasfaserkabel bis ins Haus verlegt. Neu ist in der Region auch der Netzbetreiber. Mit rund sieben Millionen Euro Unterstützung wird das Laufer Unternehmen Bisping & Bisping zum Zuge kommen. Alternative gibt es keine, da kein weiteres Angebot eingegangen ist.

Bei der Stadtratssitzung am Donnerstag im großen Saal des Kettelerhauses erläuterte zunächst Bürgermeister Franz Stahl den Sachstand beim Breitbandausbau. In zwei Verfahren seien seit 2015 Maßnahmen durch die Telekom und Vodafone erfolgt. Damals konnte die Stadt eine Förderung durch den Freistaat in Anspruch nehmen. Ein drittes Verfahren, für das ein "Höfebonus-Programm" genutzt werden sollte, wurde aufgrund der Unwirtschaftlichkeit gestoppt. Diese Gebiete sind jetzt mit eingebunden.

96 Anschlüsse in der Planung

Mit dem künftigen Verfahren werden die möglichen Zieladressen einen Anschluss erhalten, der eine Übertragungsrate von mindestens 200 Mbit/s im Download in Aussicht stellt. Diese Leitung soll von der Autobahn kommend nach Tröglersreuth, Pilmersreuth an der Straße, Mooslohe, Lodermühle, Rothenbürg, Hohenwald, Höfen, Großklenau, Kleinklenau, Wondreb, Wondrebhammer, Rosall, Holzmühle, Heindlmühle, Pilmersreuth am Wald, Haidhof, Gebhartshöhe und Marchaney führen. In den Planungen sind 96 Anschlüsse vorgesehen.

Referent Eduard Maier von der Breitbandberatung Bayern GmbH erläuterte eine Variante in dem aktuellen Programm. So könnten auch Interessenten entlang der Leitungstrasse einen Anschluss bis zur Grundstücksgrenze erhalten. Den Hausanschluss müssten sie dann selbst bezahlen. Damit würden sich die 96 Adressen in der Planung um rund 175 "Vortriebsadressen" erweitern. Insgesamt seien dann 271 Anschlüsse möglich. Dafür, so Maier, würden 29 Kilometer versiegelter und 27 Kilometer unversiegelter Tiefbau notwendig. Geplant seien 119 Kilometer Leerrohre und 76 Kilometer Glasfaser. Bis zur Fertigstellung werde es wohl zwei bis zweieinhalb Jahre dauern, so Maier.

30 000 Euro pro Anschluss

Bei den Kosten des Netzausbaus wird mit rund sieben Millionen Euro kalkuliert, also mit rund 30 000 Euro pro Anschluss. Dabei handle es sich um die Beteiligung von Bund, Land und Stadt. Bürgermeister Stahl vermerkte dazu, dass der Bund mit rund 3,5 Millionen Euro die Hälfte übernehmen werde, dazu kommen 2 580 000 Euro (dreimal Höfebonus) als Festanteil vom Freistaat. Der Stadt verblieben 12,8 Prozent der Kosten, was rund 885 000 Euro entspricht. Auf Nachfrage von Mario Franz (Freie Wähler) versicherte Maier, dass es sich bei den Zahlen um "eine realistische Planung" handeln würde. Durch einen Deckelbetrag sollte man vor einer Kostensteigerung sicher sein. Franz Stahl kritisierte in seinem Überblick das Verhalten der großen Netzbetreiber, die ohne Gewinnaussichten keinen Ausbau vornehmen. Nur durch eine Förderung könnte eine Wirtschaftlichkeitslücke geschlossen werden. Für den weiteren Anschluss der Ortschaften hätten Telekom oder Vodafone aber überhaupt kein Angebot abgegeben.

Bericht über die Stadtratssitzung im Oktober

Tirschenreuth

Mit dem neuen Netzbetreiber Bisping & Bisping würde auch die Monopolsituation gesprengt, hoffte Stahl. Bislang hätte man mit dem Unternehmen gute Erfahrungen gemacht, etwa bei der Qualität der Ausführung oder der Termintreue, ergänzte Maier. Der Vertreter der Breiband Bayern warnte davor, erneut ins Ausschreibungsverfahren einzusteigen, von dem er kaum neue Angebote erwartet. Nur der Preis würde steigen sowie die Fertigstellung noch länger dauern.

Gerade in Pandemie wichtig

CSU-Fraktionssprecher Huberth Rosner verdeutlichte, wie sehr das schnelle Internet für jeden Haushalt notwendig sei. "Gerade jetzt in der Pandemie hat sich das gezeigt", so Rosner. Zudem müsste weiter an den gleichwertigen Lebensbedingungen von Stadt und Land gearbeitet werden. Manfred Zandt, Sprecher der Freien Wähler, stellte heraus, dass der Netzbetreiber mit noch höheren Summen beim Ausbau rechnen müsse, nachdem mit den sieben Millionen Euro nur die Wirtschaftlichkeitslücke geschlossen werde. Der Betreiber werde in die Kalkulation auch die siebenjährige Nutzung einrechnen. Peter Gold (CSU) bezeichnete das Verhalten der großen Netzbetreiber schlicht als "Machtmissbrauch". Schließlich gehe es hier auch um die Daseinsfürsorge. Doch die werde auf die Kommunen abgewälzt.

Einstimmig beschloss der Stadtrat, den Auftrag für den weiteren Breitbandausbau an die Firma Bisping&Bisping aus Lauf an der Pegnitz für 6 932 822,67 Euro zu vergeben. Der Kooperationsvertrag setzt die Förderzusagen voraus. Jetzt folgen zunächst Anträge bei den Fördergebern, die für die Prüfung rund ein halbes Jahr (Bund 3 bis 4 Monate, Land 1 bis 2 Monate) brauchen.

Bei den Zahlen handelt es sich um eine realistische Planung.

Eduard Maier von der Breitbandberatung Bayern GmbH zum Netzausbau

Eduard Maier von der Breitbandberatung Bayern GmbH zum Netzausbau

Im Blickpunkt:

Neujahrsempfang abgesagt

In der Serie der coronabedingten Absagen findet sich jetzt auch der Neujahrsempfang der Stadt. Mit Blick auf die aktuellen Vorgaben könnte diese Veranstaltung nicht durchgeführt werden, teilte Bürgermeister Franz Stahl bei der Stadtratssitzung am Donnerstag mit. „Mehrere Hundert Leute in dem Saal, das geht nicht“, bedauerte der Bürgermeister. Der Empfang hätte am 5. Januar stattfinden sollen.

Noch nicht gestrichen hat die Stadt den Termin für das Neujahrskonzert mit der Donau Philharmonie Wien am 8. Januar im Kettelerhaus. Fraglich sei aber, ob die Musiker aus Österreich überhaupt einreisen dürften.

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