19.03.2019 - 14:46 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Niesen auf Frühlingswiesen

Die Augen jucken, die Nase läuft: Pollen sorgen schon seit Anfang des Jahres wieder für Ärger bei Allergikern. Experten klären, wie man als Betroffener Abhilfe schaffen kann.

Den Tirschenreuther Apotheker Christian Züllich fragten dieses Jahr bereits im Februar viele Allergiker nach Mitteln gegen die „Pollenplage“.
von Redaktion ONETZProfil

Ist der Winter vorbei, würde sich der ein oder andere Allergiker wohl gerne aus dem Staub machen. Denn mit dem Frühling ziehen auch die Pollen ins Land. Die Saison beginnt mit Erle und Hasel - und die fliegen wohl immer früher. Bereits im Februar fragten die ersten Betroffenen in den Apotheken nach Allergiepräparaten. Läuft die Nase "wie Wasser", deutet das auf eine Pollenallergie hin. Weiteres Symptom sind juckende Augen.

Immunsystem "gelangweilt"

Christian Züllich, Pressesprecher der Apotheker im Landkreis, ist der Meinung, dass "Allergien immer weiter auf dem Vormarsch sind". Warum das so ist, kann verschiedene Gründe haben. "Manche sind der Ansicht, dass unsere moderne Welt zu sauber ist", sagt der Experte. Weil kaum mehr Erkrankungen, etwa durch Parasiten wie Würmer, auftreten, wäre das Immunsystem "gelangweilt". Dies hätte zur Folge, dass es überreagiere - in Form einer Allergie.

Dieser Meinung schließt sich Heilpraktikerin Angelika Wegmann aus Pullenreuth an. Sie hat den Eindruck, dass "Allergien eine Volkskrankheit sind". Wieder andere Fachmänner hingegen meinen, dass es sich dabei nicht um eine Zivilisationskrankheit handelt. So gibt es bereits aus der Zeit um 400 vor Christus Berichte über das Auftreten von Allergien und Asthma. Allerdings sind Impfungen keinesfalls die Ursache von Allergien, stellt Züllich klar. Auch Kinder von Allergikern sollten deshalb geimpft werden.

Bachblütentherapie

"Um Betroffene zu entlasten, wendet man zunächst die topische Behandlung an", erklärt der Apotheker. Das bedeutet, dass man die Symptome an dem Ort, an dem sie auftreten, behandelt. Dazu dienen bei gereizten Augen entsprechende Augentropfen. Bei einer laufenden Nase und häufigem Niesen können Nasensprays Abhilfe schaffen. Vor der Anwendung von kortisonhaltigen Nasensprays, die zum Beispiel gegen Entzündungen in der Nase helfen, ist allerdings die Diagnose eines Arztes notwendig.

Reicht das nicht aus, könne man in einem nächsten Schritt Tabletten hinzuziehen. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Hyposensibilisierung, die zum Beispiel Hautärzte durchführen können. Eine Methode der Naturheilkunde ist die Bachblütentherapie, weiß die Heilpraktikerin. Dabei verabreicht die Pullenreutherin Tropfen, die die Symptome bis ins nächste Jahr hinein lindern können.

Tipps für den Alltag

Zudem können Allergiker ihre Beschwerden mit einfachen Mitteln erträglicher machen. "Sport im Freien sollten Betroffene in der Pollenhochphase vermeiden", meint Wegmann. Weiterhin legen die Experten nahe, regelmäßig zu lüften. Am besten in den frühen Morgenstunden und am Abend, wenn die Luft allergenfrei ist, sowie an Regentagen. Es empfiehlt sich, die getragene Kleidung, die tagsüber dem Pollenflug ausgesetzt war, nachts nicht im Schlafzimmer liegen zu lassen. Ebenso ist es ratsam, sich am Abend zu duschen und seine Haare zu waschen, um diese vom Blütenstaub zu befreien.

Die Heilpraktikerin schlägt zudem vor, ein- bis zweimal täglich eine Nasendusche mit Salzwasser zu machen. Auch wer sich ausgewogen ernährt und zum Beispiel seinen Eiweißkonsum verringert, kann Allergien die Stirn bieten. Ausreichend Vitamin C und Calcium unterstützen die Linderung der Beschwerden. Darüber hinaus kann die Technik helfen: Entsprechende Apps können vor dem Pollenflug warnen. Für werdende Eltern ist es wichtig zu wissen, dass Allergien bereits sehr früh entstehen können. Sowohl während der Schwangerschaft als auch nach der Geburt kann aktives und passives Rauchen Allergien und Asthma bei Kindern hervorrufen. Vorbeugen kann man zudem, indem man auf die Ernährung des Neugeborenen achtet. Ratsam ist es, die ersten vier Monate ausschließlich zu stillen und danach schrittweise Beikost hinzuzufügen. Für Mütter, die nicht stillen können, gibt es hypoallergene Babynahrung. Egal ob jung oder alt, Hilfe sollten sich Betroffene in jedem Fall suchen. Denn "lässt man seinen Heuschnupfen unbehandelt, kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kommen", warnt der Apotheker. Dabei kann Asthma entstehen, wenn die Allergie sich etwa auf die Bronchien verlagert. Bei Fragen können sich Allergiker in der Apotheke beraten lassen. Leiden Betroffene an starkem Hustenreiz bis hin zur Atemnot, verweist Züllich auf einen Arzt.

Allergien: Jeder Vierte betroffen:

Im Frühling sind Millionen von Menschen von umherfliegenden Pollen und anderen Allergenen geplagt. In Deutschland ist gut jeder Vierte von einer Allergie betroffen. Wund geriebene Augen und triefende Nasen und ständiges Niesen gehören dann wieder zum Alltag der Leidtragenden. Und der bricht offenbar immer früher an. In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Phase, in der die Pollen in der Luft sind, um zwei Wochen ausgedehnt. Ein Grund dafür sind nach Expertenmeinung die Auswirkungen des Klimawandels. Da es wärmer geworden ist, beginnen viele Gewächse schon früher im Jahr zu blühen. Zum anderen sorgt angeblich die zunehmende Umweltverschmutzung dafür, dass die allergieauslösenden Stoffe in den Pollen immer bösartiger werden. Dabei wird auf Vergleichsuntersuchungen verwiesen: Pollen der gleichen Pflanzen sind an vielbefahrenen Straßen deutlich aggressiver. Auch in diesem Jahr dürfte die Belastung wegen der milden Temperaturen wieder besonders hoch sein. Verstärkt wird das Problem durch lange Trockenphasen und ausbleibenden Regen.

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