Tirschenreuth
07.12.2018 - 11:43 Uhr

Vom Nordkap bis Saint-Tropez

Einmal zum Mond, zurück und erneut hoch zum Trabanten – diese Strecke haben die Vereinsbusse der Stadt bislang bewältigt. Freilich haben die Sprinter noch nicht neben dem Mondfahrzeug geparkt. Wohl aber am Eiffelturm und am Nordkap.

Seit zwei Jahrzehnten ermöglichen die Werbepartner die Vereinsbusse in Tirschenreuth. Der erste Sprinter wechselte nach seiner Dienstzeit zur Feuerwehr, in der Mitte der aktuelle Bus, links sein Vorgänger. Für Bürgermeister Franz Stahl (rechts) ist das Projekt ein "Erfolgsmodell", das demnächst mit dem fünften Fahrzeug fortgesetzt wird. Um die Wartung kümmert sich Vinzenz Rahn. Bild: ws
Seit zwei Jahrzehnten ermöglichen die Werbepartner die Vereinsbusse in Tirschenreuth. Der erste Sprinter wechselte nach seiner Dienstzeit zur Feuerwehr, in der Mitte der aktuelle Bus, links sein Vorgänger. Für Bürgermeister Franz Stahl (rechts) ist das Projekt ein "Erfolgsmodell", das demnächst mit dem fünften Fahrzeug fortgesetzt wird. Um die Wartung kümmert sich Vinzenz Rahn.

Zwei Jahrzehnte liegt der Start des Projekts "Vereinsbus" zurück. Seitdem haben die Mercedes Sprinter fast alle Ecken Europas angesteuert. Zurückgekommen sind die Fahrzeuge meist mit begeisterten Ausflüglern, aber stets mit einer Fülle von Erlebnissen. Zusammengezählt haben die Fahrzeuge rund 1,14 Millionen Kilometer zurückgelegt. Demnächst erfährt das Projekt Vereinsbus den fünften Neuzugang, wieder finanziert durch die Unterstützung der Firmen.

Ein weiteres Mal soll es ein Mercedes Sprinter sein, den Vereine und Organisationen aus Tirschenreuth nutzen dürfen. Während bei der Einführung gerade mal 78 Pferdestärken für Vortrieb sorgten, wird der neue Neunsitzer satte 143 PS unter der Haube haben. Um die Anschaffung kümmert sich wieder ein Marketing-Unternehmen, dass zur Finanzierung die entsprechenden Sponsoren sucht. Jeweils fünf Jahre stellt das Unternehmen dann das Fahrzeug als Vereinsbus zur Verfügung, danach geht der Sprinter in den Besitz der Stadt über. Ausgedient haben die Busse danach freilich nicht. Bis auf einen Sprinter, der durch seinen anstrengenden "Zubringer-Dienst" bei der Gartenschau satte 406 000 Kilometer auf dem Tacho hatte und verkauft wurde, sind noch alle Vereinsbusse in und um Tirschenreuth unterwegs. Der "Senior" wechselte nach seinem "Ersteinsatz" zur Feuerwehr der Kreisstadt, wo er bis heute Verwendung findet. Damit kann die Stadt über derzeit zwei Fahrzeuge verfügen. Und der nächste Wechsel steht bevor.

Wechsel zur Feuerwehr

In "20 Jahren Vereinsbus" finden sich zahllose Geschichten und Erlebnisse, die Vereine und Gruppen mit dem Sprinter erzählen könnten. Ein paar kennt Vinzenz Rahn, der sich um die Wartung der Fahrzeuge kümmert. Zu den Strapazen gehörte bestimmt eine Tour vor vier Jahren. Damals transportierte der Sprinter eine Gruppe bis ans Nordkap. Kaum zurück wurde das Fahrzeug nach Südfrankreich nach Saint-Tropez in Gang gesetzt. In drei Wochen sprintete das Fahrzeug 4500 Kilometer quer durch Europa. Mit Komplikationen endete ein anderes Mal eine Tour nach Salzburg. Nachdem der Fahrzeugschlüssel verloren ging, musste die Gruppe im Zug heimreisen. Mit dem Reserveschlüssel durfte sich dann einer wieder nach Salzburg aufmachen und den Vereinsbus zurückholen. Weitere Ziele der Vereinsbusse waren unter anderem Paris, Mailand, der Gardasee oder die Karlsbader Hütte.

Sehr zuverlässig

Gefunden hat Vinzenz Rahn nach der Übergabe in den Vereinsbusse so allerhand, bis hin zum Gebiss. Das hat sich der Besitzer natürlich wieder abgeholt. Was Rahn besonders freut, ist die Zuverlässigkeit der Fahrzeuge, die ihre 1,14 Millionen Kilometer ohne größere Pannen abgespult haben. Einmal, so erinnert er sich, gab es beim Ausflug einer Jugendgruppe nach Österreich eine Reifenpanne. Nachdem sich im Fahrzeug kein Ersatzreifen befand, ist Rahn nach Österreich gefahren, mit einem Reifen im Gepäck, und hat den Schaden behoben.

15 Euro pro Tag

Einer, der sich besonders über den Erfolg des Projekts "Vereinsbus" freut, ist Bürgermeister Franz Stahl. Immerhin hatte 1998 die CSU-Fraktion den Antrag im Stadtrat eingebracht und Stahl war damals Fraktionssprecher. Als Vorreiter im Landkreis hätte Tirschenreuth den Vereinsbus umgesetzt. Seit damals sei es Ziel der Idee, gerade die Jugendarbeit in den Vereinen zu unterstützen, weiß Stahl. Für Fahrten zu Wettbewerben oder für Freizeiten könnte der Bus genutzt werden und ist vielseitig verwendbar. "Der Vereinsbus ist ein Erfolgsmodell", bestätigt der Bürgermeister und dankte besonders den Firmen für die anhaltende Unterstützung. "Und solange die Sponsoren mitziehen, wird der Vereinsbus weiter unterwegs sein", hofft Stahl schon auf das nächste Fahrzeug.

Das wird auch weiter zu unschlagbar günstigen Konditionen an Vereine, Organisationen und Werbepartner abgegeben. Gerade mal 15 Euro pro Tag verlangt die Stadt für den Bus, unabhängig von den gefahrenen Kilometern. Natürlich muss der Sprinter wieder vollgetankt abgegeben werden. Wer den Vereinsbus "buchen" will, kann sich an die Stadtkämmerei wenden.

Viele Orte in Europa haben die Vereinsbusse schon gesehen, etwa den Eiffelturm in Paris. Seit der Einführung haben die vier Fahrzeuge insgesamt schon 1,14 Millionen Kilometer zurückgelegt. Bild: Privat
Viele Orte in Europa haben die Vereinsbusse schon gesehen, etwa den Eiffelturm in Paris. Seit der Einführung haben die vier Fahrzeuge insgesamt schon 1,14 Millionen Kilometer zurückgelegt.
Bis zur Karlsbader Hütte ist der Vereinsbus schon geklettert. Bild: Privat
Bis zur Karlsbader Hütte ist der Vereinsbus schon geklettert.
 
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