Tirschenreuth
19.03.2025 - 11:31 Uhr
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Der nächste Anlauf: Tirschenreuth 2027 als Spielort für die Europassion

Eigentlich war Tirschenreuth 2020 als Spielort für die Europassion eingeplant. Dann kam aber Corona und machte alles zunichte. 2027 gibt es aber nun eine neue Chance. Dazu gibt es erste Informationen.

Die Bude in Tirschenreuth ist voll: Im Alten Rathaussaal geht es hoch her. Gut 80 Leute sind gekommen. Sie begrüßen sich herzlich, sprechen über die Tirschenreuther Passion, über Aufführungstermine, wann die Premiere stattfindet, über die Rollenverteilungen und über die Regie. Bürgermeister Franz Stahl kündigt die Verteilung von Anmeldebogen an, mit Ankreuzmöglichkeiten, wer was auf oder hinter der Bühne machen möchte.

„Jeder kann sich eintragen, ob als Schauspieler, in der Technik oder in der Organisation. Überall werden Leute gebraucht.“ Fragen tauchen auf: „Wer macht das Catering, wenn das Kettelerhaus nicht bewirtet wird?“ oder „Spielt Julian Mühlmeier wieder den Jesus?“. Um es vorwegzunehmen: Julian Mühlmeier hat gegenüber Oberpfalz-Medien Ja gesagt. Wenn er die Rolle wieder bekomme, übernehme er sie sehr gern, lautete seine Antwort.

Premierentermin steht fest

Beinahe könnte man an diesem Abend meinen, die nächste Tirschenreuther Passion findet nächstes Jahr statt. Tatsächlich gibt es einen neuen Termin, nur liegt dieser noch weiter in der Zukunft. Was im Rathaussaal mit großer Begeisterung besprochen wird, ist die Europassion 2027. Bürgermeister Franz Stahl kann es kaum glauben, was die Ankündigung dieser freudigen Nachricht in seiner Stadt und darüber hinaus auslöste. Gut 80 Leute schauen erwartungsvoll nach vorn zum Pult, wo der Rathauschef, Passionsbeauftragter Vinzenz Rahn und Regisseur Johannes Reitmeier erste Informationen über das große Ereignis bekanntgeben, das beinahe punktgenau in zwei Jahren stattfindet. Mit dem 12. März 2027 steht der Premierentermin.

Stichwort Johannes Reitmeier: Der im Bayerischen Wald aufgewachsene Intendant und Regisseur begleitet die Tirschenreuther Passion und die Stadttheater-Produktionen seit der ersten Stunde. 1997 übernahm er die Regie für die erste Passion und blieb Tirschenreuth seither treu. Immer war’s ein wenig hektisch mit ihm, weil er „ganz nebenbei“ unter anderem Intendant im Theater Innsbruck war und stets zwischen Tür und Angel, sprich zwischen Tirschenreuth und Innsbruck, unterwegs sein musste.

Regisseur hat mehr Zeit

An diesem Infoabend feiern die Mitwirkenden einen entspannt wirkenden Johannes Reitmeier, der am Pult mit breitem Lächeln auf den Lippen verkündet: „Ein Gerücht sagt, dass jemand bei der Europassion 2027 mehr Zeit hat.“ Reitmeier meint damit sich selbst. Er hat die Intendanz in Innsbruck abgelegt und führt nun „nur noch“ Regie am Theater Bad Aibling. Was ihm zu mehr Zeit für seine Freunde in Tirschenreuth verhilft. 27 Jahre Intendanz seien lange genug, erklärt er schmunzelnd über die Gründe seines Rückzugs aus Innsbruck.

Ebenfalls mehr Zeit hat zur Europassion Franz Stahl. Er ist dann nicht mehr Bürgermeister, weil er 2026 nicht mehr zur Wahl antritt. Auf die Frage, ob er nun endlich eine Rolle in der Passion übernimmt, antwortet Stahl lachend und höchst diplomatisch: „Nur, wenn ich einen besseren Job als den eines Bürgermeisters bekomme.“ Pontius Pilatus zum Beispiel war Statthalter. Ob das einem Bürgermeister übergeordnet ist, müsste erst recherchiert werden.

Bürgermeister hat einige Wünsche

Der Spaß, die Begeisterung und die Freude über das frühzeitige Wiedersehen nach der Passion 2022 ist im Rathaussaal förmlich zu spüren. Vinzenz Rahn platzt fast vor Stolz, als er von nunmehr 20 Jahren als Passionsbeauftragter berichtete. 119 Passionen hat Rahn nach seiner Aussage seither europaweit besucht und dabei auch in den Anfängen seines Engagements für Tirschenreuth die Europassion ausgehandelt. Umso bitterer war es, als 2020 wegen Corona dieses große Ereignis abgesagt werden musste. Aber der Vergangenheit trauert im Rathaussaal niemand mehr hinterher.

Mit dem neuen Datum 2027 sind die Anwesenden mehr als zufrieden. Humor gehört dazu: „Es ist noch eine Weile. Bis dahin bitte nicht heiraten, keine Kinder kriegen, nicht wegziehen und nicht sterben“, meint Stahl. Alle würden gebraucht. Die Überraschung ist groß, als Franz Stahl mit dem 12. März 2027 den Premierentag und alle sieben weiteren Termine (14., 19., 20., 21., 25., 27. März und 3. April 2027) verkündet. Die Eile ist nicht etwa einem Übereifer in der Stadtverwaltung gezollt. Sie muss sein, Europassionen werden frühzeitig vergeben, auch weil im Rahmen der Theaterveranstaltung im jeweiligen Ort immer ein internationaler Passions-Kongress stattfindet. Vinzenz Rahn steht in den Startlöchern und muss in Kürze die Termine mit dem Europassionsrat abstimmen.

Bevor es ins Detail geht und sich die Anwesenden ihre Rollen oder Aufgaben per Kreuzchen auf dem Anmeldebogen aussuchen, äußert Johannes Reitmeier zwei Wünsche. Der Regisseur möchte vor der Premiere einen stilvollen Gedenkgottesdienst mit dem Ensemble feiern, und er möchte eine Neuauflage des Bildbandes. Bürgermeister Stahl sieht hier keine Probleme, das sei machbar. Er bremst dann aber die Euphorie im Saal ein wenig dahingehend, dass es in den nächsten Monaten, wahrscheinlich sogar in diesem Jahr, kaum Aktivitäten für die Großveranstaltung geben werde. Stahls nächste Aufgabe ist es, die Stadtväter bei der nächsten Stadtratssitzung Ende März für eine Zustimmung zur Europassion 2027 zu gewinnen.

BildergalerieOnetzPlus
Tirschenreuth22.10.2022
Hintergrund:

Die Tirschenreuther Passion

  • Erstmals aufgeführt im Jahr 1997
  • Weitere Aufführungen alle fünf Jahre
  • Theaterproduktion der Stadt Tirschenreuth
  • Seit 1997 unter der Regie von Johannes Reitmeier
  • Jeweils über 100 Mitwirkende vor und hinter der Bühne
  • In der Regel acht Aufführungen im Kettelerhaus Tirschenreuth
  • Jesus dargestellt zuerst von Florian Winklmüller, dann von Julian Mühlmeier
  • 2020 Zuschlag für die Europassion Tirschenreuth, kurz vor der Premiere Absage wegen Corona
  • Premiere der Europassion Tirschenreuth 2027 am 12. März 2027
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