25.03.2019 - 10:32 Uhr
TirschenreuthOberpfalz

Pollen-Allergie: Was tun bei Heuschnupfen?

Die Augen jucken, die Nase läuft: Pollen sorgen schon seit Anfang des Jahres wieder für Ärger bei Allergikern. Experten klären, warum Allergien immer häufiger auftreten – und wie man als Betroffener Abhilfe schaffen kann.

Der Tirschenreuther Apotheker Christian Züllich stellt fest, dass der Pollenflug immer früher einsetzt. Bereits im Februar fragten ihn viele nach Allergiepräparaten.
von Redaktion ONETZProfil

Ist der Winter vorbei, würde sich der ein oder andere Allergiker wohl gerne aus dem Staub machen. Denn mit dem Frühling ziehen auch die Pollen ins Land. Die Saison beginnt mit Erle und Hasel – und die fliegen wohl immer früher. Denn in diesem Jahr fragten bereits im Februar die ersten Betroffenen nach Allergiepräparaten in den Stiftland-Apotheken. Sie klagen, dass ihre Nase „wie Wasser“ läuft. Eine solche Beschreibung deutet darauf hin, dass es sich nicht um einen Erkältungsschnupfen, sondern um die Symptome einer Pollenallergie handelt. Weiterhin gehören juckende Augen zu den typischen Beschwerden.

Christian Züllich, Pressesprecher der Apotheker im Landkreis Tirschenreuth, ist der Meinung, dass „Allergien immer weiter auf dem Vormarsch sind“. Warum das so ist, kann verschiedene Gründe haben. „Manche sind der Ansicht, dass unsere moderne Welt zu sauber ist“, sagt der Experte. Weil kaum mehr Erkrankungen, etwa durch Parasiten wie Würmer, auftreten, wäre das Immunsystem „gelangweilt“. Dies hätte zur Folge, dass es überreagiere – in Form einer Allergie. Dieser Meinung schließt sich Heilpraktikerin Angelika Wegmann aus Pullenreuth an. Sie hat den Eindruck, dass „Allergien eine Volkskrankheit sind“. Wieder andere Fachmänner hingegen meinen, dass es sich dabei nicht um eine Zivilisationskrankheit handelt. So gibt es bereits aus der Zeit um 400 vor Christus Berichte über das Auftreten von Allergien und Asthma. Allerdings sind Impfungen – anders als in diversen Internetforen behauptet – keinesfalls die Ursache von Allergien, stellt Züllich klar. Auch Kinder von Allergikern sollten deshalb geimpft werden.

Wie helfen Experten?

„Um Betroffene zu entlasten, wendet man zunächst die topische Behandlung an“, erklärt der Apotheker. Das bedeutet, dass man die Symptome an dem Ort, an dem sie auftreten, behandelt. Dazu dienen bei gereizten Augen entsprechende Augentropfen. Bei einer laufenden Nase und häufigem Niesen können Nasensprays Abhilfe schaffen. Vor der Anwendung von kortisonhaltigen Nasensprays, die zum Beispiel gegen Entzündungen in der Nase helfen, ist allerdings die Diagnose eines Arztes notwendig. Reicht das nicht aus, könne man in einem nächsten Schritt Tabletten – frei käuflich oder vom Arzt verschrieben – hinzuziehen. Eine weitere Behandlungsmöglichkeit ist die Hypersensibilisierung, die zum Beispiel Hautärzte durchführen können. Sie spritzen dem Patienten dabei die Allergene, für die er anfällig ist. Das Verfahren erfolgt schrittweise über einen längeren Zeitraum und gewöhnt den Körper langsam an die Stoffe, um ihn dagegen immun zu machen. Allerdings weist der Weidener HNO-Arzt Dr. Matthias Kopp darauf hin, dass „die Probleme sich von Patient zu Patient unterscheiden und daher unterschiedlich behandelt werden müssen.“ Eine Methode der Naturheilkunde ist die Bachblütentherapie, weiß die Heilpraktikerin. Dabei verabreicht die Pullenreutherin Tropfen, die die Symptome bis ins nächste Jahr hinein lindern können. Auch sie selbst litt jahrelang an einer Pollenallergie und ließ sich dagegen homöopathisch behandeln.

