Tirschenreuth
14.10.2022 - 10:14 Uhr
OnetzPlus

Pächter-Ehepaar Tembler geht nach 18 Jahren auf Karlsbader Hütte in Ruhestand

Eine grundlegende Veränderung gab es bei der DAV-Sektion Karlsbad: Die Hüttenpächter Edith und Rupert Tembler verabschieden sich nach 18-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand. Beide blicken nicht ohne Wehmut auf das Ende.

Edith Tembler ist noch mitten drin. Die Karlsbader Hütte schloss ihre Pforten zwar Ende September, doch die 58-Jährige ist noch mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Zum letzten Mal. Denn nach dieser Saison verabschiedet sich das Hüttenpächter-Ehepaar aus der Osttiroler Gemeinde Kals in den Ruhestand.

Rupert Tembler und seine Frau Edith führten seit 2005 das traditionsreiche Haus auf 2260 Metern in den Lienzer Dolomiten. „Das ist bei uns noch gar nicht so richtig angekommen, dass wir die Hütte nun zum letzten Mal winterdicht machen“, sagt die Wirtin. Der Hüttenschluss sei aufwendiger, als viele denken. Es müssten die übrigen Lebensmittel ins Tal gebracht, das Wasser aus den Leitungen abgelassen, alles gereinigt und die Mitarbeiter abgerechnet werden. Alleine für die vollbiologische Kläranlage würden zwei Tage benötigt. Ganz zum Schluss werden dann die Fensterläden eingeklappt.

Und dann stehe nach diesem Sommer noch die Übergabe an den Eigentümer, die Sektion Karlsbad im Deutschen Alpenverein mit Sitz in Tirschenreuth, sowie den Nachfolgepächter an. „Aktuell ist es fast noch wie immer“, berichtet Edith Tembler. Bis sie und ihr Mann realisieren werden, dass sie die Bewirtschaftung der Hütte abgegeben haben – „das wird wohl erst im Laufe des Winters oder des nächsten Sommers kommen.“

Rückzug aus Altersgründen

Das Alter ist der einzige Grund, warum das Ehepaar nicht mehr weiter macht. „Es ist eine große und fordernde Hütte“, sagt die 58-Jährige. Die Arbeit sei körperlich sehr anstrengend, was die Wirtin und ihren 65-jährigen Ehemann in den vergangenen Jahren an ihre Grenzen gebracht habe. Beide blickten nicht ohne Wehmut auf das Ende. Rupert Tembler bezeichnet die Karlsbader Hütte als „einen der schönsten Arbeitsplätze, die man haben kann“. Das Haus strahle Gemütlichkeit aus, man atme die Tradition. „Es war eine wunderschöne Zeit“, betont seine Frau. „Da sind schon einige unglaublich schöne Freundschaften entstanden“, berichtet Rupert Tembler über die vergangenen 18 Jahre als Hüttenpächter.

Auf der Hütte begrüßte das Ehepaar viele Stammgäste. „Das kommt weniger oft vor, Stammgäste hat nicht jede Hütte“, wissen die Temblers. Ein Besucher sei im Sommer 2022 40 Mal auf der Karlsbader Hütte gewesen. „In dreieinhalb Monaten ist das schon besonders“, sagt Edith Tembler und lacht. Daraus habe sich ein Wettbewerb entwickelt, wer es am häufigsten schafft. „Den Spaß haben am Schluss 30 Leute mitgemacht.“

Fehlen werde Edith Tembler künftig wohl besonders das Organisatorische. Wenn es mal stressig wird und dann alles gelingt – das sei schon immer spannend und ein Kick gewesen. Besonders lobt sie die Zusammenarbeit mit dem Vorstand der Sektion. „Da hatten wir großes Glück, wir haben vieles zusammen erreicht.“

Endauswahl für neue Pächter

Nach der Übergabe der Hütte freue sich das Ehepaar auch auf einen stressfreien Sommer im Tal. Langweilig werde den beiden nicht werden. Edith Tembler möchte wieder mehr Aufgaben in der eigenen Ferienwohnung übernehmen und ihrem Hobby, der Fotografie, nachgehen. Die begeisterten Motorrad-Fahrer und Bergwanderer unternehmen zu zweit auch gerne Ausflüge.

Besonders Rupert Tembler kennt das Berg- und Alpen-Milieu von der Pike auf. Er war Maschinenschlosser beim bekannten Ski-Hersteller Kneissl und begann 1979 mit der Skilehrer-Ausbildung. In den folgenden Jahren war er hauptberuflich Bergführer und ab 1991 Skischulleiter in Kals am Großglockner. 15 Jahre bewirtschaftete Tembler im Sommer als Pächter die Erzherzog-Johann-Hütte am Großglockner, den er selbst schon einige Hundert Male bestiegen hat. Der 65-Jährige engagiert sich in vielfältiger Weise. Unter anderem ist er Mitglied der Bergrettung am Großglockner sowie des Bergführervereins und der Schützenkompanie in Kals.

Wie Gottfried Haas, Vorsitzender der DAV-Sektion Karlsbad, auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien informiert, sei man bei der Suche nach Nachfolgepächtern für die Karlsbader Hütte bereits in der Endauswahl. Die neuen Pächter möchte der Verein demnächst vorstellen.

OnetzPlus
Tirschenreuth16.09.2021
Info:

Die Karlsbader Hütte

  • Lage auf 2260 Metern in den Lienzer Dolomiten
  • Pächter von 2005 bis 2022: Ehepaar Edith und Rupert Tembler aus der Osttiroler Gemeinde Kals
  • Nach zahlreichen Sanierungen und Erweiterungen ein modernes Schutzhaus der Kategorie I
  • Mehrbettzimmer mit 58 Schlafplätzen und weiteren 43 im Matratzenlager
  • Seminarraum, W-Lan und guter Handy-Empfang
Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Zum Fortsetzen bitte

Sie sind bereits eingeloggt.

Um diesen Artikel lesen zu können, benötigen Sie ein OnetzPlus- oder E-Paper-Abo.