19.08.2018 - 09:54 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Offenes Ohr für alle Menschen

Es ist mittlerweile eine Institution und nicht mehr aus der Stadt Tirschenreuth wegzudenken: "Leben plus" wird zwei Jahre alt.

Blicken in eine positive Zukunft für „Leben plus“: Bürgermeister Franz Stahl, stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer Sven Lehner, Quartiersmanagerin Cornelia Stahl und BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl.
von Lena Schulze Kontakt Profil

(szl) Im Juli feierte "Leben plus" seinen zweiten Geburtstag. "In kürzester Zeit ist das Projekt aus den Kinderschuhen herausgewachsen und nicht mehr aus der Stadt wegzudenken", sagt Bürgermeister Franz Stahl. "Es geht um Dinge des Lebens." "Leben plus" ist ein Netzwerk, das zum Ziel hat, hilfsbedürftigen Menschen jeden Alters in Notlagen die richtigen Anlaufstellen zu vermitteln. "Wir haben damit einen Nerv getroffen", so der Rathauschef.

Der Start von "Leben plus" ist 2014/2015, als das Stadtentwicklungskonzept in verschiedenen Arbeitskreisen evaluiert wurde. Das Projekt sollte die Antwort auf die Frage sein, wie Menschen im Alter so lange wie möglich eigenständig zu Hause leben können. "Das Projekt hat im BRK schon eine längere Geschichte", weiß BRK-Kreisgeschäftsführer Holger Schedl.

"Das Quartiersmanagement geht auf überregionaler Ebene nicht", stellte er fest. "Dazu braucht es ein Gesicht, das Vertrauen schafft." Schedl entwickelte zusammen mit der Stadt die Idee weiter zum Projekt. Durch ihn gelang auch die Anschub-Finanzierung. Er betont, dass sich "Leben plus" nicht nebenbei organisieren lässt. Die Stelle müsse hauptamtlich bekleidet werden.

Rasante Entwicklung

Das Gesicht hinter dem Projekt ist Cornelia Stahl. Die Quartiersmanagerin bedankt sich beim BRK und dem Stadtrat für das ihr entgegengebrachte Vertrauen. In den zwei Jahren des Bestehens gelang es ihr, insgesamt 43 Netzwerkpartner zu gewinnen. Diese sind in verschiedenen Branchen ansässig: Ärzte, Handwerker, Apotheken, Metzger und Bäcker, Sozialverbände, Banken, Beratungsstellen, Planungsbüros, Einzelhändler sowie Geschäfte. Waren es im ersten Jahr rund 50 Vermittlungen, wurde der Dienst von "Leben plus" im zweiten Jahr schon 290 Mal in Anspruch genommen.

Mehr als ein Dutzend Ehrenamtliche helfen den Betroffenen. "Es ist oft nur ein kleiner Handgriff", weiß Cornelia Stahl: Rasenmähen, Begleitung beim Spazierengehen, Behördengänge, Fahrdienste. "Aber die Ehrenamtlichen sind eine ungemein wichtige Säule."

Zwar stehen für die Quartiersmanagerin die Beratungen und Vermittlungen an erster Stelle, dennoch galt es in den ersten Monaten, vor allem Netzwerkpartner zu finden und das Projekt bekannt zu machen. Es wurde ein unverwechselbares Logo entworfen, dass sogleich einen Flyer und einen Aufkleber ziert. Auf Messen, Empfängen und in Vereinen stellte sie ihr Angebot vor.

Zudem entwickelte Cornelia Stahl eigenen Ideen, wie die Stadtteilspaziergänge den gemeinsamen Mittagstisch und die Seniorengymnastik. Zu allen Aktionen gibt es Fahrdienste. "Bei den Aktionen habe ich das Ohr am Menschen." Es sei wichtig, zu wissen, was die Leute bewegt, damit sie richtig Unterstützung leisten kann. "Ich hatte den Anspruch das Projekt mit Leben zu füllen. Ich denke, das ist mir gelungen. Zwei Jahre vergehen wie im Flug."

Obwohl die Tirschenreutherin für das Projekt nur halbtags angestellt ist, hat sie viele Ideen zur Weiterentwicklung des Netzwerks in petto. "Für den Winter plane ich einen Nachmittag für Senioren 60 plus und die jüngere Generation zum Thema ,neue Medien'. Die Älteren können fragen zur Technik stellen, die Jüngeren helfen beim bedienen", stellt Stahl ihr Konzept vor.

Weitsicht bewiesen

Holger Schedl lobt für die Weitsicht, dass die Stadt von Anfang an klar in Aussicht stellte "Leben plus" nachhaltig und über die Förderung hinaus aufzubauen. Der Stadtrat beschloss, das Projekt zeitlich nicht zu begrenzen. Das Netzwerk habe sich gut etabliert, es stecke viel persönliches Engagement der Quartiersmanagerin dahinter.

"Die Leute, die da aufschlagen, brauchen eine Bezugsperson", weiß der Bürgermeister. "Hätten wir es nicht, müssten wir es noch mal erfinden", ist er überzeugt. Im Landkreis gibt es das Projekt sogar schon ein zweites Mal: Die Stadt Kemnath hat das Konzept übernommen. "Es hat einen überregionalen Charakter bekommen", freut sich Stahl.

Mit dem zweiten Geburtstag von "Leben plus" ist auch die finanzielle Förderung vom bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration hinfällig. Der Stadtrat hat beschlossen, dass das soziale Netzwerk eine ständige Einrichtung werden soll. Künftig wird das Netzwerk vom BRK und der Stadt finanziert. In Verhandlungen mit der Regierung Oberpfalz hoffen die Tirschenreuther auf Unterstützung über die Städtebauförderung.

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