Tirschenreuth
14.04.2020 - 11:06 Uhr

Mit Offenheit, Freundlichkeit und Humor

Es war stets ein Erlebnis, Tirschenreuths Altbürgermeister Ludwig Wolfrum zu begegnen. Als Stadtoberhaupt setzte er sich etwa für den Fortbestand der Walzenfabrik Hamm in der Kreisstadt ein. Nun ist er im Alter von 95 Jahren verstorben.

Am 3. März feierte Ludwig Wolfrum seinen 95.Geburtstag. Am Ostersonntag ist der Altbürgermeister verstorben. Archivbild: tr
Am 3. März feierte Ludwig Wolfrum seinen 95.Geburtstag. Am Ostersonntag ist der Altbürgermeister verstorben.

Die Begegnung mit Ludwig Wolfrum war stets ein erfrischendes, ein angenehmes Erlebnis. Freundlichkeit, ein schelmischer Humor, aber auch Offenheit und ein ehrlicher Blick auf Gesellschaft und Politik kennzeichneten die Gespräche - und prägen die Erinnerung. Denn der Altbürgermeister der Kreisstadt wird als Gesprächspartner fehlen. Ludwig Wolfrum ist am Ostersonntag nach kurzem Krankenhausaufenthalt im Alter von 95 Jahren verstorben.

Vor wenigen Wochen durfte der Senior seinen 95. Geburtstag feiern. Und das Familienfest gestaltete der Altbürgermeister so, wie er immer die wichtigen Momente in seinem Leben gestaltete: zusammen mit seiner Familie und mit vielen Freunden.

Viel erlebt

Denn Ludwig Wolfrum liebte stets die gesellige Runde, freute sich über den anregenden Austausch und leistete dazu auch immer seinen Beitrag. Keine Frage, dass sich der Senior auch bei der Organisation des Ruhestands bis zuletzt nicht aufs "Altenteil" beschränken wollte. Seine Kinder, Enkel und auch die Urenkelin sorgten dafür, dass der Altbürgermeister den "Draht" zur Moderne nicht verlieren brauchte. Die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen Leben verpflichtete Ludwig Wolfrum schon früh, auch politische Verantwortung zu übernehmen.

1952 sah er in der CSU den idealen Wirkungskreis - und die Partei erkannte auch schnell das wertvolle Potenzial des Mitglieds. Das führte schließlich 1972 zum Amt des Stadtrats und zwei Jahre später schon zum Posten des Stellvertretenden Bürgermeisters. Und wiederum vier Jahre darauf, 1978, durfte Wolfrum selbst auf dem Chefsessel im Rathaus Platz nehmen. Dort begleitete er prägende Abschnitte der Kreisstadt, immer mit Besonnenheit und Rücksicht auf die Bürger, die die Arbeit ihres Stadtoberhauptes stets schätzten.

Wichtige Stationen waren dabei der erfolgreiche Kampf um den Fortbestand der Walzenfabrik Hamm am Standort Tirschenreuth oder die Ansiedlung der Kolping-Berufshilfe. 1925 in der Kreisstadt geboren, hat Ludwig Wolfrum als junger Mann die schwere Zeit des Dritten Reichs miterleben müssen, bis hin zum Fronteinsatz im Osten und zur russischen Kriegsgefangenschaft, die für ihn erst im Juli 1947 endete. Wieder zu Hause übernahm er zunächst nach dem Tod seines Onkels den landwirtschaftlichen Betrieb vom Erbteil der Mutter in Hohenwald. Zu den besonderen Stationen gehörte 1949 die Heirat mit seiner Frau Christine sowie später die Entscheidung, seine berufliche Zukunft neu auszurichten. 1953 gelang ihm dies mit der Einstellung am Finanzamt, damals noch in Tirschenreuth.

In Vereinen aktiv

Neben der beruflichen Aufgabe und dem politischen Wirken fand Ludwig Wolfrum stets aber auch Zeit, sich in den Vereinen einzubringen. Die Offenheit und das vielfältige Interesse führten auch hier zu einem weiten Spektrum, von Heimat und Fußball bis Schützenwesen und Tierschutz. Bis zuletzt hat er alles mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Die Kraft, mit der er seine schweren Tage meisterte, hatte Anlass zur Hoffnung gegeben, dass der Altbürgermeister auch die jüngste gesundheitliche Hürde überwinden kann. Doch die Rückkehr zu Familie und Freunden blieb ihm verwehrt.

Mit Rücksicht auf die Situation durch die Coronakrise findet die Beerdigung im engen familiären Kreis statt – auch wenn viele Freunde Ludwig Wolfrum gerne auf seinem letzten Weg begleitet hätten.

 
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