14.06.2019 - 16:06 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Neue Hauptdarsteller bei der Europassion 2020 in Tirschenreuth

Bei der Europassion 2020 in Tirschenreuth ist Julian Mühlmeier erstmals als Jesus in der Titelrolle zu sehen. Bernhard Neumann spielt an seiner Seite die Rolle des Judas Ischariot, die vollkommen neu angelegt ist.

Julian Mühlmeier kommt aus Schwarzenbach bei Bärnau. Der 25-jährige absolviert derzeit sein Masterstudium „Leadership for Sustainability“ im schwedischen Malmö (Bild).
von Norbert Grüner Kontakt Profil

Zur Europassion 2020 hat Autor und Regisseur Johannes Reitmeier, Intendant am Landestheater Tirol, nicht nur die Inszenierung erneuert. Auch die Besetzungsliste weist neue Namen auf - nicht nur bei den kleineren Rollen. Die größte Überraschung dabei: Tirschenreuth hat einen neuen Hauptdarsteller. Bei der Europassion 2020 mimt der 25-jährige Julian Mühlmeier aus Schwarzenbach bei Bärnau den Jesus.

Starke Frauenrollen

Bürgermeister Franz Stahl, die Produktionsleiter Peter Geyer und Gaby Saller, der Europassions-Beauftragte Vinzenz Rahn sowie Mirko Streich, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit, stellten die Besetzungsliste vor. Für die umfangreiche neu angelegte Rolle des Judas Ischariot steht ab Freitag, 27. März 2020, der Erbendorfer Bernhard Neumann acht Mal auf der ebenfalls neugestalteten Bühne des Kettelerhauses.

Klagefrauen wie sie bisher bekannt waren, wird es nicht mehr geben. Dafür gibt es fünf statt bisher vier Evangelisten, darunter zwei Frauen, die hochdeutsch sprechen. Albert Bauer, Reinhard Legat, Martin Rother, Janka Hannemann-Mathes und Christina Trenner schlüpfen in diese Rollen. Überhaupt räumt der Autor Frauen bei der Europassion 2020 wesentlich mehr Spielraum und Text als bisher ein. Das wird besonders deutlich bei der Gruppe der Frauen um Jesus. Dazu gehören Maria, die Mutter von Jesu (Sandra Zech), Maria Magdalena (Simone Zettl), Veronika (Petra Sommer-Stark), Johanna Chusa (Franziska Bäumler), Salome von Galiläa (Hedwig Berner), Susanna (Monika Zant), Marta (Lisa Schedl) und Maria von Betanien (Anja Berner).

Für Spätentschlossene gibt es eine gute Nachricht. Es fehlen nämlich noch drei bis vier männliche Darsteller, zum Beispiel ein Hauptmann der Wache oder ein falscher Zeuge.

Geprobt wird diesmal ausschließlich auf der Bühne. Ein erster Probenblock mit Bühnenbild und Felsen geht im Herbst unter der Regie von Stefan Tilch über die Bühne. Die Proben mit Johannes Reitmeier beginnen am 29. Februar. Das neue Bühnenbild hat nichts mehr mit dem bisher gewohnten zu tun. "Diese alten Teile sind entsorgt", erklärt Produktionsleiter Peter Geyer. 14 Meter breit, 5 Meter tief und bis zu 1,50 Meter hoch ist der Theaterfelsen, der bis in den Zuschauerraum hineinragt. Das Geschehen der Tirschenreuther Passion spielt sich in der Hauptsache auf diesem grauen Felsen ab.

Anfang Juli wird er erstmals probehalber im Kettelerhaus aufgebaut und auch während der Probenphasen mehrmals auf- und abgebaut. Der Felsen wurde ursprünglich für eine Produktion des Landestheaters Innsbruck erstellt. Die Stadt Tirschenreuth konnte ihn günstig erwerben. Mit zwei Tiefladern wurden die Teile aus Österreich heraufgekarrt. "Johannes Reitmeier ist ein echter Zauberer was Lichtstimmungen angeht", sagt Gaby Saller. Eine weitere tragende Säule des Bühnenbildes, genauso wie Videoprojektionen, heißt es. Auch was Kleidung betrifft wird die Europassion 2020 viel moderner. "Vielleicht sogar modisch aktuell", denken manche Verantwortlichen laut nach.

Außerdem wird eine neue Tonanlage installiert, um das bekannte Problem, "schlechte Akustik" im Kettelerhaussaal auszumerzen. Extra für die Passion wird von einer Spezialfirma auch eine Zuschauertribüne aufgebaut. Damit wird vor allem die Sicht auf das Geschehen verbessert. Im Haushalt sind für zwei Jahre je 80 000 Euro als Budget für die Europassion veranschlagt. Die Verantwortlichen rechen mit Einnahmen von etwa 50 000 Euro.

"Wenn jetzt einer fragt, ist es das wert, sage ich ganz klar: 'Ja'", so Bürgermeister Stahl, der überzeugt davon ist, dass eine Stadt nur Aufwertung erfährt, wenn neben wirtschaftlichen und strukturellen Erfolgen, auch kulturelle Schwergewichte in die Waagschale gelegt werden.

Schirmherr Markus Söder

Vom 16. bis 19. April 2020 findet der Kongress der Europassion statt. Federführend ist dabei Vinzenz Rahn, der dazu 150 bis 200 Gäste aus 69 europäischen Passionsspielorten erwartet. Beim Kongress wird einer der Regisseure oder Regieassistent Manfred Grüssner referieren. Natürlich werden die Teilnehmer auch eine Aufführung anschauen.

Genauso wie Ministerpräsident Markus Söder, der als Schirmherr gewonnen werden konnte. Ob es zur Premiere klappt, steht noch nicht fest. Bischof Rudolf Voderholzer wurde angeschrieben, um die kirchliche Schirmherrschaft zu übernehmen. Eine Antwort des Bistums steht aber noch aus.

Wegen des Geldes hat Judas (Jürgen Land in der Inszenierung von 2015) Jesus nicht verraten. Die Europassion 2020 zeichnet ein völlig anders Bild der Figur - vielleicht das Spannendste an der neuen Versin.
Zur Person:

Der neue Jesus stellt sich vor

Julian Mühlmeier kommt aus Schwarzenbach bei Bärnau. Der 25-jährige absolviert derzeit sein Masterstudium „Leadership for Sustainability“ im schwedischen Malmö. Ab Herbst wird er aber rechtzeitig zu den Proben für die Passion wieder zurück in der Heimat sein. Mühlmeier ist kein Unbekannter in der Theaterszene der Region. Er spielte bereits im „Oberpfälzer Jedermann“ den „guten Gesell“, in „Cash“, den jungen Johnny Cash und war schauerlich schön in einer modernen Faust-Kurz-Inszenierung durch Manfred Grüssner als „Mephisto“ im Kunsthaus Waldsassen zu sehen.

„Theater fand ich schon immer anziehend und ich bin bereits in der Grundschule in die Theater AG eingetreten“, verrät der neue Jesus-Darsteller. Seine erste Rolle sei der Esel im Krippenspiel gewesen. Auch im Gymnasium wollte Mühlmeier sofort wieder in die Theatergruppe. Seine besten Freunde waren da auch immer dabei, „was das Ganze noch befeuerte“, verrät er. Neben der Schule war er nebenbei im Modernen Theater Tirschenreuth, im Landestheater Oberpfalz oder bei den Bärnauer Festspielen auf der Bühne gestanden. (tr)

Interview mit Regisseur Johannes Reitmeier

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