Tipps für den Alltag

Zudem können Allergiker ihre Beschwerden mit einfachen Mitteln erträglicher machen. „Sport im Freien sollten Betroffene in der Pollenhochphase vermeiden“, meint Wegmann. Weiterhin legen die Experten nahe, regelmäßig zu lüften. Die beste Zeit dafür ist in den frühen Morgenstunden und am Abend, wenn die Luft allergenfrei ist, sowie an Regentagen. Bei starkem Wind sollte man die Fenster lieber geschlossen halten. Es empfiehlt sich, die getragene Kleidung, die tagsüber dem Pollenflug ausgesetzt war, nachts nicht im Schlafzimmer liegen zu lassen. Ebenso ist es ratsam, sich am Abend zu duschen und seine Haare zu waschen, um diese vom Blütenstaub zu befreien. Das Anbringen von Pollenschutzgittern an den Fenstern ist eine weitere Möglichkeit, sich zu schützen. Genauso hilft der regelmäßige Griff zu Staubwedel und -sauger, um die Wohnung von Pollen zu befreien. Die Heilpraktikerin schlägt zudem vor, ein- bis zweimal täglich eine Nasendusche mit Salzwasser zu machen. Auch wer sich ausgewogen ernährt und zum Beispiel seinen Eiweißkonsum verringert, kann Allergien die Stirn bieten. Ausreichend Vitamin C und Calcium unterstützen die Linderung der Beschwerden. Darüber hinaus kann die Technik helfen: Entsprechende Apps können vorhersagen, vor welchen Pollen man sich in den nächsten Tagen in Acht nehmen sollte.

Von Anfang an vorbeugen

Für werdende Eltern ist es wichtig zu wissen, dass Allergien bereits sehr früh entstehen können. Sowohl während der Schwangerschaft als auch nach der Geburt kann aktives und passives Rauchen Allergien und Asthma bei Kindern hervorrufen. Vorbeugen kann man zudem, indem man auf die Ernährung des Neugeborenen achtet. Ratsam ist es, die ersten vier Monate ausschließlich zu stillen und danach schrittweise Beikost hinzuzufügen. Für Mütter, die nicht stillen können, gibt es hypoallergene Babynahrung. Die ist auf der Verpackung jeweils mit den Buchstaben HA gekennzeichnet.

Egal ob jung oder alt, Hilfe sollten sich Betroffene in jedem Fall suchen. Denn „lässt man seinen Heuschnupfen unbehandelt, kann es zu einem sogenannten Etagenwechsel kommen“, warnt der Tirschenreuther Apotheker. Dabei kann Asthma entstehen, wenn die Allergie sich etwa auf die Bronchien verlagert. Bei Fragen können sich Allergiker jederzeit in der Apotheke beraten lassen. Leiden Betroffene an starkem Hustenreiz bis hin zur Atemnot, verweist Züllich auf einen Arzt.

Info:

Allergien: Jeder Vierte betroffen

Im Frühling sind Millionen von Menschen von umherfliegenden Pollen und anderen Allergenen geplagt. In Deutschland ist gut jeder Vierte von einer Allergie betroffen. Wund geriebene Augen, triefende Nasen und ständiges Niesen gehören dann wieder zum Alltag der Leidtragenden. Und der bricht offenbar immer früher an. In den letzten 30 Jahren hat sich die Phase, in der die Pollen in der Luft sind, um zwei Wochen ausgedehnt. Ein Grund dafür sind nach Expertenmeinung die Auswirkungen des Klimawandels. Da es wärmer geworden ist, beginnen viele Gewächse schon früher im Jahr zu blühen. Zum anderen sorgt angeblich die zunehmende Umweltverschmutzung dafür, dass die allergieauslösenden Stoffe in den Pollen immer bösartiger werden. Vergleichsuntersuchungen zeigen: Pollen der gleichen Pflanzen sind an vielbefahrenen Straßen deutlich aggressiver. Auch in diesem Jahr dürfte die Belastung wegen der milden Temperaturen wieder besonders hoch sein. Verstärkt wird das Problem durch lange Trockenphasen und ausbleibenden Regen.

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