03.09.2020 - 14:59 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Durch den Naturschutz mit Landkreis verbandelt: Moritz Pöllmann aus Erfurt erzählt von seinem FÖJ

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Moritz Pöllmann aus Erfurt hat im Landkreis Tirschenreuth sein neues Zuhause gefunden. Der 20-Jährige absolvierte ein Freiwilliges Ökologisches Jahr und erzählt von seinen Erfahrungen mit Bibern, Neophyten und Motorsägen.

In einem Naturschutzgebiet nahe Tirschenreuth untersucht Moritz Pöllmann mit einem Handy einen Brutkasten für Schellenten. Bislang hat sich aber noch keine in dem Holzkasten niedergelassen.
von Lucia Seebauer Kontakt Profil

Als Moritz Pöllmann sein Abitur in Erfurt beendet hatte, machte er zunächst ein Praktikum in Berlin. "Ich war in einer Werft für Holzbau", sagt er. Doch der 20-Jährige wollte nicht in der Stadt bleiben. Ihn reizte die Arbeit mit der Natur oder im Wald. "Auch ein Studium war für mich eher nichts. Ich hatte nicht so das Interesse am Lernen, ich bin mehr ein Praktiker", sagt er.

Seine Wurzeln hat der junge Mann in der nördlichen Oberpfalz. Moritz ist in Weiden geboren, sein Vater stammt aus Trautenberg bei Krummennaab. Aufgewachsen ist er in Thüringen, nun lebt er bei seiner Großmutter. "Wir haben immer die Ferien hier verbracht, und mit meinem Vater habe ich auf dem Grundstück in Trautenberg Arbeiten erledigt." Nach seinem Praktikum informierte sich Moritz über das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und bewarb sich für eine von zwei Stellen beim Landratsamt Tirschenreuth.

Lupinen-Bekämpfung im Frühjahr

Im September 2019 startete er gemeinsam mit Johannes Pleyer aus Waldthurn in der Unteren Naturschutzbehörde das FÖJ. In ihrer letzten Arbeitswoche im August erinnern sich die beiden nocheinmal an ihre vielfältigen Tätigkeiten zurück. Besonders Spaß machte ihnen, dass sie oft selbstständig arbeiten durften. Zudem waren die Aufgaben abwechslungsreich: So mussten die beiden nicht nur im Büro vor dem Computer sitzen, sondern durften auch raus in die freie Wildbahn.

Nach einer anfänglichen Einarbeitungsphase durften sich die beiden um Biberdämme kümmern, lernten mit der Motorsäge umzugehen, machten Fäll- und Wartungsarbeiten, installierten Fischadlerhorste oder hängten Brut- und Nistkästen auf, die sie später auch kontrollieren durften. Inzwischen kennen sie die Abläufe und arbeiten routiniert mit der Behörde. "Es war gut, dass wir zu zweit waren, denn bei vielem braucht man schon eine helfende Hand", sagt Moritz.

Zu ihren Aufgaben gehörte ebenso die Bekämpfung von Neophyten. Dabei handelt es sich um Pflanzen, die nicht in der Region heimisch sind und durch ihre Ausbreitung regionale Pflanzenarten verdrängen. "Dazu zählen auch Lupinen. Viele wissen nicht, dass die nicht unter Naturschutz stehen und möglichst vernichtet werden sollten", weiß Johannes. "Im Frühjahr haben wir locker einen Monat mit der Bekämpfung verbracht", erklärt Moritz.

Über seine Tätigkeit am Landratsamt fand der Erfurter Anschluss in der Region. "Am Anfang war es schwierig. Da habe ich nur wenig gemacht, außer arbeiten und wieder nach Hause fahren." Und er habe die Leute nicht verstanden. "Gerade mit dem Dialekt der Uroberpfälzer habe ich ein Problem." Durch den Naturschutz lernte er Stück für Stück neue Menschen kennen. "Im Amt habe ich sogar meine Freundin gefunden", sagt er. Inzwischen kann er sich vorstellen, in der Gegend dauerhaft zu bleiben.

Eine prägende Zeit

Ein weiterer Vorteil im FÖJ: "Wir fahren überall rum. Durch unseren Job kommen wir an Orte, wo normale Bürger nicht hindürfen." Begleitet und unterstützt werden sie dabei von einem Anleiter und mehreren Fachkräften aus der Behörde. "Unsere Fachbetreuerin Susi hat uns viel über Pflanzen und Tiere beigebracht." Auch Johannes findet: "Es ist eine prägende Zeit."

Besonders aufregend war für beide die erste Begegnung mit einem Biber. "Wir waren mit dem Biberberater unterwegs und wollten ein Tier fangen", erzählt Moritz. Doch anstatt, dass der kleine Kerl in die Falle gehen wollte, habe er aus dem Wasser geschaut und sich neben die Menschen gesetzt. Nach einer Weile sei das Tier wieder auf und davon. Im FÖJ lernten die beiden auch, wie es funktionieren kann, als Mensch mit Natur und Tieren zu leben, anstatt sie zu bekämpfen.

Aufregend war es zudem, als die erste Corona-Welle in den Landkreis übergeschwappt ist. "Auf einmal war das ganze Sachgebiet weg", erinnert sich Moritz. Eine Mitarbeiterin hatte sich infiziert, weitere Kollegen mussten in Quarantäne. "Wir hatten Glück, weil wir nicht direkt mit der Frau zu tun hatten." So waren die beiden normal im Einsatz. "Wir haben auch über zwei Wochen Mund-Nasen-Schutz-Masken an Bürger in Tirschenreuth verteilt."

Bevor Moritz in den Landkreis kam, hat er seine Entscheidung für sich selbst abgewogen. "Ich glaube, dass ich hier zufriedener sein kann." So hat er neben der Stelle für das FÖJ, gleichzeitig eine Ausbildung in der Region gesucht. Diese ist Anfang September gestartet. "Ich werde eine Zimmermannlehre in Bernstein anfangen." Wieder steht für den jungen Mann das Praktische im Vordergrund. "Dort lerne ich das Handwerk und weiß dann genau, wo ich hinlangen muss."

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Tirschenreuth
Im Blickpunkt:

Das FÖJ am Landratsamt

Das Landratsamt in Tirschenreuth stellt jedes Jahr zwei Plätze für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) bereit. Die Stellen für das Jahr 2020/2021 sind bereits besetzt. Voraussetzung ist, dass die Freiwilligen volljährig sind und einen Führerschein haben. Während des FÖJ kann man an einem Motorsägen- und Motorsensenkurs teilnehmen. Die Freiwilligen können beim Management des Bundnaturschutzgroßprojekts "Waldnaabaue" und in anderen Schutzgebieten mitarbeiten. Gleichzeitig ist man beteiligt an verschiedenen Artenschutzmaßnahmen wie dem Amphibien- und Bibermanagement. Zudem kann man bei der Naturschutzverwaltung, Kontroll-, Kartierungs- und Messarbeiten helfen.

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